Herr Menger, mal ganz ohne Umschweife gefragt: Hat Eintracht Frankfurt mit Oka Nikolov ein Torwartproblem?
Nein, das sehe ich nicht so. Oka Nikolov ist ein sehr guter Torwart.
Der aber auch in schöner Regelmäßigkeit patzt.
Fehler passieren, Fehler sind menschlich. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, ist es halt meistens ein Tor. Aber wir gehen durchaus kritisch miteinander um, wir analysieren jedes Spiel ganz genau. Wir hinterfragen uns jeden Tag. Und natürlich versuchen wir, diese Fehler abzustellen und unsere Torhüter besser zu machen.
Hätte er am Mittwoch beim peinlichen Pokal-Aus gegen die Bayern nicht ein, zwei Gegentore verhindern können? Beim ersten und zweiten Treffer sah er vielleicht nicht ganz so gut aus.
Das sehe ich anders. Bei den Gegentoren konnte er nichts machen, da war er schuldlos. Aber es war ein undankbares Spiel für einen Torwart.
Nikolov patzte gegen Hamburg, Stuttgart und Bayern. Es sind jedes Mal wichtige Punkte flöten gegangen. Das sind doch ein paar Missetaten zu viel oder nicht?
Das ist mir zu kurz gedacht. Natürlich hatte er gegen Hamburg, Stuttgart und München Situationen, die er besser hätte lösen können. Aber man muss doch auch seine Leistung insgesamt beurteilen, und die ist sehr ordentlich. Das Spiel gegen Hamburg muss man ausklammern, das war nicht sein Spiel, da wirkte er nicht so ruhig und souverän. Aber nehmen wir die Partie am vergangenen Samstag in München: Da hält er überragend, dann kommt die 70. Minuten - und wahrscheinlich weiß er heute selbst, dass er da anders hätte reagieren müssen. Aber danach hält er wieder überragend. Oder die Partie gegen Stuttgart. Da reagiert er am Anfang zweimal phantastisch, dann patzt er - und spielt danach wieder gut und ruhig weiter. Die schwierigen Situationen meistert er hervorragend, aber wenn man gar nicht damit rechnet, trifft er mal die falsche Entscheidung.
Das ist ja das Komische. Sind diese Aussetzer mit Konzentrationsmängeln zu begründen?
Ich weiß es nicht. Aber ich sage Ihnen: Von da oben, von der Tribüne, da sieht das alles leicht aus, da sitzt man und fragt: "Mensch, was macht der denn da?" Aber auf dem Feld hast du nur eine Zehntelsekunde Zeit, um zu reagieren. Da muss er entscheiden: "Was mache ich? Bleibe ich drin? Gehe ich raus?" Insgesamt muss ich aber sagen: Oka tut der Mannschaft mit seiner Ruhe und seiner Ausstrahlung gut. Er ist nicht fahrig oder zappelig.
Nikolovs große Schwäche ist die Strafraumbeherrschung. Kann man das nicht verbessern?
Unser Hauptaugenmerk im Torwarttraining liegt auf der Strafraumbeherrschung. Von fünf Trainingstagen stehen bei uns an drei Tagen Flanken und hohe Bälle in den Strafraum auf dem Programm. Es ist ja nicht so, dass wir nicht wissen, welche Stärken und Schwächen unsere Torhüter haben. Wir versuchen, die Stärken zu verfeinern und die Schwachstellen auszumerzen. Das geht nur mit intensivem Training. Und im Training, das ist Fakt, hält Oka auf einem konstant hohen Niveau.
Nikolov selbst ist momentan ein wenig kurz angebunden, er verkneift sich Kommentare zu seinen Leistungen. Können Sie das nachvollziehen?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche beißen vor Wut ins Lenkrad und sagen: "Mit dem und dem spreche ich kein Wort mehr." Andere gehen da offensiver mit um. Generell finde ich, dass Oka hier zu kritisch gesehen wird, da wird man der Person Nikolov nicht gerecht. Es ist natürlich auch ein Problem, dass er schon 16 Jahre hier ist. Da heißt es dann halt schon mal: "Der ist ja schon vor zehn Jahren unter den Flanken durchgelaufen." Das ist nicht fair, Oka ist ein guter Torwart.
Wann ist der Tag für die Wachablösung? Wann wird Kronprinz Ralf Fährmann den Platzhirschen Oka Nikolov beerben?
Das weiß ich nicht. Fährmann ist ein guter Torwart, der enormes Entwicklungspotenzial hat. Er ist gut im Eins gegen Eins, er spielt gut mit, er hat eine gute Strafraumbeherrschung. Aber er muss auch noch viel lernen, er muss geformt werden, damit er die Konstante im Eintracht-Tor wird. Ich sage es immer so: Er ist ein Edelstein, der Tag für Tag geschliffen werden muss. Ralf ist ein feiner Kerl, fast schon zu normal für einen Torwart (lacht). Meine Aufgabe ist jetzt, ihn vorzubereiten für den Tag X. Der wird irgendwann kommen. Und dann muss er bereit sein. Wir haben hier bei der Eintracht nicht die Zeit, ihn ins kalte Wasser zu werfen und dann abzuwarten, ob er tatsächlich schwimmen kann oder ob er untergeht. Wenn er reinkommt, sollte er auch gute Leistungemn bringen können.
Ist sein größtes Problem die fehlende Spielpraxis?
Das kann man so sehen. Er hat auf Schalke ungeheuer wenig gespielt, im Jahr 2009 ganze sechs Spiele für die zweite Mannschaft von Schalke 04. Bei uns hat er sich ja gleich den Mittelhandknochen gebrochen. So wenig zu spielen - das ist nicht gut für einen Torwart. Aber wir werden ihn in die richtige Spur führen und ihn so aufbauen, dass er seinen Mann stehen wird. Da bin ich mir ganz sicher.
(Interview: Ingo Durstewitz)
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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