Die Tage des Sebastian Jung begannen mitten in der Nacht. Dann, wenn andere Gleichaltrige gerade ins Bett schlüpften, schälte sich der Nachwuchsspieler der Eintracht aus den Federn, um 3. 30 Uhr, und stiefelte in die Backstube Hees in Königstein. Hundemüde, mit kleinen Augen. Nacht für Nacht. Wenn das mehlige Werk nach vielen erschöpfenden Stunden vollbracht war, ging es fast ohne Verschnaufpause weiter, dann fuhr er zum Training an den Riederwald - und irgendwann am Abend, gegen zehn, spätestens um elf Uhr, fiel er ausgepumpt ins Bett.
Ex-Profi Alexander Schur, der als Assistenztrainer der A-Jugend und der Amateurmannschaft den Spieler lange unter seinen Fittichen hatte, ringt die Einstellung des jungen Mannes höchsten Respekt ab. "Sebi kam manchmal zum Spiel und hatte nur zwei Stunden geschlafen - und hat trotzdem eine Topleistung gebracht." Jung habe nie gejammert, nie gemosert, nie lamentiert, sondern immer nur gepowert. "Kein Alkohol, kein Party-Typ. So würde man sich einen Spieler backen", sagt Schur und lacht über die unfreiwillige Komik.
Der 18 Jahre alte Rechtsverteidiger spielt seit der F-Jugend für die Eintracht. Im Februar unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag. Der Kontrakt ist bis 2012 datiert.
Jung, in Königstein aufgewachsen, soll behutsam aufgebaut werden. In der Hinserie spielte der schnelle Mann für die U23 der Eintracht, nun soll er mithelfen, die A-Jugend vor dem Abstieg zu bewahren.
So muss er auch am Sonntag in Mainz mit der U19 ran, selbst wenn er am Samstag im Heimspiel der Profis gegen Hoffenheim zum Einsatz kommen sollte.
"Das war mein Traum"
Seit Anfang des Jahres hat Sebastian Jung die Tortur, die er nicht als solche empfand, hinter sich. Da schloss er seine Lehre zum Bäckergesellen ab, im Februar ging auch ein ungleich größerer Wunsch in Erfüllung, nämlich der, Fußballprofi bei seinem Lieblingsverein Eintracht Frankfurt zu sein. Er unterschrieb einen Lizenzspielervertrag bis 2012, das war für den Königsteiner, der seit der F-Jugend für die Eintracht spielt, das Allergrößte: "Das war mein Traum, das war mein großes Ziel. Darauf habe ich immer hingearbeitet." Bisweilen werden auch die größten Träume Realität.
Am vergangenen Sonntag durfte er in Bielefeld erstmals Bundesligaluft schnuppern. Das kam doch recht überraschend, samstags spielte er noch mit der U19 der Eintracht gegen Stuttgart, als linker Verteidiger, und irgendwann nach dem Spiel eröffnete ihm Trainer Armin Kraaz, dass Proficoach Friedhelm Funkel ihn angefordert habe, weil Caio mit Fieber im Bett lag. Jung setzte sich in den ICE, düste nach Ostwestfalen, und weil Patrick Ochs mit einer Beckenprellung ausgetauscht werden musste, schlugen seine ersten 15 Minuten im Rampenlicht.
Jung, 18 Jahre alt, lief also in Bielefeld auf den Platz, das Spiel stand auf der Kippe, und er spielte so, wie er immer spielt: frech, unbekümmert, fröhlich, frank und frei. Das war schon erstaunlich. Jung sieht seinen ersten doch ziemlich furiosen Auftritt ganz pragmatisch: "Ich hatte ja nicht so lange Zeit. Da muss man doch gleich zeigen, was man kann. Da darf man sich nicht verstecken." Er wuselte die rechte Flanke in hohem Tempo hoch und runter, spielte einen sehr schönen und klugen Pass auf Alexander Meier, er spielte so, und das ist vielleicht das größte Kompliment, als würde er schon ewig und drei Tage mit den Eintracht-Profis dem Ball nachjagen. "Es war ein grandioses Gefühl", betont der Debütant.
