Die Big-Points waren gerade eingetütet, da schweiften die Gedanken des Matchwinners mal eben in die Vergangenheit. Vor anderthalb Jahren, genau am 31. März 2007, hätte Michael Fink in Mönchengladbach in der Nachspielzeit mal fast das 2:1-Siegtor erzielt, doch damals scheiterte er ungeschickt. Fink ist keiner, der Torchancen schnell vergisst, weil er als defensiver Mittelfeldspieler meistens gar nicht in die Verlegenheit kommt, ein Tor zu schießen. Doch dieses Mal, beim 2:1-Sieg von Eintracht Frankfurt in Mönchengladbach, da hatte der 26-Jährige mal wieder ins Tor getroffen. Sein neuntes im 109. Bundesligaspiel. Es war der Siegtreffer, und er hat der Mannschaft erst einmal ein bisschen Luft im Abstiegskampf verschafft. Das Tor war nicht einfach zu erzielen: Nach einem Freistoß von Markus Steinhöfer verpassten gleich drei Gladbacher die Kugel, sie prallte Fink ein wenig zu weit von der Brust, so dass "ich Mühe hatte, den Ball zu drücken, also konnte ich ihn nur noch lupfen." Also lupfte er, technisch anspruchsvoll und seelenruhig, und ganz langsam, wie in Zeitlupe, fiel der Ball unter die Latte.
Michael Fink war nicht nur wegen dieses Tores, seines zweiten in dieser Saison, der alle überragende Mann auf dem Platz. Er war nahezu überall auf dem Feld, er warf sich in die Schüsse, stopfte Löcher, besserte Fehler aus.
Ein einziges Mal nur war der Staubsauger zweiter Sieger, kurz vor der Halbzeit, bekam der Gladbacher Alexander Baumjohann den Fuß vor ihm an den Ball. Das wäre um ein Haar schiefgegangen, doch der Ball hoppelte am linken Pfosten vorbei.
Ein bisschen verkörpert Michael Fink den derzeitigen Leistungsstand der Eintracht: Spieltechnisch ist da sehr wohl noch Luft nach oben, aber diese Defizite gleichen Kampf und unbändiger Einsatzwillen aus. Und so, wie sich der gebürtige Schwabe aus seiner persönlichen Krise herauskämpfte, so robbte sich auch die Eintracht aus der Misere. Seit die Nummer sechs zu alter Form zurückgefunden hat, geht es auch wieder spürbar aufwärts mit den Hessen. "Das Kurztrainingslager in Wiesensee hat mir viel gebracht", sagt Fink.
Trainer Friedhelm Funkel hat den bis dahin schwächelnden Mittelfeldspieler aufgebaut. In langen Gesprächen haben die beiden versucht herauszufinden, woran es bislang gemangelt habe. Denn Fink war gar nicht gut in die Saison gestartet. Er kam nicht in Tritt, meist noch einen Schritt zu spät, er wirkte langsam, nicht handlungsschnell genug. Der Kurztrip in den Westerwald brachte den Umschwung. "Ich habe mir dann auch ganz bestimmte Dinge vorgenommen", sagte der Spieler. Er wollte präsenter sein, sich noch mehr reinhängen, wollte Verantwortung übernehmen. "Ich habe mir meine Erfahrung zunutze gemacht", meine er. Und ein paar Extraschichten geschoben. In jeder Trainingseinheit hatte er sich vorgenommen, "150 Prozent zu geben". Nach und nach fand der Dauerläufer im Mittelfeld zur Form zurück. Für seinen überaus erfahrenen Trainer Funkel ist das "das normalste von der Welt. Nach einer Formkrise findet ein guter Spieler irgendwann mal zu seiner Form zurück".
Natürlich gab es dabei ein Schlüsselerlebnis, streng genommen sogar zwei: Zum einen der Last-Minute-Sieg gegen den Karlsruher SC und - natürlich - sein Anschlusstreffer zum 1:2 in Cottbus. "Dieser Treffer hat mir einen Schub gegeben", erklärt Fink. Jetzt hat er sich gar vorgenommen, seine Quote von vier Toren aus dem Vorjahr zu knacken. Und dieses Selbstvertrauen, dieser Glaube an die eigene Stärke hat Fink auf dem Platz sehr deutlich gezeigt.
Bislang ist der ehemalige Bielefelder, der 2006 ablösefrei zur Eintracht wechselte, nicht so sehr als Stratege aufgefallen, doch seit kurzem dirigiert er im Mittelfeld, gestikuliert und weist den Kollegen auch verbal den Weg. Selbst nach dem frühen 0:1 hat niemand im Team den Kopf hängen lassen. "Ich habe kurz gezuckt", sagte Fink, dann hat er im Borussia-Park schon wieder aufbauend gewirkt. "Ich wusste ja, dass noch lange zu spielen war."
Der Sieg gegen einen direkten Mitkonkurrenten zählt besonders. "Wir haben jetzt genau die drei Spiele gewonnen, die wir gewinnen mussten", meinte Fink, der natürlich auch weiß, dass mit zunehmendem Erfolg die Beine schneller laufen. "Das ist alles reine Kopfsache. Jetzt klappen Dinge, die vor 14 Tagen noch nicht geklappt hätten."
Manches spricht dafür, dass vor zwei Wochen der Fink'sche Lupfer überall hingegangen wäre. Nur nicht ins Tor.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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