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Präsident Peter Fischer: Zwischen Sorge und Scham

Eintracht-Präsident Peter Fischer äußert sich mit klaren Worten zur Eintracht-Krise - und besonders zu den Spielern und deren "fünf Sterne de luxe Leben".

Eintracht-Präsident Peter Fischer äußert sich mit klaren Worten zur Eintracht-Krise.
Eintracht-Präsident Peter Fischer äußert sich mit klaren Worten zur Eintracht-Krise.
Foto: Storch

Herr Fischer, die Eintracht scheint schon früh in der Saison ziemlich am Ende zu sein. Wie konnte es zu diesem Absturz kommen?

Das frage ich mich auch. Ich weiß nur, dass man sich schämen muss zurzeit. Wir sind in einem Zustand zwischen Sorge und Scham. Egal, wo ich hingehe, werde ich angesprochen. Überall. Auf der Fressgass', in der Kneipe, auf dem Sportplatz - von Fans mit Kutte, von Taxifahrern, von Bankern. Alle sorgen sich um die Eintracht, alle sind auch verärgert. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Auf die Straße zu gehen, ist momentan wirklich kein Vergnügen. Das ist ein Spießrutenlauf für alle, die irgendetwas mit der Eintracht zu tun haben.

Mann klarer Worte

Peter Fischer, 52, hat eine klare Meinung zur Eintracht-Krise. Er nimmt die Spieler in die Pflicht. "Sie sollen endlich ihr wahres Gesicht zeigen", sagt der Vereinspräsident, der seinen Ärger nur schwer herunterschlucken kann.

Morgen wird er nicht im Stadion sein, er befindet sich gemeinsam mit Aufsichtsratsmitglied Axel Hellmann in Aserbaidschan, um, wie er sagt, fußballerische Entwicklungshilfe zu leisten.

Fischer ist ganz froh, nicht vor Ort zu sein. "Diese nervliche Belastung würde ich nicht aushalten."

Viele Fans sehen in Trainer Friedhelm Funkel den Sündenbock. Haben Sie dafür Verständnis?

Nein, wenn ich Trainer wäre, dann hätte ich gegen Rostock alles genauso gemacht. Ich hätte genauso aufgestellt, dieselbe Taktik gewählt, genauso ausgewechselt. Er hat alles richtig gemacht. Es ist mir auch zu einfach, die Schuld immer sofort beim Trainer zu suchen. Wissen Sie, was mir viel mehr stinkt?

Was denn?

Dass die Spieler da noch relativ glimpflich davon kommen. Die sollen sich mal an die eigene Nase fassen, die sollten sich mal selbst in den Hintern treten. Sie spielen hier bei einem Verein, der sehr gutes Geld zahlt und das sehr pünktlich. Sie haben super Trainingsbedingungen, sie dürfen in einem Wahnsinns-Stadion mit einmaligen Fans spielen. Ihnen wird doch alles vor den Hintern getragen. Sie haben ein fünf Sterne de luxe Leben, sie leben in einem Wolkenkuckucksheim. Aber jetzt muss mal was zurückkommen. Jetzt nehmen wir sie mal in die Pflicht. Sie müssen jetzt Eintracht Frankfurt und den Fans was zurückgeben - und sie müssen jetzt vor allem dem Trainer etwas zurückgeben. Der schützt sie immer, er stellt sich immer vor sie. Und das ist der Dank? Nein. So einfach werden wir es ihnen nicht machen.

Was fordern Sie konkret?

Ich will, dass sie sich zu Hause vor den Spiegel stellen und sich fragen: Bin ich das? Rufe ich alles ab, was ich kann? Kann ich mir in die Augen sehen? Und sie sollten sich eine Ohrfeige geben und endlich aufwachen. Denn ganz ehrlich: Was einige unserer Spieler zurzeit abrufen, ist nicht bundesligatauglich. Da muss eine neue Form von Selbstkritik Einzug halten. Es stimmt hinten und vorne nicht. Auch die Körpersprache stimmt mich nachdenklich.Da fehlt die Spannung, der absolute Wille, die Versessenheit auf Erfolg.

Aber was können Sie oder Ihre Funktionärskollegen tun?

