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Interview mit Markus Pröll: "Als Torwart ist man Einzelkämpfer"

Der Eintracht-Keeper Markus Pröll im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über seine Leidenszeit auf der Bank und seine vielen Verletzungen.

Weser-Stadion, Bremen, Ende November: Frankfurts Torwart Markus Proell spuckt Wasser aus.
Weser-Stadion, Bremen, Ende November: Frankfurts Torwart Markus Proell spuckt Wasser aus.
Foto: ddp

Herr Pröll, nun mit einigen Tagen Abstand: Haben Sie die fünf bitteren Pillen von Bremen schon verarbeitet?

Mittlerweile schon, aber anfangs war es nicht leicht. Da grübelt man, zerbricht sich das Hirn und fragt sich: ,Wie konnte es dazu kommen?' Man macht sich Gedanken, obwohl es ja sowieso nix mehr bringt. Aber so ein Ding steckt tief drin im Kopf.

Und sind Sie auf der Suche nach Erklärungen weitergekommen?

Ich denke, wir haben uns nach dem 4:0 gegen Hannover zu sicher gefühlt. Wir haben es zu leicht genommen. Vielleicht haben wir gedacht, wir werden in Bremen auch so bestehen können. Aber das geht nicht. Wenn wir nicht bis an unsere Grenze gehen, werden wir von einer Mannschaft wie Werder auseinandergenommen. Das hat man ja gesehen.

Trainer Friedhelm Funkel lobte Werder Bremen vor dem Spiel über den grünen Klee. War das ein Fehler? Hat er so der eigenen Mannschaft ein Alibi gegeben?

Das ist doch Quatsch. Er hat intern ganz andere Sachen gesagt und die Bremer bestimmt nicht stark geredet. Warum auch? Es gab ja keinen Grund, die zu überhöhen. Die hatten ja in der Vergangenheit selbst genügend Probleme, und das hat man auch anfangs im Spiel gesehen. Da wirkten sie auf mich verunsichert. Aber wir haben sie stark gemacht. Aber die Niederlage muss jetzt raus aus den Köpfen.

Wie ist es als Torwart, wenn man in so einer Schießbude steht?

Angenehm ist es nicht. Das können Sie sich ja vorstellen. Und viel zu halten gab es auch nicht. Bei den Gegentoren war ich machtlos. Das ist schon sehr frustrierend.

War Ihr sportliches Dasein zuletzt nicht auch arg frustrierend?

Ach, da will ich gar nicht mehr viel zu sagen. Ich habe immer so trainiert, als würde ich spielen. Ich habe mich immer zu 100 Prozent vorbereitet. Und dann, gegen Hannover, kam der Tag X, und dann war ich auch zur Stelle.

Aber es muss Sie doch gewurmt haben, den Status der Nummer eins eingebüßt zu haben. Sie haben sich ja sogar einen Maulkorb verpasst, in der Öffentlichkeit nicht mehr gesprochen.

Was sollte ich denn sagen? Was sollte ich erzählen? Es gab für mich keinen Grund, irgendwelche Interviews zu geben. Ich habe meine Arbeit gemacht im Training, da habe ich mich voll reingehauen. Ich habe immer ehrlich gearbeitet. Gequatsche bringt da nicht wirklich was.

Aber, noch mal, die Situation kann Ihnen nicht gefallen haben, Sie sollen sogar um Ihren Freigabe gebeten haben.

Ich möchte darüber nicht sprechen. Das ist Vergangenheit. Ich habe im Training alles gegeben, und alles weitere entscheidet sowieso der Trainer.

Und nun sind Sie ins Tor zurückgekehrt, weil sich Oka Nikolov schwer verletzte. Ist das Ironie des Schicksals?

Wieso?

Weil Sie oft verletzt waren und Ihren Platz im Tor des halb verloren hatten.

Es ist doch so: Wir stehen nicht hinter der Kasse, wir setzen unseren Körpern sehr hohe Belastungen aus. Da bleiben Verletzungen nicht aus. Und für viele kann man nicht mal was.

Hat man Mitgefühl mit dem Konkurrenten?

Natürlich nimmt man zur Kenntnis, was dem anderen passiert. Und mein Verhältnis zu Oka ist gut, das wird es auch bleiben. Aber als Torwart ist man Einzelkämpfer.

Hatten Sie nach den vielen Verletzungen Zweifel an der Tauglichkeit Ihres Körpers?

Nein, ich hatte viel Pech. Und man muss jede Verletzung für sich sehen. Da waren unglückliche Umstände dabei. Ich weiß, dass ich eine sehr gute Physis habe. Ich zweifle nicht an mir.

Müssen Sie womöglich Ihr Spiel umstellen oder Ihren Ehrgeiz zügeln?

Nein, ich wäre nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht immer vollen Einsatz zeigen würde. Wer an die Spitze will, muss immer alles geben und darf nicht zurückziehen. Man muss spielnah trainieren, um dann im Ernstfall voll auf der Höhe zu sein. Nein, ich würde nichts ändern an meinem Spiel. Manche Dinge passieren einfach.

Machen Sie sich manchmal Gedanken, wieso Ihre Karriere einer Achterbahnfahrt gleicht?

Nein, ich bin keiner, der in der Vergangenheit kramt. Ich lebe in der Gegenwart. Ich blicke nicht zurück. Für die schönen Momente kann ich mir nichts kaufen - und auch die weniger schönen kann ich nicht verbannen. Das gehört alles dazu zum Leben.

Aber nehmen wir die letzte Blessur am Sprunggelenk. Da versuchten Sie zunächst eine konservative Behandlung und entschieden sich erst später für eine Operation. War das im Rückblick ein Fehler?

Wir haben es mit einer Spritzenkur versucht, weil diese sinnvoll erschien. Aber die Beschwerden ließen nicht nach, weil sich freie Knorpelstücke im Gelenk abgelagert hatten. Das ist aber erst während der Operation festgestellt worden, die OP war also absolut notwendig. Aber das war vorher nicht abzusehen. Im Nachhinein ist man natürlich schlauer.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  5 | 12 | 2008
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
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