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Interview mit Heribert Bruchhagen: "Ich werde nicht einknicken"

Der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen will sich der öffentlichen Meinung keinesfalls beugen. "Funkel raus" - das soll's mit ihm nicht geben. Von Thomas Kilchenstein

Funkel raus-Rufe trüben das Bild: Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen steht dennoch zum Trainer.
"Funkel raus"-Rufe trüben das Bild: Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen steht dennoch zum Trainer.
Foto: Roskaritz

Am Wochenende hat der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen nicht gut geschlafen. Hätte er eigentlich müssen, denn seine Eintracht hatte zuvor eines der wichtigsten Spiele der Saison glatt 4:1 gewonnen und damit einigermaßen sicher auch die erneute Erstklassigkeit geschafft. Doch was Bruchhagen, 60, die Laune verhagelte, war die miese Stimmung, die im Frankfurter Stadion während der Partie herrschte.

Es gab "Funkel-raus"-Rufe, es gab Unmutsäußerungen über einzelne Spieler, die als Lieblinge des Trainers gelten, es wurde früh und grundlos genörgelt. "Die gesamte Stimmung macht mir große Sorgen", sagte Bruchhagen am Montag, auch wenn er diese Szenarium vorhergesehen habe.

Die "Ja, aber"-Phase

Vor zwei Jahren hatte er der FR bereits in einem Interview gesagt, dass nach der erreichten Etablierung in der Liga die "Ja, aber-Phase" komme und sich die Unzufriedenheit artikuliere. Genau dies passiere im Augenblick. Die öffentliche Erwartungshaltung sei höher als das, was die Mannschaft von Eintracht Frankfurt zu leisten imstande sei.

Und im Grunde, doch das sagt Bruchhagen nicht explizit, werden die Sprünge auch in der nächsten Saison nicht sehr viel höher sein. Die globale Finanzkrise schlage auf die Bundesliga durch, "wir befinden uns in einer Delle", sagt Bruchhagen.   15 Prozent weniger Business und VIP-Loungen seien für die neue Saison verkauft worden, die Personaletat für die Mannschaft (derzeit knapp 26 Millionen Euro) werde um etwa zwei Millionen Euro reduziert, auch der Kader der ersten Mannschaft, momentan bei 28, werde verschlankt.  

Zwei Millionen weniger

In die neue Runde will Bruchhagen nur noch mit 25, 26 Spielern gehen. Der Klub plant mit einem Umsatz fürs kommende Jahr von 68 Millionen Euro, vier Millionen weniger als 2009.

Trotzdem soll die Mannschaft verstärkt werden, Trainer Friedhelm Funkel wünscht sich "zwei, drei gestandene Bundesligaspieler". Glücklicherweise hat Eintracht Frankfurt durch den Sieg vom Wochenende einigermaßen Planungssicherheit, was die Gespräche mit potenziellen Neuzugängen aber nicht einfacher macht.

"Die Zugehörigkeit zur ersten Liga war Voraussetzung. Und die Wünsche meiner Gesprächspartner haben sich nicht geändert. Seit 15 Jahren gab es immer Aufgeld." Aber diese Zeiten seien nun vorbei.  

Weg der kleinen Schritte

Auch wenn das avisierte Strategiegespräch mit den sportlich Verantwortlichen erst in dieser Woche angegangen werden soll, in dem die Eckpfeiler für die Saison 2009/10 eingeschlagen werden, so ist klar, dass Bruchhagen mit seinem Mitstreiter Funkel den Weg der kleinen Schritte weitergehen wird. "Auch wenn es die öffentliche Meinung fordert, werden wir keine neuen Schulden machen, werden wir keinen neuen Trainer holen", sagt Bruchhagen.

Er klingt kämpferisch. "Ich werde nicht einknicken, ich lasse mich nicht beirren." Auch wenn er weiß, dass er mit rationalen Argumenten bei den Fans hinterm Tor (und bisweilen auch bei denen im Aufsichtsrat) nicht viel ausrichten kann.  

Dicke Bretter

Trotzdem, sagt er, wolle er mir "Glaubwürdigkeit und Besonnenheit" dicke Bretter bohren. "Mein Ziel ist jetzt: Ich muss den Menschen die Bundesliga näher bringen." Er meint damit und das ist sein altes Credo, dass die ersten acht, neun Plätze besetzt sind mit Mannschaften, die über deutlich bessere finanzielle Möglichkeiten verfügen als Frankfurt.

Und selbst dahinter sieht er Eintracht Frankfurt nicht automatisch: "Schauen Sie sich Hannover 96 an: Die waren im vergangenen Jahr Achter, nahmen viel Geld in die Hand und stehen derzeit schlechter da als wir."

Diese Art von Realismus freilich dürfte nicht dazu beitragen, die Stimmung beim Volk nachhaltig zu verbessern.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  20 | 4 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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