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Eintracht Frankfurt
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30. April 2010

Rückblick auf die Eintracht-Saison: Glanzlichter und Turbulenzen

 Von Ingo Durstewitz

Eintracht Frankfurt muss zwar noch 180 Minuten in der Bundesliga absolvieren, aber die Zeit für einen kleinen Rückblick ist gekommen. Von Ingo Durstewitz

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Natürlich liegen noch 180 Minuten vor den Berufsfußballern der Eintracht, zwei Bundesligaspiele, ehe es noch einmal auf eine Reise nach Vietnam und dann in den Sommerurlaub geht. In den wohlverdienten. Für die meisten zumindest, ein paar Spieler müssen noch Sonderschichten schieben, Christoph Spycher und Pirmin Schwegler vertreten die Farben der Schweiz bei der WM in Südafrika, Ricardo Clark hat berechtigte Hoffnungen, ins Aufgebot der US-Amerikaner zu rutschen. Und doch ist es schon jetzt Zeit, zurückzublicken auf eine erfolgreiche Saison mit vielen Höhen, einigen Tiefen, mächtigen Turbulenzen und so manchem Nackenschlag.

Die Highlights: Die großen Festspiele liegen noch nicht lange zurück, im Grunde hatte die Eintracht ihre aufregendste, schillerndste Phase in den zwei letzten März-Wochen. Alles fing an mit dem Spiel gegen Bayern München. Der Eintracht waren viele Stammspieler weggebrochen durch Sperren und Verletzungen, und sie ging auch nicht unbedingt gestärkt in diese Partie mit dem Branchenführer, zuvor hatten die Hessen drei Partien in Serie verloren, 1:2 in Stuttgart, 1:4 gegen Schalke, 1:2 in Hannover. Die Eintracht war angeschlagen - aber gefährlich. Trainer Michael Skibbe wagte tatsächlich den Schachzug, Marcel Heller nach einer halben Ewigkeit mal wieder aufzubieten, es sollte sich lohnen, Heller rannte auf rechts den jungen David Alaba in Grund und Boden. Die Frankfurter schwangen sich zu einer ihrer besten Saisonleistungen auf, sie waren den großen Bayern in allen Belangen überlegen, vor allem, und das überraschte wirklich, spielerisch. Und doch sah es so aus, als sollten sie die Partie verlieren, Miroslav Klose hatte für die Bayern getroffen. Doch dann kam der Endspurt, dieser atemberaubende Schlussakkord. Skibbe warf alle Offensivkräfte rein, die er noch auf der Bank hatte, und es folgte das absolute verrückte Finale: 1:1 durch Juvhel Tsoumou in der 87. Minute. 2:1 durch Martin Fenin in der 89. Minute. Die Bayern waren erlegt, und ganz Frankfurt stand Kopf. Es war ein Nachmittag für die Ewigkeit. Trainer Skibbe durfte sich als Vater des Erfolges feiern lassen, sein Schachzug mit Heller ging auf, zudem bot er Caio als hängende Spitze auf und zog Alexander Meier zurück an die Seite von Pirmin Schwegler ins defensive Mittelfeld. Clever, clever.

Ebenso beeindruckend, aber weit weniger spektakulär war der folgende Auswärtssieg in Bochum, selten hat man eine Eintracht-Mannschaft gesehen, die einen Gegner derart nach Belieben dominiert hat. Russ und Caio drehten die Bochumer Führung. 2:1. Hochverdient. Und wer dachte, die Eintracht hätte ihr Pulver verschossen, sah sich getäuscht. Gegen eine starke Leverkusener Mannschaft rundete sie die Frankfurter Festspiele im Stadtwald eine Woche später ab. Maik Franz erzielte eine Minute vor Schluss das 3:2 per Fallrückzieher. Die Eintracht war plötzlich in aller Munde, en vogue, und die Spiele in der Arena tatsächlich richtige Spektakel. Das hatte Trainer Michael Skibbe zu Saisonbeginn angekündigt. Weitere Glanzlichter: zwei Siege gegen Bremen und ein Auswärtserfolg in Dortmund. Für viele gilt dieser Auftritt noch immer als bestes Spiel der Frankfurter. Ach ja, und nicht zu vergessen: Das 3:0 zum Auftakt bei Kickers Offenbach im DFB-Pokal. Aber das ist ja fast schon Normalität.

