Als Eintracht Frankfurt dann chancenlos die bislang höchste Saisonniederlage kassiert hatte, ist der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel mit dem Dortmunder Alexander Frei gemeinsam die paar Stufen im Stadion zur Kabine hochgegangen. Sie scherzten und lachten und nichts deutete daraufhin, dass die Hessen gerade nullvier verloren hatten. "Wir haben über seine Chance gesprochen, kurz vor Schluss, als er ganz allein vor dem Tor stand und Oka Nikolov den Ball ganz toll abgewehrt hatte", erzählte der Trainer hinterher. Es war die einzige gute Tat des FrankfurterSchlussmannes, da stand es auch schon 0:4.
Später dann, bei der Analyse des zweiten Gegentores, hat Friedhelm Funkel noch eine Geschichte erzählt. Zuvor hatte sich Michael Fink im Spiel nach 19 Minuten den Ball fast anfängerhaft abnehmen lassen. Er habe gehört, sagte Fink zur Entschuldigung, dass jemand "Zeit" gerufen habe, weswegen Fink den Ball nicht abzuschirmen glaubte. "Zeit" rufen die Kollegen normalerweise, wenn keine Gefahr droht. Wahrscheinlich, sagte Funkel später, habe ein Dortmunder gerufen. Das habe er zu seiner aktiven Zeit auch gemacht. "Einmal lief Thomas Helmer ziemlich allein auf unser Tor, ich hinter ihm her. Da rief ich Zeit, Helmer hat langsamer gemacht und ich hatte den Ball." Gelächter allenthalben.
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Man hätte auch Verständnis gehabt, wenn Friedhelm Funkel nach der Klatsche eine Spur griesgrämiger gewesen wäre.
Immerhin war seinen Mannen gerade sehr deutlich die Grenzen aufgezeigt worden. "Wir waren", formulierte Klubchef Heribert Bruchhagen, "im Mittelfeld haushoch unterlegen". Zum ersten Mal in dieser Saison "haben wir eine richtig schwere Niederlage erlitten". Bislang war ein 0:2 (gegen Berlin und Leverkusen) die höchste Niederlage gewesen. Michael Fink sprach von "unserem schlechtesten Saisonspiel". Und Friedhelm Funkel: Der fand das Unentschieden vor Wochenfrist gegen den VfB Stuttgart viel ärgerlicher. "Diese Niederlage wirft uns nicht um. Wir haben schon andere Situationen gemeistert."
Sie wirft Eintracht Frankfurt vor allem auch deswegen nicht um, weil klar war, dass die Mannschaft die vielen Ausfälle nicht auf ewig würde kompensieren können. Neun mehr oder wenig zum Stammpersonal gehörende Akteure lassen sich auf Dauer nicht ersetzen, irgendwann kann man den Qualitätsunterschied auch mit noch so viel Leidenschaft und Herzblut nicht mehr wettmachen. Es fehlt dann einfach die Qualität, um mitzuhalten, zumal die Partie in Dortmund nach 19 Minuten und dem 0:2 praktisch entschieden war. Kraftakte wie gegen Karlsruhe, Cottbus oder Mönchengladbach lassen sich eben nicht beliebig oft wiederholen. Es spricht für die Selbstkritik der Mannschaft, dass niemand die fehlenden Neun als Alibi herangezogen hatte: "Die Personalkrise ist keine Ausrede", sagte etwa Ersatz-Kapitän Oka Nikolov, "wir haben einen großen Kader und jeder hat den Anspruch zu spielen." Dennoch ist aber auch eines offensichtlich: Zurzeit hat diese arg gebeutelte Mannschaft nicht die Qualität, um in der Bundesliga ernsthaft und auf Sicht mithalten zu können. Aber das wissen die sportlich Verantwortlichen ohnehin.
In Dortmund kamen aber zu dieser grundsätzlichen Malaise noch schier unfassbare individuelle Fehler hinzu, die die Mannschaft entscheidend schwächten. Vor allem die Patzer von Torwart Oka Nikolov, Michael Fink und Aaron Galindo luden die Dortmunder förmlich zum Toreschießen ein. Insbesondere der Mexikaner Galindo versagte bei den ruhenden Bällen auf der ganzen Linie (siehe weiteren Artikel). Deswegen tun Funkel diese Gegentore weh. "Das ärgert mich maßlos. So leicht mit ein paar Standards darf sich meine Mannschaft nicht das Spiel aus der Hand nehmen lassen", sagte er Trainer. Zumal ja genau auf diese Stärke der Dortmunder eigens hingewiesen wurde. "Wir wussten, dass wir bei Standards unterlegen sein würden. Ich habe halt hinten nur noch einen Großen", Marco Russ nämlich. Der formulierte drastisch: "So kann es nicht weitergehen."
Vor allem in der Abwehr kann es so nicht weitergehen. Dabei schien es so, als sei zumindest diese Baustelle geschlossen worden. In den letzten Spielen gab es über die Innenverteidigung eigentlich kaum noch Klagen. Jetzt ist die Not auch dort wieder groß.
Immerhin war das Spiel der Frankfurter nach vorne einigermaßen in Ordnung. Martin Fenin, einziger Stürmer, bestätigte seinen Aufwärtstrend der letzten Wochen. Er war der einzige, der wenigstens etwas Torgefahr im Dress der Eintracht versprühte, er hatte Möglichkeiten zu dem einen oder anderen Treffer. Insgesamt aber war das Frankfurter Spiel in die Spitze nicht zwingend genug, was natürlich auch damit zu tun hat, dass kein Kreativer von Format auf dem Platz stand.
"Nun müssen wir in dieser Woche alle Kräfte mobilisieren, um Hannover zu schlagen", so Bruchhagen. Hannover 96, mit Frankfurt punkt- und torgleich, ist wieder ein Schlüsselspiel. Ein Sieg angesichts des Restprogramms mit Spielen in Bremen und Hamburg ist fast schon ein Muss. Hannover ist zudem ein Team mit ähnlicher Problemen und auf Augenhöhe. Mal wieder wird in Frankfurt ein richtungweisendes Spiel angepfiffen. Da passt es Funkel gar nicht in den Kram, dass ein Teil seiner Spieler bis Donnerstag für Länderspiele abgestellt werden muss.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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