Man kann nur an die Ehre appellieren. Das sind Profis, die müssen jetzt mal über ihr Limit hinausgehen. Denn das, was die Mannschaft abliefert, ist ganz, ganz schwach. Und davor kann man auch die Augen nicht verschließen. Wer das tut, der blendet die Realität aus.

Aber, noch mal, wie soll das jetzt konkret weitergehen? Gibt es irgendwelche Maßnahmen?

Nein. Aber es muss jetzt verdammt noch mal ein Sieg her. Denn sonst bröckelt all das, was wir uns aufgebaut haben. Ich bin auch in Sorge um die Zuschauerzahl, der Trend geht auch hier in die falsche Richtung.

Aber warum sollte die Eintracht jetzt einfach so Arminia Bielefeld schlagen?

Ich hoffe auf einen Sieg gegen Bielefeld und Karlsruhe. Aber es spricht nicht viel dafür. Wenn man sich die Mannschaft gegen Rostock ansah, dann war da nicht viel. Die Rostocker haben uns in unserer Hälfte attackiert zum Schluss - als Zweitligist.

Die Eintracht hat jetzt saisonübergreifend seit zwölf Spielen...

...nur ein Spiel gewonnen. Gegen den bereits abgestiegenen MSV Duisburg. Das ist bedenklich. Wer in einem halben Jahr nur einmal gewinnt, der kann nicht allzu viel richtig gemacht haben. Da sind jetzt alle gefordert, schnellstens den Hebel umzulegen.

Liegt es vielleicht auch daran, dass die Transferpolitik der Eintracht völlig verfehlt war? Bisher konnte nur Nikos Liberopoulos halbwegs die Erwartungen erfüllen. Habib Bellaid hat Anlagen, aber ist nicht konstant. Und Markus Steinhöfer kommt nicht so recht auf Touren. Alle anderen, Korkmaz, Bajramovic und Krük, fallen lange aus.

Bei Bellaid braucht man Geduld. Der Junge ist 21 und hat erst ein paar Bundesligaspiele absolviert. Wenn ich da an unsere Jungen denke: Toski, Ochs, Russ, auch Streit oder Jones - die haben in ihren ersten Bundesligaspielen auch einen Haufen Lehrgeld zahlen müssen. Aber Bellaid ist mit seiner Technik und seiner taktischen Ausbildung ein Spieler, an dem wir sicher noch Freude haben werden. Und Steinhöfer muss sich sicher noch an das Tempo gewöhnen, aber auch er hat Potenzial. Und in Ümit Korkmaz haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten einen der besten Einkäufe getätigt, die wir leisten können. Da haben wir für die Rückrunde und auch die nächsten Jahre noch ein tolles Ass im Ärmel. Und ich habe die Hoffnung, dass Caio noch kommt. Gegen Rostock, das war vielversprechend. Er kommt auch mal an ein, zwei, drei Spielern vorbei - das schafft ja sonst kaum einer bei uns. Aber warum der Junge den Elfmeter unbedingt schießen wollte, ist mir ein Rätsel.

Herr Fischer, der Abriss des Riederwalds beginnt demnächst. Wie wichtig ist der Bau des neuen Leistungszentrums?

Eminent wichtig. Es wird ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Das Leistungszentrum wird zu den besten in der Bundesliga zählen, dann haben wir auch wieder die Chance, dass die 14- bis 18-Jährigen nicht mehr nach Hoffenheim, Stuttgart, Karlsruhe oder Kaiserslautern gehen. Das ist auch unsere Chance.Da müssen wir Akzente setzen.

Inwiefern?

Wir müssen Spieler ausbilden, die den Sprung zu den Profis schaffen. Das ist unser Ziel. Wir wollen Spieler herausbringen, die die Qualität unserer Profimannschaft verbessern. Das ist unser Hauptaugenmerk. Und wenn wir sie nicht halten können, dann wollen wir zumindest Geld mit ihnen verdienen. Aber, ganz ehrlich, im Moment müssen wir einfach sehen, dass wir mal wieder ein Bundesligaspiel gewinnen. Denn der Erfolg unserer Profimannschaft ist nun mal das wichtigste. Auf ihm basiert alles andere.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  26 | 9 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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