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Imageproblem: Wie Funkel zum Zankapfel wurde

Eintracht-Trainer polarisiert, weil er für Graue-Maus-Fußball steht und ein Imageproblem hat. Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Hat ein Imageproblem.
Hat ein Imageproblem.
Foto: dpa

Der schleichende Niedergang des Friedhelm Funkel begann kurz vor dem Abflug in die Winter-Sonne an der portugiesischen Algarveküste. Damals trommelte Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen den Hauptausschuss zusammen, um die Vertragsverlängerung des Fußballlehrers auf den Weg zu bringen. Doch drei der vier Herren senkten den Daumen und signalisierten, zu diesem Zeitpunkt keinesfalls zustimmen zu wollen. Im Jahr zuvor war die weitere Zusammenarbeit in handgestoppten 22 Sekunden fixiert worden - doch anno 2009 musste Bruchhagen seinen leitenden Angestellten vertrösten.

Aufsichtsratschef Herbert Becker, ein erbitterter Gegner Funkels, gab auch gleich zum besten, dass das Gremium in der Trainerfrage "keine klare Meinung" habe und "unterschiedlicher Auffassung" sei. Zwei Monate später knickte der Aufsichtsrat unter großem Murren doch ein, Funkels Vertrag wurde bis 2010 verlängert. Doch die Position des sturen Trainers war da schon geschwächt, er war zwar nicht demontiert, aber doch öffentlich angezählt.

Blanker Hass

Wie konnte aber der bundesweit geschätzte Fußballsachverständige Funkel in so kurzer Zeit so tief fallen, wie konnte er in der Gunst des Publikums derart tief sinken, dass ihm fast schon blanker Hass entgegenschlägt? Sachliche Diskussionen über Funkel sind kaum mehr möglich, es geht auch gar nicht mehr um die Frage, ob er fachlich gute oder schlechte Arbeit abliefert, es zählen weiche Faktoren: Stimmungen, Gefühle, Atmosphäre - all das ist schlecht. Die Hauptfrage lautet: Hat es Sinn mit der Galionsfigur Funkel, dem Gesicht der Krise, in die neue Runde zu gehen? Es geht um die Frage, ob man einen Trainer tatsächlich über einen langen Zeitraum gegen den Willen des eigenen, zahlenden Publikums halten kann.

Die Anti-Funkel-Stimmung brach sich schon Bahn, als die Eintracht im Frühjahr 2008 zu einer ungewohnten Siegesserie ansetzte, an den Europapokalplätzen schnupperte - und dann kolossal abstürzte. Der Fall wurde, natürlich, Funkel angelastet, weil er angeblich nur Abstiegskampf könne und in der Höhe die Orientierung verlöre. Die Eintracht schleppte die schlechte Serie als Hypothek mit in die neue Saison, die genauso schlecht anfing wie die vorige geendet hatte.

Die Unzufriedenheit der Fans - egal, ob in der Stehkurve oder auf dem sündhaft teuren VIP-Sessel - rührt auch von der Spielweise der Mannschaft her. Sie trägt Funkels Handschrift. Er mag keine Freigeister und Schönspieler, er mag Arbeiter, solide Handwerker, er stellt den Kollektivgedanken über alles, und er hat eine Maxime: Lieber sicher nicht zu verlieren als womöglich gewinnen zu können. Diese Risikovermeidung kommt nicht gut an, zumal wenn selbst das nicht mehr gelingt.

Die Antipathie gegen den im Normalleben umgänglichen, lebenslustigen Friedhelm Funkel hat auch viel mit dessen Image zu tun. Mit Funkel assoziiert man langweiligen, öden Graue-Maus-Fußball, Funkel-Gewürge eben. Wer Spektakel, Wildwest, Abenteuer-Fußball will, ist bei Funkel an der falschen Adresse. Er orientiert sich am Machbaren. Unspektakuläre, die Geduld strapazierende Fußballspiele aber will in Frankfurt niemand mehr sehen. Seine ganz persönliche Tragödie ist: Immer, wenn er gegen seine Natur riskanter aufgestellt hat, hat er damit Schiffbruch erlitten. Im Grunde kann Funkel nicht aus seiner Haut: Wer Zeit seines Lebens als Spieler wie als Trainer gegen den Abstieg kämpft - sehr erfolgreich übrigens -, ist in sich selbst gefangen. Groß bleibt groß, klein bleibt klein, und für ihn ist die Eintracht - ganz im Gegensatz zu der allein von Hoffnung geprägten Auffassung der Anhänger - klein. Funkel hat vielleicht auch deshalb nie geklagt, er hat alle Sparmaßnahmen geschluckt, er war immer loyal zum Klub.

Bei Caio ungeschickt verhalten

Eintracht Frankfurt spielt seit vier Jahren in der Bundesliga. Und das ist eine Leistung. Funkel holt das Maximale aus den limitierten Einzelspielern heraus. Er führte das Team ins Pokal-Finale und ein Jahr später erneut ins Halbfinale. Er hat in den fünf Jahren seiner Tätigkeit in Frankfurt sehr vieles richtig gemacht, auch wenn manche Entscheidung kaum nachzuvollziehen ist. Im Falle Caio etwa verhielt er sich, auch pädagogisch, bisweilen nicht so geschickt. Funkel will kaum ein positives Wort über die Lippen, selbst in den wenigen guten Spielen des Brasilianers findet er noch ein Haar in der Suppe. Dennoch unterliefen ihm solche taktischen Fehler wie jüngst in Bochum eher selten, als er die nur bedingt tauglichen Markus Steinhöfer und Mehdi Mahdavikia als Flügelzange nominierte und sogar durchspielen ließ.

Die Frage ist: Lässt sich Boss Bruchhagen von der öffentlichen Meinung leiten, knickt er ein? Oder hat die enttäuschende Rückrunde auch sein grenzenloses Vertrauen in Funkel aufgeweicht? Er wirkt angeschlagen. Die nächsten Tage werden nicht leicht für ihn: Er muss eine Entscheidung treffen - von größter Tragweite. Mit Sicherheit die schwiergste seit seinem Amtsantritt.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ
Datum:  17 | 5 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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