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Eintracht Frankfurt
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22. Oktober 2010

Interview mit Jermaine Jones: „Ich bin hier der Buhmann − das tut weh“

Jermaine Jones gibt sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau vor dem Spiel in seiner Geburtsstadt nachdenklich - und kann sich sogar eine Rückkehr zur Eintracht vorstellen

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Herr Jones, Schalke 04 im Keller, Schalke 04 in der Krise: Wie bekommt der Verein die Kurve?

Wir dürfen den Glauben an uns und unsere Stärken nicht verlieren, das ist das Wichtigste. Wir haben eine gute Mannschaft, das haben wir auch am Mittwochabend in der Champions League bewiesen. Wir gehören nicht da unten rein. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Knoten platzt. Wir dürfen uns nur nicht verrückt machen lassen.

Wie konnte der als Meisterschaftskandidat gehandelte Klub aus Gelsenkirchen so tief sinken?

Wir haben viele neue Spieler, da muss sich die Mannschaft erst mal finden. Und ich denke, es ist auch ein Teufelskreis. Die Ergebnisse stimmten nicht, dann verlierst du Selbstvertrauen, dann wirst du unsicher. Und so geht es immer weiter. Wir müssen diesen Kreislauf einfach durchbrechen, dann werden wir auch in der Liga durchstarten.

Auf Schalke galt Christoph Metzelder schnell als Sündenbock. Bekommt man als Spieler mit, was da auch medial so abläuft?

Natürlich bekommt man das mit. Metze mit seiner Vergangenheit wurde es nicht leicht gemacht. Aber ich finde es total unfair, sich auf ihn zu fokussieren und draufzugehen. Wir sitzen alle in einem Boot. Aber auffällig war schon, dass gerade die neuen Spieler schnell zu Sündenböcken gemacht wurden. Das war nicht korrekt.

Zur Person

Jermaine Jones, fast 29, gab auch in der Heimspiel-Sendung des HR ein interessantes Interview. Da saß der frühere Eintracht-Spieler zwischen Schalker Fan-Utensilien und kämpfte mit den Tränen, als das Thema auf seine bevorstehende Rückkehr nach Frankfurt kam. Jones hat es noch nicht verwunden, dass er in Frankfurt nach seinem unschönen Abgang im Sommer 2007 bei den Fans ein rotes Tuch ist. „Ich komme mit einem mulmigen Gefühl, weil ich weiß, dass ich wieder ausgepfiffen werde“, sagte der gebürtige Frankfurter. Jones versuchte damals sogar im Internet-Forum unter der Überschrift „Nichts als die Wahrheit“ seine Sicht der Dinge darzulegen. Es war eine bemerkenswerte Aktion, die aber für ihn zum Bumerang wurde.

Der Mittelfeldspieler, so scheint es, bereitet seine Rückkehr nach Frankfurt vor. Er würde gerne ein klärendes Gespräch mit den Eintracht-Verantwortlichen führen, „und wenn dann alles so wäre wie früher, würde ich auf keinen Fall zweifeln. Dann würde ich einen Vertrag unterschreiben“, sagte er.

Auch auf Raul prasselte einige Kritik ein.

Ja, er hat es auch schwer in der Bundesliga, weil er total im Fokus steht. Aber er ist ein Super-Typ, der nicht den Superstar raushängen lässt, er ist voll integriert und hat einiges nachzuweisen. Er wird seinen Weg gehen.

Für Sie persönlich läuft es ganz gut, Sie haben sich einen Stammplatz erkämpft, obwohl Sie aufgrund Ihrer Verletzung (Haarriss im Schienbein; Anm. d. Red.) ein Jahr lang kein Fußball spielen konnten. Wie schätzen Sie Ihre Situation ein?

Ich brauche Spiele, Spiele, Spiele. Ich merke ja jetzt auch noch, dass die Belastungen ganz schön schlauchen, das zehrt schon an mir. Aber ich nehme jedes Spiel mit, nur durch Wettkampfpraxis komme ich wieder auf meinen alten Stand. Ich habe einige Ärzte konsultiert, letztlich bin ich dem Rat von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gefolgt, der mir nahe legte, mir einen Nagel ins Schienbein einsetzen zu lassen. Das habe ich dann am 5. Mai dieses Jahres in Kalifornien machen lassen. Die Ärzte dort sagten mir, nach drei Monaten Wundheilung könne ich voll angreifen. Und so war es auch. Seitdem geht es aufwärts. Ich bin absolut beschwerdefrei.

