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Michael Skibbe im Interview: "Dann erreicht man eine Grenze"

Michael Skibbe spricht im FR-Interview über die begrenzten Möglichkeiten der Eintracht, seinen Ruf als Querdenker und wie er Bewegung in den Verein bringen will. Auch einen Glücksgriff nennt er.

Wenn man  in Leverkusen arbeitet,  ist man häufiger einer Meinung, sagt Michael Skibbe.
"Wenn man in Leverkusen arbeitet, ist man häufiger einer Meinung", sagt Michael Skibbe.
Foto: Alex Kraus

Herr Skibbe, was hat es denn nun auf sich mit Ihrem neuen Glücksanzug, den Sie neuerdings während der Spiele tragen?

Für den Augenblick ist es ein Glücksbringer. Aber ich würde das nicht überbewerten. Ich habe in Istanbul immer mit Anzug und Krawatte am Spielfeldrand gestanden, das gehörte dazu. Ich bin eigentlich kein Anzugträger, es kann auch sein, dass sich der Stil wieder verändert, dass ich mal wieder im Trainingsanzug auf der Bank sitze oder in Jeans und Polohemd. Aber für den Fall, dass wir gegen Wolfsburg einen Punkt oder mehr holen würden, würde ich auch gegen Bremen wieder den Anzug anziehen.

Herr Skibbe, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Runde?

Abgesehen von den drei Spielen gegen Stuttgart, im Pokal gegen die Bayern und in Leverkusen bin ich sehr zufrieden. Sowohl mit dem Engagement der Mannschaft, als auch mit der spielerischen Leistungsfähigkeit. Wir haben in vielen Spielen guten Fußball gezeigt. Wir haben uns die relativ gute Punktzahl redlich verdient.

Ist die Leistungsfähigkeit der Mannschaft tabellarisch gut dargestellt?

Ja, absolut. Wir wollten 46 Punkte, das ist realistisch. Obwohl man schon sagen muss, dass das Ziel hochgegriffen ist, wenn man bedenkt, wie lange wir schon auf unsere etatmäßigen Stürmer verzichten müssen.

Sie könnten der Trainer sein, der mit der Eintracht die beste Hinrunde seit 16 Jahren gespielt hat. Ist das Ansporn für Sie?

Nein, für mich persönlich hätte das keine Bedeutung, das hätte keinen Wert. Aber mit 24 oder 26 Punkten wären wir unserem Saisonziel ein bisschen näher. Das wäre natürlich angenehmer.

Wie weit ist die Mannschaft von Ihrer Philosophie entfernt?

Ich denke, dass die fußballerische Entwicklung der Mannschaft gut erkennbar ist. Diese Art des Fußballs, des kontrollierten Fußballspiels, des mutigen Spiels mit Pässen am Boden - das setzt sich mehr und mehr durch. Das wird man im Laufe der Rückrunde auch weiterhin und verstärkt sehen. Trotzdem muss bei uns im Kollektiv alles passen, um gegen Teams mitzuhalten, die eine höhere individuelle Qualität mitbringen. Wir müssen einen richtig guten Tag haben, um konkurrenzfähig zu sein gegen solche Mannschaften.

Sie wirkten verärgert, weil Sie Ihren Wunschspieler Theofanis Gekas nicht bekommen. Hat sich Ihre Enttäuschung gelegt?

Die Enttäuschung wird bleiben. Er hätte uns gut zu Gesicht gestanden, er hätte unsere Qualität erhöht. Denn Fakt ist: Wir wollen uns sportlich weiterentwickeln, deshalb brauchen wir eine Qualität, die wir messen an den besten Spielern unserer Mannschaft, also Ioannis Amanatidis, Chris, Pirmin Schwegler. Auf diesem Niveau oder besser muss sich das abspielen. Aber da ist die Umsetzung, wie man sieht, sehr schwer.