Die Tiefpunkte und Turbulenzen: 0:3 gegen Stuttgart, 0:4 im Pokal gegen die Bayern, 0:4 gegen Leverkusen. Das waren die Tiefpunkte, und da, Anfang November, war bei Michael Skibbe das Maß voll. Er setzte zu einer wahren Brandrede an, legendär ist sie noch immer, doch sie hat auch für Verdruss gesorgt bei den Eintracht-Verantwortlichen, vor allem bei Chefscout Bernd Hölzenbein, der an der Kritik schwer zu knabbern hatte. Skibbe polterte: "Wir haben leider zu viele durchschnittliche Spieler." Er prophezeite, die Eintracht werde in der Liga perspektivisch gesehen "durchgereicht bis ganz unten", sie werde "schwächer und schwächer und schwächer", und überhaupt: "Eintracht Frankfurt muss sich verändern, um konkurrenzfähig zu bleiben."

Skibbe sorgte mit seinen permanenten Nadelstichen ohnehin für Verwunderung in Frankfurt und insbesondere bei Heribert Bruchhagen. Skibbe fuhr seinem Chef insgesamt fünfmal öffentlich in die Parade und trat ihm gegen das Schienbein.Der bestellte ihn zum Rapport in sein Büro, "ich bin es nicht gewohnt, Druck aus den eigenen Reihen zu kriegen", sagte Bruchhagen. Skibbe aber ließ sich nicht einfangen, weshalb Bruchhagen irgendwann dazu überging, zurückzuschießen. Skibbe, sagte Bruchhagen also, wolle sein Image als Co-Trainer ablegen. Und: "Er will sein Profil im Sinne von Felix Magath schärfen." Skibbe, sehr ehrgeizig und ambitioniert, treibt auch die Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung an, die ihm seiner Meinung nach nicht in gebotenem Maße entgegengebracht wird. Skibbe fühlt sich eigentlich zu Höherem berufen.

Seit einigen Wochen nun herrscht Ruhe, Skibbe gibt sich handzahm, obwohl er keineswegs damit einverstanden ist und es ihn ungemein wurmt, dass die Eintracht auch im Sommer nicht in der Lage sein wird, große Investitionen zu tätigen. Skibbe aber schluckt seinen Ärger runter. Vielleicht ist er ein bisschen desillusioniert, vielleicht resigniert er auch. "Ich habe einfach keine Lust darauf, dass aus all meinen Aussagen eine große Nummer oder ein Kleinkrieg gemacht wird", begründet er im FR-Interview. "Es hieß ja immer nur noch: ,Jetzt schießt der Skibbe wieder gegen Bruchhagen.´ Der Mannschaft waren die Scharmützel sowieso egal, sie spielte eine gute Rückrunde, Skibbe hat sein Team fußballerisch hervorragend weiterentwickelt. Nur einmal blieb es weit hinter ihren eigenen Erwartungen zurück: Beim 0:2 in Gladbach. Das war kurioserweise direkt nach den zwei Galawochen im März.

Die Nackenschläge: Die Verletzten. In erster Linie Ioannis Amanatidis, der erst die Kapitänsbinde von Skibbe abgenommen bekam und sich dann den zweiten Knorpelschaden zuzog. Nun nimmt er einen neuen Anlauf. Aleksandar Vasoski plagt sich mit der gleichen Verletzung. Seine Karriere hängt am seidenen Faden. Genauso wie die von Zlatan Bajramovic, der nach seiner Achillessehnenoperation einfach nicht auf die Beine kommt. Die größte Fußball-Tragödie war allerdings das Karriereende von Christoph Preuß, dem gebürtigen Hessen, der ebenfalls wegen eines Knorpelschadens die Segel streichen muss. Mit großem Willen hatte er sich noch mal zurückgekämpft aufs Feld, doch dann, ausgerechnet nach seinem ersten richtigen Einsatz gegen Nürnberg im Januar, verweigerte das Knie die Gefolgschaft. Preuß verabschiedete sich auf einer emotionalen und bewegenden Pressekonferenz, ihm standen die Tränen in den Augen, sogar der stets so steinhart wirkende Heribert Bruchhagen war sichtlich mitgenommen. Preuß wird nun eingearbeitet in die Karriere nach der Karriere, er will Sportmanagement studieren, zudem schnuppert er bei der Eintracht in die Abteilungen hinein, er soll eingebunden werden. Er hat es sich verdient.

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