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Interview mit Patrick Ochs: "Funkel hat das hier aufgebaut"

Rechtsverteidiger Patrick Ochs zählt derzeit zu den besten Frankfurter Spielern. Er äußert sich im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über den verkorksten Start, die Rufe gegen Trainer Funkel und seinen Zeitungsboykott.

Voller Einsatz in allen Lagen. Ob Eintracht-Verteidiger Patrick Ochs auch morgen gegen Bielefeld wieder alles geben kann, ist noch nicht klar. Er hat sich gegen Rostock am Becken verletzt.
Voller Einsatz in allen Lagen. Ob Eintracht-Verteidiger Patrick Ochs auch morgen gegen Bielefeld wieder alles geben kann, ist noch nicht klar. Er hat sich gegen Rostock am Becken verletzt.
Foto: ap

Herr Ochs, nach zwei Punkten aus vier Spielen und dem peinlichen Aus im Pokal gegen den Zweitligisten aus Rostock: Ist die Eintracht schon am Tiefpunkt angekommen?

Nein, aber die Situation ist sicher nicht einfach. Das Ganze ist bitter und enttäuschend. Ich finde aber, man sollte dennoch differenzieren und nicht in einer Generalabrechnung alles schlecht machen.

Patrick Ochs, das Powerpaket

Der 24-Jährige ist auf dem Vormarsch. Auf Schalke und auch am Dienstag gegen Rostock zählte der Rechtsverteidiger zu den besten Frankfurter Spielern.

Das Powerpaket geht stets voran. Ochs marschiert und ist gewillt, sich gegen das drohende Unheil aufzulehnen. Dummerweise musste er gegen Rostock noch vor der Pause wegen einer schmerzhaften Beckenprellung ausgetauscht werden. Sein Einsatz morgen ist noch ungewiss.

Was genau meinen Sie?

Na ja, gegen Rostock war die erste Hälfte gar nicht so schlecht. Da hätten wir den Sack schon zumachen müssen. Und auch später hatten wir genügend Chancen. Aber dann muss man vorne halt den Ball auch mal querspielen, anstatt selbst den Abschluss zu suchen. Und wenn man in der 90. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekommt, kann man den auch mal reinschießen. Das haben wir leider nicht geschafft. Mit bekanntem Ende.

Die Fans gingen auf die Barrikaden. Es hallten auch "Funkel-raus"-Rufe durchs Stadion. Haben Sie dafür Verständnis?

Nein, überhaupt nicht. Diese Leute sollten froh sein, dass Funkel hier Trainer ist. Er hat das hier alles aufgebaut, er hat uns nach oben geführt. Das alles ist alles sein Verdienst. Und das muss man mal so klar sagen.

Dennoch ist der Trainer für die Mannschaft verantwortlich, und die Leistungen sind ungenügend.

Ja, aber man muss auch sehen, warum wir in der Bundesliga nur zwei Punkte haben. Wir hatten da drei Auswärtsspiele in Folge, aus denen wir zwei Punkte geholt haben. Das ist okay, gerade wenn man bedenkt, dass wir uns in Wolfsburg einen Zähler redlich verdient hatten. Und wie stark die Wolfsburger sind, das hat man ja vergangenes Wochenende gesehen, als sie den HSV mal ganz locker 3:0 abgeschossen haben. Und gegen Rostock, wie gesagt, fand ich uns anfangs nicht so schlecht.

Aber wie geht es jetzt weiter? Der Druck muss immens sein.

Nein, wir werden wieder aufstehen. Wir sind jetzt als Mannschaft gefordert, müssen uns mal fragen, was schiefläuft. Ich habe den Jungs auch gesagt, sie sollen mal die Zeitung beiseite legen, denn wenn man nur negative Schlagzeilen liest, ist das für die Psyche nicht besonders gut.

Und am Sonntag kommt Arminia Bielefeld nach Frankfurt. Ein Schlüsselspiel?

Da gibt es jetzt kein wenn und aber. Das Spiel müssen wir gewinnen. Egal wie. Mit aller Macht. Wenn wir gegen Bielefeld nicht drei Punkte einfahren, gegen wen denn dann. Wir wissen genau, was wir können. Wir müssen es nur mal abrufen, wir brauchen auch mal ein Erfolgserlebnis. Wir haben von den nächsten vier Begegnungen drei Heimspiele - da werden dann die Punkte eingefahren, und dann ist die Welt wieder in Ordnung. So wird es sein.

Das klingt ja sehr optimistisch. Woher nehmen Sie diese Zuversicht?

Wir werden alles dafür tun, wir werden uns zerreißen und kämpfen wie die Löwen.

Sie gelten als Vorbild in Sachen Einsatz und Willen. Dieser Leidenschaft fehlt der Mannschaft.

Das würde ich nicht sagen. Gegen Rostock haben wir alles probiert und auch permanent nach vorne gespielt. Und was sollten wir in Schalke mit zehn Mann machen? Nach vorne rennen und aufmachen? Dafür ist Schalke viel zu stark, da hätten sie uns ausgekontert, und wir wären mit einer empfindlichen Niederlage im Gepäck nach Hause gefahren. Wenn wir da 5:0 verloren hätten, wären wir doch in der Luft zerrissen worden.

Das Offensivspiel ist gänzlich harmlos. Woran liegt es?

Die Frage ist doch: Spielt man taktisch diszipliniert und versucht gut zu stehen oder spielt man Hurrafußball. Aber das können nicht viele Mannschaften, das geht oftmals in die Hose. Also konzentriert man sich darauf, gut zu stehen. Das sieht dann oftmals nicht so spektakulär aus.

Wie viel Potenzial steckt in der neuen Mannschaft?

Sehr viel. Wir werden noch kommen. Einige Leute werden sich noch wundern. Und dann werden alle fragen: Warum habt ihr zu Saisonbeginn so schlecht gespielt?

Woher nehmen Sie Ihre Überzeugung?

Ich weiß, was die Mannschaft leisten kann. Das sieht man im Training, das hat man auch in der Vorbereitung gesehen, da haben wir gegen Palermo oder Wigan Athletic sehr gute Spiele abgeliefert. Das ist kein Zufall.

Zu Ihnen persönlich: Sie waren zu Beginn der Saison ein wenig offensiver in Ihren Aussagen, Sie hofften auf eine Einladung für die Nationalelf. Die blieb aus. Sind Sie enttäuscht?

Nein, da denke ich momentan nicht dran. Vielleicht klappt es ja doch noch irgendwann. Im ersten Spiel gegen Hertha und zuletzt gegen Schalke habe ich, wie ich finde, gut gespielt. In den Spielen gegen Köln und Wolfsburg war ich schlecht, da braucht man nicht drumherum reden. Und so braucht man sich auch keine Hoffnungen auf die Nationalmannschaft zu machen. Und wenn dein Verein unten im Tabellenkeller hängt, dann steht man sowieso nicht so sehr im Fokus. Da sind dann andere im Vordergrund. Aber ich werde weiter hart arbeiten, und wenn wir Erfolg mit der Eintracht haben, dann schafft es vielleicht auch mal einer von uns in die Nationalmannschaft.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  26 | 9 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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