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Kritik: Caio und kein Ende

Der Brasilianer belebt am Samstag das lange Zeit statische Spiel der Eintracht - und doch wird er von Trainer Friedhelm Funkel erneut abgewatscht.

Hat sich gut in Szene gesetzt: Caio.
Hat sich gut in Szene gesetzt: Caio.
Foto: Schneider

Caio hat an diesem Nachmittag rund 41 Minuten Fußball gespielt, dabei 47-mal den Ball gehabt, er hat 83 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen, dazu sind seine Pässe zu drei Viertel angekommen, und schließlich hat der Brasilianer viermal aufs Tor geschossen, so oft wie nur die Kollegen Alex Meier und Nikos Liberopoulos, die 90 Minuten spielten. Caio, der am meisten diskutierte Spieler der letzten zehn Jahre, hat ein ordentliches Spiel gemacht, er war ein belebendes Element.

Er kam auch zum günstigsten Zeitpunkt ins Spiel, unmittelbar nach dem 2:1. Danach hatte die Eintracht die Partie fest im Griff, sie spielte endlich Fußball. Das lag ohne Zweifel nicht allein an Caio, aber auch an Caio, der, anders als Vorgänger Ümit Korkmaz, ballsicher war, spielfreudig, zudem kam er, scheinbar verblüffend einfach, mühelos an seinem Verteidiger vorbei, er war immer anspielbar, er kreierte Chancen.

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Doch ein Lob wollte Trainer Friedhelm Funkel partout nicht über die Lippen. Im Gegenteil. "Ich bin nicht zufrieden. Bei Ballverlust hat er zu wenig nach hinten gemacht. Da muss er einfach mehr zeigen." Schon während des Spiels tobte der Fußballlehrer wie Rumpelstilzchen an der Außenlinie, als Caio bei den wenigen zaghaften Angriffen der Lausitzer im Zuckeltrab in die eigene Hälfte joggte. Liberopoulos und Meier seien da an ihm vorbeigerannt und hätten für ihn die Schmutzarbeit verrichtet. "Alle müssen hinten helfen", zürnte Funkel, "das macht jeder bei uns, das ist Teil unseres Erfolgs: die mannschaftliche Geschlossenheit." Von Caio müsse einfach mehr kommen.

In der einen oder anderen Szene hatte Funkel Recht, da blieb der 23-Jährige in der Tat stehen. Aber nicht zu übersehen war auch: Caio hat dazugelernt. Ihn kann man jetzt bedenkenlos in der Bundesliga einsetzen. Er verzichtet weitgehend auf seine überflüssigen Schnörkel. Er ist - bei allem Phlegma - sichtlich bemüht, auch mit nach hinten zu arbeiten.

Freistöße können auch andere

Die Frage ist: Wird Caio jemals Funkels Vorstellungen von Defensivarbeit gerecht werden? Das ist zu bezweifeln. Warum aber hebt Funkel nur Caios - an diesem Nachmittag wenige - Schwächen hervor und tut seine Stärken geradezu ab? Warum kann er nicht über seinen Schatten springen und dieses Mal die gelungenen Aktionen loben? Als Journalisten Caios Stärken aufzählten und dabei auch seinen Freistoß kurz vor Schluss erwähnten, der Torwart Gerhard Tremmel zu einer Parade zwang, sagte Funkel nur: "Freistöße können auch andere schießen - und die gehen sogar ins Tor." Er meinte damit den Freistoß von Markus Steinhöfer, der in 51. Minute über die Haarspitzen von Daniel Ziebig hinweg ins Netz rauschte. Funkel sieht Caio kritischer als andere. Dazu hat Caio in der Vergangenheit einen guten Teil selbst beigetragen (Stichwort: Laktattests), aber so schwach war Caio am Samstag definitiv nicht.

Dabei lobt Funkel durchaus gern. Alexander Meier, zum Beispiel: "Was der heute gelaufen ist, war unglaublich. Zum Schluss war er völlig kaputt. Solche Spieler brauche ich, um da unten rauszukommen." Meier hat durchgespielt, er war 73-mal am Ball, 76 Prozent seiner Pässe kamen an, er gewann knapp die Hälfte seiner Zweikämpfe. Er war oft hinten.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ
Datum:  6 | 4 | 2009
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