Nach dem dritten Dreier binnen elf Tagen ist Oka Nikolov schnurstracks an den wartenden Medienvertretern vorbei in die Kabine gehuscht. Der Eintracht-Keeper hielt den Kopf gesenkt, er blickte nicht einmal auf. Freude sieht anders aus. Man muss das verstehen: Der Keeper fühlte sich schlecht, hundsmiserabel sogar. In der Kabine legte er sich prompt auf die Massagebank. Der Kreislauf sackte weg. Nikolov brütete eine beginnenden Grippe aus.
Die vergangenen Tage hielt er den Ball flach und legte die Füße hoch. Erst gestern stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein. Morgen wird er aber wieder das Allerheiligste der Eintracht hüten können. Markus Pröll muss sich weiter gedulden. An einen Torwartwechsel unter der Latte ist nicht zu denken. "Das ist kein Thema", bestätigte Trainer Friedhelm Funkel. Nikolov spielt bislang eine gute Saison, er hat zwar auch Gegentore verschuldet, gegen Hansa Rostock etwa und Bayer Leverkusen, aber er rettete der Eintracht auch so manchen Punkt. Er spielt sehr solide, sehr unaufgeregt. Er hat sich das Vertrauen von Trainer Funkel verdient. Selbst als die Eintracht nach der Schlappe gegen Leverkusen am Boden lag und viele damit rechneten, dass der Coach einen Tausch an exponierter Stelle vornehmen würde, um ein Zeichen zu setzen und die Mannschaft durch die Hereinnahme des deutlich extrovertierteren Markus Pröll aufzurütteln, hielt Funkel an Nikolov fest. "Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, und Oka rauszunehmen, wäre einfach nicht fair gewesen", begründete der Coach.
Funkel machte alles richtig, Nikolov ließ sich in den folgenden vier Spielen nichts zu schulden kommen, er war ein sehr sicherer Rückhalt. "Ich versuche, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Alles andere interessiert mich nicht", sagt Nikolov. Der dienstälteste Eintracht-Profi vertritt sicher nicht die moderne Torwartgeneration, er ist nicht explosiv, er wirkt manchmal gar lethargisch und ist nicht der sprungstärkste. Auch wenn er sich da verbessert hat. Die intensiven Einheiten mit Torwarttrainer Andreas Menger machen sich bezahlt. Und auf auf der Linie zeichnen ihn ohnehin katzenartige Reflexe aus.
Für Markus Pröll ist die neue Rangfolge bitter, sehr bitter. Zumal er eigentlich die Nummer eins sein müsste - ginge es nach den Fähigkeiten. Geht es in diesem Fall aber nicht. Denn Pröll ist sehr verletzungsanfällig, er ging in der Vergangenheit in jede Spielzeit als Stammkraft - doch Nikolov absolvierte stets mehr Spiele. Die vielen, viele Blessuren warfen Pröll immer wieder zurück und aus der Bahn. Jetzt, endlich mal topfit, ist er in die Zuschauerrolle gedrängt. Die behagt ihm gar nicht. Wer den extrem ehrgeizigen Schlussmann ein bisschen kennt, weiß, wie sehr die Verbannung ins zweite Glied an ihm nagt. Der 29-Jährige, der sich Nikolov gegenüber sehr fair verhält, soll sogar schon angefragt haben, ob er in der Winterpause aus seinem bis 2010 laufenden Kontrakt aussteigen könne. Die Eintracht denkt nicht daran. Pröll zieht es derzeit vor, sich öffentlich nicht den Mund zu verbrennen. Er hat sich selbst einen Maulkorb verpasst, lässt nur verlauten, dass er auf dem Trainingsplatz alles gebe. Alles andere liege nicht in seiner Macht. Das ist korrekt.
"Ich halte viel von Markus"
Funkel hat Verständnis für die missliche Situation des einstigen Stammkeepers. "Es ist keine leichte Zeit für Markus, aber da muss er jetzt durch." Funkel, der Pröll dessen Situation in einem Vier-Augen-Gespräch vor einigen Wochen darlegte, stellt aber seine Wertschätzung heraus: "Ich halte viel von Markus." An eine veränderte Hierarchie nach der Winterpause ist indes vorerst nicht zu denken.
Die Kardinalfrage lautet: Wie stellt sich die Eintracht in Zukunft auf der Torwartposition auf? Nikolov, 34, hat im Laufe der Jahre die Zweifel an seiner grundsätzlichen Tauglichkeit nie zerstreuen können. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Und Pröll ist den Beweis schuldig geblieben, verletzungsfrei über einen längeren Zeitraum zu kommen. Was also tun? Holt der Klub eine neue, echte, unangefochtene Nummer eins? Vorstandschef Heribert Bruchhagen soll, wie der Kicker behauptet, über den Schalker Ralf Fährmann nachgedacht haben. Wahrscheinlicher aber ist: Alles bleibt beim Alten. Nikolov und Pröll streiten sich weiterhin um den Platz an der Sonne.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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