In der 90. und also letzten Spielminute des sonntäglichen Bundesligaduells im Borussia-Park spitzelte der Frankfurter Abwehrspieler Patrick Ochs dem Gladbacher Angreifer Rob Friend den Ball vom Fuß. In allerletzter Sekunde. Mit aller Entschlossenheit. Es war eine nicht unwichtige Rettungstat, denn Friend hätte den Ball mit einiger Sicherheit ins Eintracht-Tor geschaufelt. Es wäre das 2:2, der Ausgleich, gewesen, und der hätte Eintracht Frankfurt doch einigermaßen hart auf die Bretter geschickt.
Ochs, der feurige Hitzkopf, schrie seine ganze Anspannung heraus und ballte ekstatisch die Fäuste. Da fiel eine Zentnerlast von seinem Herzen, auch wenn es in seiner Diktion nur ein "paar Steine" waren.
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Die Frankfurter Eintracht hat sich mit dem verdienten, aber hart erkämpften 2:1 (1:1)-Sieg bei Borussia Mönchengladbach endgültig zurückgemeldet, von den vergangenen vier Partien gewann sie gleich drei und hat sich nun auch ein kleines Stück von den Abstiegsrängen abgesetzt. Die Eintracht, erst einmal von den größten Sorgen befreit, atmet tief durch. "Ich habe immer an die Mannschaft geglaubt, ich kann ihr nur ein Riesenkompliment machen", sagte Trainer Friedhelm Funkel in einer ersten, ganz kurzen Einlassung.
Das Besondere: Die Hessen haben jedes einzelne gewonnene Spiel mit schier unglaublicher Willensstärke noch gedreht. "Der Glaube ist vorhanden, jedes Spiel trotz Rückstandes gewinnen zu können", sagte Kapitän Christoph Spycher. Der Schweizer räumte nach den turbulenten Wochen und dem erfolgreichen Abschluss der fünf Schlüsselspiele freimütig ein: "Die Erleichterung ist riesengroß. Das KSC-Spiel war das Schlüsselerlebnis."
Vor elf Tagen drehte die Eintracht in den letzten Minuten ein schon verloren geglaubtes Spiel. Und: Die Hessen hamstern ihre Punkte bisher vornehmlich in der Fremde. Von den ergatterten insgesamt zwölf Zähler jetzt schon deren acht. "Wir haben auswärts immer 16 bis 20 Punkte geholt", stellte Funkel auch zu diesem Thema nüchtern fest.
Es war ausgerechnet Kapitän Spycher, der zwar in der Aufarbeitung des Geschehenen wieder einmal glänzte, zuvor im Spiel aber eher desorientiert seinen Dienst auf der linken Abwehrseite verrichtet hatte. Marko Marin, die Zaubermaus, wuselte dem Schweizer Internationalen wahre Knoten in die Beine. Fast jeder Angriff der ansonsten biederen und matten Gladbacher lief über den dribbelstarken Marin, der in der Jugend noch das Eintracht-Trikot getragen hatte, und Spycher musste sich wie ein Brummkreisel vorgekommen sein. "Es ist schwierig, gegen ihn zu verteidigen, weil er unglaublich wendig und schnell ist", sagte Spycher, der nach einer Viertelstunde bemerkt habe er, dass es so "nicht weitergehen kann". Also entschloss er sich, den kleinen Techniker früher zu attackieren. Das klappte in der Folge dann besser, zumindest ein bisschen.
Funkel war draußen auf der Bank zwar ein wenig nervös geworden, aber er dachte nicht über eine frühe Umstellung nach: "Christoph hat genügend Erfahrung, um sich besser einzustellen. Da werde ich doch nach einer Viertelstunde nicht hektisch."
Die Partie vor 44 000 Zuschauern im Borussia-Park war nichts für Fußball-Gourmets, da rackerten zwei letztlich doch eher limitierte Mannschaften vehement im Mittelfeld, die Eintracht freilich war doch die spieltechnisch reifere Elf. Und sie war das Team mit dem größeren Willen. "Wir haben uns in die Bälle geworfen, wir haben alles gegeben, jeder für jeden", sagte Michael Fink. "Wir wollten den Sieg erzwingen." Das war augenscheinlich und schließlich von Erfolg gekrönt.
Auch Trainer Friedhelm Funkel lobte die Primärtugenden, die seine Mannschaft wieder auszeichnen: "Kampf, Einsatz, Leidenschaft, Laufbereitschaft." Die jüngsten Erfolgserlebnisse sind umso erstaunlicher, da die Leistungsträger ja weiterhin verletzt fehlen. "Das ist die Chance für die, die nicht so oft spielen", sagte Manndecker Marco Russ, der die Gladbacher mit einem blitzsauberen Kopfballeigentor in Führung brachte (12.).
Die Eintracht aber, schon an frühe Rückstände gewöhnt, steckte nicht auf. Dribbler Ümit Korkmaz narrte gleich drei Borussen, passte präzise zu Martin Fenin, der mit links vollendete (16.). Später, nach 52 Minuten, machte der bärenstarke Michael Fink den Sieg mit dem Schuss zum 2:1 in den Winkel perfekt (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite).
Eintracht Frankfurt atmet jetzt tief durch. Trainer Funkel gab seinen Mannen nach den "zwei sehr intensiven Wochen" erst einmal zwei Tage frei. "Die haben sich die Jungs verdient." Fußball kann manchmal schon verrückt sein: Vor nicht mal zwei Wochen galt Funkel in Frankfurt bei vielen schon fast als Feindbild, der Trainer schien schon kurz vor der Entlassung zu stehen. Und nun, drei Siege später, kann der Fußballlehrer eine gewisse Genugtuung auch nicht verleugnen: "Den Leuten gegenüber, die hinter mir sitzen", sprich die Edelfans im VIP-Raum.
Funkel hat es geschafft, seine Mannschaft wieder zu einer hart und unerbittlich malochenden Einheit zusammenzuschweißen. "Der Trainer hat, als es nicht lief, nicht mit dem Schicksal gehadert, sondern uns sein Vertrauen geschenkt - und wir haben es jetzt mit Siegen zurückgezahlt", sagte Spycher.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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