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Interview mit Halil Altintop: "Showgeschäft ist nicht meine Welt"

Neuzugang Halil Altintop im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über den "Topklub Eintracht", seine Integration und seine deutsche Mentalität.

Halil Altintop in seinem ersten Spiel für die Eintracht - gegen den 1. FC Köln.
Halil Altintop in seinem ersten Spiel für die Eintracht - gegen den 1. FC Köln.
Foto: Getty

Herr Altintop, Sie sind jetzt seit ein paar Tagen in der Stadt, sind Sie schon richtig angekommen?

Ja, klar. Ich kenne ja nicht nur das Stadion und den Flughafen. Nein, nein. Ich war, als es warm war, schon häufig unten am Main. Ich kenne hier einiges. Denn meine Freundin hat mal ein Jahr in Frankfurt gelebt. Und ich bin begeistert von der Skyline.

Sie wohnen noch im Mannschaftshotel direkt am Mainufer. Da haben Sie ja den besten Blick.

Ja, es ist wunderschön. Meine Freundin liebt Frankfurt bei Nacht, und wenn man dann im Dunkeln im Zimmer ist, auf die Skyline schaut und die ganzen Lichter sieht, das ist traumhaft.

Wie gut kennen Sie Ihren neuen Klub?

Sehr gut, ich habe mich intensiv mit der Eintracht beschäftigt. Die Eintracht ist für mich schon immer ein Topklub gewesen, und das sage ich nicht, weil ich jetzt hier bin. Das Stadion, die Fans, die Tradition - das ist schon etwas ganz Spezielles.

Wie gut kennen Sie Ihre neue Mannschaft?

Ebenfalls recht gut, die Jungs haben eine gute Runde gespielt, obwohl sie so viele verletzte Spieler haben. Dass die Mannschaft bei diesem Pech nicht gegen den Abstieg spielt, davor muss man den Hut ziehen.

Geht womöglich etwas in die andere Richtung? Ist Platz sechs ein Ziel?

Platz sechs ist ein Reiz. Aber man muss realistisch bleiben, sehen Sie sich die Trainingseinheiten an. Da stehen zehn, elf, zwölf Spieler auf dem Platz. Das ist schon nicht so einfach.

Sie haben in der Champions League gespielt, nun gehen Sie zu einem Mittelklasseklub. Ist das kein Abstieg?

Definitiv nicht. Ich will beweisen, dass ich mich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt habe. Auch wenn es nicht so den Anschein hatte. Auch auf Schalke war ich - bis auf das letzte halbe Jahr - immer Stammspieler. Aber da musste ich eher im Mittelfeld spielen und da schießt man auch nicht so viele Tore. Aber auf Schalke war es ohnehin so, dass wir erst mal darauf geachtet haben, gut hinten drin zu stehen - und vorne kam dann irgendwie alles von alleine.

Ist das in Frankfurt anders?

Absolut. Hier herrscht eine andere Philosophie, der Trainer legt sehr viel Wert auf die spielerische Komponente. Das merkt man in jedem Training. Hier soll jede Situation fußballerisch gelöst werden, hier soll offensiv und gepflegt gespielt werden. Das kommt mir entgegen, das ist die Spielweise, die ich liebe.

Im ersten Spiel lief das nicht gut, Sie waren wie abgeschnitten.

Mir war bewusst, dass die Kölner tief stehen werden. Und da ist es natürlich umso schwieriger, wenn man erst zweimal mittrainiert hat und die Kollegen nicht so gut kennt. Es ist doch so, dass jeder Schritt entscheiden kann, ob man frei vors Tor kommt oder den Ball in den Rücken bekommt. In der ersten Halbzeit fehlte jegliche Bindung zur Mannschaft. In der zweiten Hälfte wurde es schon besser, und jetzt im Training sieht man jeden Tag, was ich für Fortschritte mache.

