kalaydo.de Anzeigen

Nikolov und Pröll: Gerangel unter der Latte

Oka Nikolov ist zurzeit klar die Nummer eins im Frankfurter Tor - zum Leidwesen der langjährigen Stammkraft Markus Pröll. Von Ingo Durstewitz

Oka Nikolov, hier beim Freundschaftsspiel gegen Real Madrid, ist zurzeit klar die Nummer eins im Frankfurter Tor - zum Leidwesen der langjährigen Stammkraft Markus Pröll.
Oka Nikolov, hier beim Freundschaftsspiel gegen Real Madrid, ist zurzeit klar die Nummer eins im Frankfurter Tor - zum Leidwesen der langjährigen Stammkraft Markus Pröll.
Foto: ddp

Nach dem dritten Dreier binnen elf Tagen ist Oka Nikolov schnurstracks an den wartenden Medienvertretern vorbei in die Kabine gehuscht. Der Eintracht-Keeper hielt den Kopf gesenkt, er blickte nicht einmal auf. Freude sieht anders aus. Man muss das verstehen: Der Keeper fühlte sich schlecht, hundsmiserabel sogar. In der Kabine legte er sich prompt auf die Massagebank. Der Kreislauf sackte weg. Nikolov brütete eine beginnenden Grippe aus.

Die vergangenen Tage hielt er den Ball flach und legte die Füße hoch. Erst gestern stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein. Morgen wird er aber wieder das Allerheiligste der Eintracht hüten können. Markus Pröll muss sich weiter gedulden. An einen Torwartwechsel unter der Latte ist nicht zu denken. "Das ist kein Thema", bestätigte Trainer Friedhelm Funkel. Nikolov spielt bislang eine gute Saison, er hat zwar auch Gegentore verschuldet, gegen Hansa Rostock etwa und Bayer Leverkusen, aber er rettete der Eintracht auch so manchen Punkt. Er spielt sehr solide, sehr unaufgeregt. Er hat sich das Vertrauen von Trainer Funkel verdient. Selbst als die Eintracht nach der Schlappe gegen Leverkusen am Boden lag und viele damit rechneten, dass der Coach einen Tausch an exponierter Stelle vornehmen würde, um ein Zeichen zu setzen und die Mannschaft durch die Hereinnahme des deutlich extrovertierteren Markus Pröll aufzurütteln, hielt Funkel an Nikolov fest. "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, und Oka rauszunehmen, wäre einfach nicht fair gewesen", begründete der Coach.

Funkel machte alles richtig, Nikolov ließ sich in den folgenden vier Spielen nichts zu schulden kommen, er war ein sehr sicherer Rückhalt. "Ich versuche, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Alles andere interessiert mich nicht", sagt Nikolov. Der dienstälteste Eintracht-Profi vertritt sicher nicht die moderne Torwartgeneration, er ist nicht explosiv, er wirkt manchmal gar lethargisch und ist nicht der sprungstärkste. Auch wenn er sich da verbessert hat. Die intensiven Einheiten mit Torwarttrainer Andreas Menger machen sich bezahlt. Und auf auf der Linie zeichnen ihn ohnehin katzenartige Reflexe aus.

Für Markus Pröll ist die neue Rangfolge bitter, sehr bitter. Zumal er eigentlich die Nummer eins sein müsste - ginge es nach den Fähigkeiten. Geht es in diesem Fall aber nicht. Denn Pröll ist sehr verletzungsanfällig, er ging in der Vergangenheit in jede Spielzeit als Stammkraft - doch Nikolov absolvierte stets mehr Spiele. Die vielen, viele Blessuren warfen Pröll immer wieder zurück und aus der Bahn. Jetzt, endlich mal topfit, ist er in die Zuschauerrolle gedrängt. Die behagt ihm gar nicht. Wer den extrem ehrgeizigen Schlussmann ein bisschen kennt, weiß, wie sehr die Verbannung ins zweite Glied an ihm nagt. Der 29-Jährige, der sich Nikolov gegenüber sehr fair verhält, soll sogar schon angefragt haben, ob er in der Winterpause aus seinem bis 2010 laufenden Kontrakt aussteigen könne. Die Eintracht denkt nicht daran. Pröll zieht es derzeit vor, sich öffentlich nicht den Mund zu verbrennen. Er hat sich selbst einen Maulkorb verpasst, lässt nur verlauten, dass er auf dem Trainingsplatz alles gebe. Alles andere liege nicht in seiner Macht. Das ist korrekt.

"Ich halte viel von Markus"

Funkel hat Verständnis für die missliche Situation des einstigen Stammkeepers. "Es ist keine leichte Zeit für Markus, aber da muss er jetzt durch." Funkel, der Pröll dessen Situation in einem Vier-Augen-Gespräch vor einigen Wochen darlegte, stellt aber seine Wertschätzung heraus: "Ich halte viel von Markus." An eine veränderte Hierarchie nach der Winterpause ist indes vorerst nicht zu denken.

Die Kardinalfrage lautet: Wie stellt sich die Eintracht in Zukunft auf der Torwartposition auf? Nikolov, 34, hat im Laufe der Jahre die Zweifel an seiner grundsätzlichen Tauglichkeit nie zerstreuen können. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Und Pröll ist den Beweis schuldig geblieben, verletzungsfrei über einen längeren Zeitraum zu kommen. Was also tun? Holt der Klub eine neue, echte, unangefochtene Nummer eins? Vorstandschef Heribert Bruchhagen soll, wie der Kicker behauptet, über den Schalker Ralf Fährmann nachgedacht haben. Wahrscheinlicher aber ist: Alles bleibt beim Alten. Nikolov und Pröll streiten sich weiterhin um den Platz an der Sonne.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  7 | 11 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Alles zur Eintracht Frankfurt

Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik

Reden Sie mit! Im Blog-G.

Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker

Sehen Sie die FR-Videokolumnen.

2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
Weblog

Das FR-Blog zur Frankfurter Eintracht. Anmerkungen zum Verein des Herzens - subjektiv, unqualifiziert, völlig unreflektiert.

Eintracht Frankfurt Videos

Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

Sport
Hummels (r): In der Spieleröffnung, in Zweikämpfen und im Stellungsspiel schwach. Sein erstes Länderspieltor konnte das nicht wettmachen.
EM 2012 Schweiz-Deutschland 5:3 
        

Hoch das Bein: Joachim Löw bei der Ballarbeit.
Nationalteam testet 
Endlich hat die SG Flensburg-Handewitt wieder einen Titel zu feiern.
Handball-Europapokal 
Franz Beckenbauer und Joseph Blatter teilen nicht die gleiche Meinung.
Franz Beckenbauer zum Elfmeterschießen 
Frankfurt-Marathon 2011
15.000 Läufer gehen beim 30. Frankfurt-Marathon an den Start. Die Innenstadt ist gesperrt - und bietet auch Musik und Party.

Der Jubiläums-Marathon in Frankfurt bricht alle Rekorde: Noch nie war das Rennen so schnell, noch nie gab es so viele Teilnehmer. In unserem Spezial finden Sie die Bilder und Berichte.

Für Sportler in Not

Die Weihnachtssammlung der FR-Sportredaktion hilft armen, kranken und behinderten Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind.

Spezial

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman - aber auch auf kürzeren Distanzen wird in Rhein-Main geschwommen, geradelt und gelaufen.

FR-Sportredaktion live

Sport-Ticker @ Twitter
FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.

Textimport

Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.