Hinterher waren natürlich alle voll des Lobes. "Wir wissen um sein Leistungsvermögen, deshalb haben wir ihn ja auch an uns gebunden", sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen. "Er ist schnell und mutig, er wird eine gute Entwicklung nehmen." Auch Trainer Friedhelm Funkel war positiv überrascht über die beherzte Vorstellung des hoch veranlagten Rechtsverteidigers: "Er ist frech, schnell und selbstbewusst", charakterisiert Funkel den Spieler. "Ich habe Vertrauen in ihn, sonst hätte ich ihn ja auch nicht in einer solchen Phase gebracht. Ich wusste, dass er seinen Mann stehen würde."
Funkel wählt für seine Verhältnisse fast schon überschwängliche Worte, wenn er über den Abwehrmann spricht. "Er hat keine Flausen im Kopf, er lässt sich nicht verrückt machen", sagt der Trainer. Der Fußballlehrer ist sich sehr sicher, dass sich Jung über kurz oder lang in der Bundesliga durchsetzen wird. "Genauso wie Marco Russ oder Patrick Ochs." Beide sind der Eintracht-Jugend entwachsen, beide sind mittlerweile Stammspieler oder, wie Ochs, sogar Führungskraft. Funkel will den Spieler in aller Ruhe aufbauen und ihn nicht verheizen. "Man darf den Jungen jetzt nicht in den Himmel heben."
Jung ist auch so etwas wie der Gegenentwurf zu den vielen Frankfurter Talenten, die zwar exzellente Fußballer sind, aber nicht die nötige Härte und den unbedingten Willen mitbrachten, um es nach ganz oben zu schaffen. Christopher Reinhard oder Mounir Chaftar, Daniyel Cimen oder auch die derzeitigen Profis Faton Toski und Kreso Ljubicic etwa. Bei Jung besteht zumindest diese Gefahr nicht. "Er bringt eine Topeinstellung mit, ihn muss man nicht motivieren", sagt der U23-Co-Trainer Schur. "Er kratzt und beißt, er steckt nie auf, gibt immer 100 Prozent." Jung, behauptet Schur, "ist ein Spieler, wie man ihn sich nur wünschen kann." Die Gefahr, dass der bodenständige Jungprofi abheben könnte, scheint nicht hoch. "Sebi ist ein gelungener Mensch", sagt Schur, "ein toller Junge."
Guter Schuss, rechts wie links
Auch auf dem Platz sei der flinke Mann eine Bereicherung für die Mannschaft. "Er ist sehr athletisch, sehr, sehr schnell, ein richtiger Pfeil", bekundet der frühere Eintracht-Kapitän Schur. Er habe überdies einen guten Schuss, rechts wie links, und er habe die offensive Philosophie verinnerlicht, seine Flankenläufe sind gefürchtet. "Er ist ein idealer rechter Verteidiger", findet Schur. Defizite weise der 1,78 große Akteur allerdings im Kopfballspiel auf, daran arbeitet er intensiv. "Er ist sehr lernwillig", befindet Schur.
Jungs Spielweise ähnelt verblüffend der von Patrick Ochs. Jung wirkt ähnlich dynamisch und zügellos, wenn er zu seinen rasanten Flankenläufen ansetzt. "Unser Spiel ist ziemlich ähnlich", sagt auch Jung. Ob er sich einiges abgeschaut habe vom Rotschopf auf rechts, ist er gefragt worden. "Nee, eigentlich nicht", antwortet Jung. Er wolle sein Spiel machen, niemanden kopieren. Frei nach dem Motto: Ein Jung ist kein Ochs. Und doch könnte Jungs Stunde schneller schlagen als gedacht, denn ob der vertraglich bis 2010 gebundene Ochs tatsächlich in Frankfurt bleibt, ist alles andere als sicher.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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