Sie haben sich den Ruf erarbeitet, ein Querdenker zu sein. Wird Ihnen das gerecht?

Ich bin ganz bestimmt kein Querdenker, wobei ich als Trainer die Dinge in manchen Situationen anders beurteile als ein Vorstand. Das ist im Fußball so. Wenn man natürlich in Leverkusen arbeitet und man ist häufiger einer Meinung, dann gibt es ja kaum Unstimmigkeiten, weil man eben mehr Gemeinsamkeiten in der Arbeit hat. Da fallen Meinungsunterschiede in der Öffentlichkeit nicht auf, weil es sie kaum gibt. Heribert Bruchhagen hat seine Erfahrungen im Profisport gemacht, ich habe meine. Das wollen wir so gut es geht miteinander verbinden, aber der Weg ist natürlich ein anderer als der, den ich in Leverkusen mit Rudi Völler und Michael Reschke gegangen bin.

Sie wollten Bewegung in den Verein bringen, das scheint nicht leicht zu sein.

Ich wollte vor allen Dingen Bewegung in die sportliche Entwicklung bringen, aufgrund der wirtschaftlichen Voraussetzungen ist diese Entwicklung nur schwer zu realisieren. Wir werden aber natürlich versuchen, die Mannschaft weiterzuentwickeln, damit wir unser Saisonziel erreichen.

Aber dann sind Sie im Mittelmaß, und Mittelmaß wollen sie auf Dauer nicht.

Man kann erfolgreicheren Fußball durch eine Qualitätssteigerung erreichen, das kann man durch Training, mannschaftliche Geschlossenheit oder durch Aufwertung des Spielerkaders schaffen. Wenn es uns nicht gelingt, einen dieser Punkte zu erreichen, dann wird man irgendwann eben auch diese Grenze erreichen, wo der Schritt in die richtige Richtung nicht mehr möglich ist.

Aber zeigt nicht so ein Spieler wie Pirmin Schwegler, dass es auch anders geht. Dass ein Spieler nicht teuer sein muss, um gut zu sein?

Pirmin war ein Glücksgriff, den man nicht alle Tage tätigt. Er hat sich super etabliert, hatte ganz wenige Ausreißer nach unten. Er spielt fast immer gut, meistens sogar mehr als gut. Er ist eine deutliche Verstärkung für unser Mittelfeld, er ist ein Gewinn für Eintracht Frankfurt.

War die Sache mit Patrick Ochs der beste Schachzug von Ihnen?

Es war zumindest ganz gut. Wir hatten durch den Ausfall von Ioannis Amanatidis und Martin Fenin weniger Schnelligkeit und Quirligkeit im Spiel, deshalb hat Patrick uns mit seiner Schnelligkeit und Gradlinigkeit in der Offensive sehr geholfen.

Und jetzt durfte auch endlich Sebastian Jung mal ran.

Sebastians persönliche Qualität ist natürlich hoch. Er hat viele gute Voraussetzungen, um dauerhaft bei uns zu spielen. Und die Mannschaft ist geschlossen, es ist ein sehr gutes Team, das jungen Spielern helfen kann.

Warum hat es so lange gedauert, ehe sich Jung beweisen durfte?

Zum einen haben Patrick Ochs und Maik Franz auf dieser Position gut gespielt, zum anderen haben wir in den zurückliegenden Wochen auch in anderen Aufstellungen gut gespielt, einige Spieler haben sich Meriten aus der Vergangenheit erworben. Und diese Position ist bei uns doppelt und dreifach besetzt. Aber Sebastian hat bewiesen, was er kann.

Und wer wird spielen gegen Wolfsburg? Franz oder Jung?

Sebi hat sehr gut gespielt in Hoffenheim. Er darf sich berechtigte Hoffnungen machen, im Team zu bleiben. Andererseits hat Maik einen Stammplatz, und bei mir verliert man seinen Stammplatz normalerweise nicht so schnell.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  18 | 12 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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