Am Sonntag geht es nach Dortmund, da hängen die Trauben sehr hoch.

Ich weiß, wie man da gewinnt.

Erzählen Sie doch mal.

Im letzten Spiel mit Schalke in Dortmund habe ich das 1:0-Siegtor durch Farfan vorbereitet, dann haben wir da mal 3:2 gewonnen, und mit Kaiserslautern habe ich gegen Dortmund sogar mal einen Dreierpack gelandet. Der BVB liegt mir also.

Spüren Sie eigentlich Druck, weil Sie hier so etwas wie der Heilsbringer sind?

Nein. Ich habe das Gefühl, dass sich die Leute freuen, dass ich hier bin. Und das beflügelt mich. Ich empfinde nur Freude.

Haben Sie sich eine bestimmte Torquote vorgenommen?

Nein, so etwas mache ich nicht. Ich bin ein absoluter Mannschaftsspieler. Für mich ist nicht wichtig, dass ich im Vordergrund stehe und alle nur über mich reden.

Wird in Ihrem Heimatland, der Türkei, wahrgenommen, dass Sie nun in Frankfurt spielen?

Das habe ich nicht verfolgt. Ich bin ohnehin keiner, der viel Zeitung liest. Das habe ich mir irgendwann abgewöhnt.

Weshalb?

Wenn man ein Tor macht, wird man groß gefeiert. Wenn nicht, dann wird man niedergemacht. Da habe ich keine Lust drauf. Die Gesellschaft hat sich doch gewandelt. Heutzutage ist viel Schein dabei, viel Rummel und Trubel. Dieses Showgeschäft ist nicht meine Welt. Deshalb vermeide ich gewisse Sachen. Wenn jetzt in der Zeitung was Gutes über mich steht, ist es schön. Wenn nicht, auch kein Problem.

Herr Altintop, Sie galten schon immer als der deutsche Türke. Ist das ein Klischee?

Nein. Es ist so, definitiv. Ich habe mehr deutsche Kultur und Mentalität in mir als türkische. Das zeigt sich auch auf dem Fußballplatz. Und ich bin froh darüber. Ich bin dankbar, dass ich so bin wie ich bin. Dazu hat die deutsche Gesellschaft sehr viel beigetragen.

Sie haben ja vor zehn Jahren sogar mal überlegt, für die deutsche und nicht für die türkische Nationalmannschaft zu spielen. Wieso haben Sie sich doch für Ihr Heimatland entscheiden?

Mein Bruder (Bayern-Profi Hamit; Anm. d. Red.) hat mich überredet. Und ich denke, die Entscheidung war richtig. Ansonsten wäre ich völlig von der türkischen Schiene abgekommen. Und das hätte ich nicht gewollt. Denn es ist doch so: Ich bin hier geboren, ich lebe hier, ich verdiene hier mein Geld, ich nehme hier am gesellschaftlichen Leben teil. Die Türkei ist für mich weit weg.

Haben Sie in der türkischen Nationalmannschaft gespürt, dass Sie als Deutscher galten?

Ja, das war extrem. Es ist ganz krass aufgefallen, dass ich anders bin als die, die in der Türkei groß geworden sind. Das habe ich zu spüren bekommen. Anfangs habe ich mich da doch ziemlich fremd gefühlt. Aber das hat sich gelegt.

Wie groß ist der Einfluss Ihres Bruders?

Groß. Wir telefonieren mehrmals am Tag, er ist eine wichtige Bezugsperson. Obwohl wir sehr unterschiedlich sind. Als ich damals nach Kaiserslautern bin, war das sehr hart. Aber ich wollte mich beweisen, da musste ich mich abkapseln von meiner Mutter und meinem Bruder. Das war schwierig. Aber vielleicht spielen wir ja mal wieder zusammen in einem Verein. Das wäre das Größte.

Interview: Ingo Durstewitz, Jörg Hanau.

Datum:  6 | 2 | 2010
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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