Wie schlimm ist es, ein Jahr gar nicht Fußball spielen zu dürfen?

Das ist der Horror. Dieses eine Jahr war extrem hart, ich war ein Jahr weg vom Fenster. Man ist einfach raus, macht seine Reha und steht alleine da. Ich habe mich ja dann auch entschieden, nicht so oft ins Stadion zu gehen, ich wollte einfach abschalten. Es ist schon eine Erfahrung, die ich keinem wünsche.

Was genau meinen Sie, wenn Sie sagen, Sie standen alleine da?

Wenn man in der Reha ist, bekommt von den Dingen, die rund um die Mannschaft passieren, nicht mehr viel mit. Ich war auch eine Zeit lang zur Reha in Hamburg und war auch räumlich nicht mehr nah dran. Was bemerkenswert war: Die Verantwortlichen der amerikanischen Nationalmannschaft haben sich oft gemeldet, obwohl ich ja gar nicht spielen konnte. Die Entscheidung, für die USA spielen zu wollen, war richtig. Alles dort ist bombastisch, die ganze Einstellung gefällt mir, die Kultur, die Mentalität. Es ist perfekt. Ich brauche auch diese familiäre Art. Deshalb habe ich auch zu Friedhelm Funkel und Armin Reutershahn (das Trainergespann zu Jones’ Frankfurter Zeiten; Anm. d. Red.) noch heute ein freundschaftliches und respektvolles Verhältnis. Ich habe zu ihnen noch heute einen super Kontakt.

Vermissen Sie die Nestwärme auf Schalke?

Nein, ich habe meine Verdienste auf Schalke und komme in der Mannschaft sehr gut klar. Ich haue mich voll rein, gebe in jedem Training und jedem Spiel alles. Wie immer.

Und am Samstag geht es wieder zu Ihrem Verein des Herzens und in Ihre Heimatstadt. Blöderweise sind Sie ausgerechnet in Frankfurt ein rotes Tuch für die Eintracht-Fans. Schmerzt das noch immer?

Ja. Ich bin in der Stadt, in dem Verein, in dem Stadion, in dem ich Kapitän war, der Buhmann. Das tut weh. Wenn ich sehe, wie hier auf Schalke Gerald Asamoah oder Heiko Westermann empfangen wurden, nur mit Applaus und Sprechchören, das war beeindruckend und macht mich ein wenig traurig.

Warum? Weil es Ihre Stadt ist?

Ja. Ich war Balljunge, ich stand hinterm Tor und habe Alex Schur und Uwe Bindewald (zwei Eintracht-Ikonen; Anm. d. Red.) die Bälle zugeworfen. Später habe ich mit Ihnen als Profi zusammengespielt. In Frankfurt lebt meine Familie, da leben meine Freunde. Ich bin in Frankfurt geboren und aufgewachsen, ich war immer bei der Eintracht, ich war dort Kapitän − in meinem Klub und in meiner Stadt. Und wenn ich dann ausgepfiffen werde, dann tut das verdammt weh.

Das Thema scheint Sie emotional stark zu bewegen.

Klar, weil damals auch nicht immer die Wahrheit erzählt und geschrieben wurde.

Was genau meinen Sie?

Es hieß, ich hätte schon woanders einen Vorvertrag unterschrieben, das wurde in der Öffentlichkeit so dargestellt. Deshalb war ich bei den Fans irgendwann unten durch. Aber das stimmte ja gar nicht. Ich hatte nirgendwo irgendwas unterschrieben.

Die Fans werfen Ihnen vor, sie hingehalten und hinters Licht geführt zu haben.

Aber genau das ist falsch. Ich habe damals ein Angebot von der Eintracht bekommen, als ich verletzt war. Ich fand, dass meine Verdienste für den Verein da nicht wirklich berücksichtigt wurden. Ich war nicht nur Kapitän, sondern auch Leistungsträger. Da war mir klar, dass ich dieses Angebot nicht annehme. Wenn man mir einen anderen Vertrag angeboten hätte, wäre ich doch gar nicht von der Eintracht weggegangen.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich die Situation noch mal normalisiert?

Ich hoffe es. An mir liegt es ja nicht.

Erwägen Sie womöglich gar eine Rückkehr zur Eintracht?

Das ist derzeit kein Thema, schließlich habe ich Vertrag bei Schalke 04 und fühle mich wohl hier. Aber die Eintracht ist mein Verein. Ich würde mit den Verantwortlichen auch gerne ein klärendes Gespräch führen. Aber ob es in Zukunft eine Rückkehr geben wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Interview: Ingo Durstewitz

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