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Kommentar: Grenzgänger

Fans dürfen unsachlich sein, buhen, pfeifen. Sie haben für ihr Ticket viel Geld bezahlt. Oft ist der Unmut aber nicht angemessen. So in Frankfurt, wo ein Trainer aus einer mittelmäßigen Mannschaft alles rausholt. Von Thomas Kilchenstein

Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Dies vorneweg: Fans dürfen unsachlich sein, Fans dürfen buhen und johlen und aufs Gebotene pfeifen, dafür haben sie zuvor an den Kassenhäuschen einen nicht zu geringen Obolus abgeführt. Das gehört zum Geschäft dazu, damit müssen Spieler, Trainer, Funktionäre leben, zumal Schmerzensgeld in ihrem erklecklichen Gehalt bereits enthalten ist.

In München buhen sie den Trainer Klinsmann aus, weil der mit dem Anspruch gescheitert ist, seine Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen. In Karlsruhe buhen sie den Trainer Becker aus, weil seine Stürmer die Hütte nicht treffen. Und in Frankfurt buhen sie den Trainer Funkel aus, weil er die Wahrheit sagt, die kein Fan hören möchte: Eintracht Frankfurt stoße an Grenzen, erst recht in dieser Saison mit den vielen Verletzten. Sich angesichts dieser Handicaps auf Rang elf hochgearbeitet zu haben, ist aller Ehren Wert. Aber vielen nicht genug.

Das Schöne am Fansein ist auch: Man trägt keinerlei Verantwortung. In Schalke ist jetzt, da der ungeliebte Trainer Rutten und der nicht minder ungeliebte Manager Müller vom Hof gejagt sind, alles wieder in Ordnung. Obwohl doch die europäischen Fleischtöpfe weiterhin nur schwer erreichbar scheinen. Aber das Volk hat seinen Willen bekommen. Wie lange wird es zufrieden sein? Wer ist der nächste Sündenbock?

Es liegt in der Natur der Sache, den Schönrednern und Möchtegern-Visionären eher zu glauben als denen, die mit knäckebrottrockenem Realismus daherkommen. Und der da heißt: Eintracht Frankfurt ist nicht besser als Mittelmaß, zumindest kurz- und mittelfristig. Die Hessen müssen in der neuen Saison ihren Lizenzspieleretat kürzen, sie schaffen es nicht einmal, einen mittelmäßig begabten Spieler wie Michael Fink zu halten. Wie wollen sie es dann hinkriegen, in die Phalanx der ersten Fünf, Sechs einzubrechen? Wer das in Permanenz fordert, auch wider besseren Wissens, hat den Pfad der Seriosität eigentlich schon verlassen.

Die momentan vergiftete Atmosphäre im Frankfurter Stadion freilich ist auch Ausdruck mangelnden Respekts gegenüber der Mannschaft und Trainer Funkel. Man muss ihn nicht mögen, aber eines anerkennen: Er hat in einer extrem schwierigen Lage das Maximum herausgeholt.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  20 | 4 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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