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05. August 2014

Trainer Tomas Schaaf: „Ich bin nicht verrückt“

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Nach seiner Pfeife wird getanzt: Trainer Thomas Schaaf.  Foto: Jan Huebner

Thomas Schaaf zieht eine erste Bilanz seiner jungen Tätigkeit in Frankfurt. Es ist die Art und Weise, wie die Spieler miteinander umgehen, die den 53-Jährigen ungemein positiv stimmt.

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Ganz zum Schluss des ausführlichen Gesprächs ist Thomas Schaaf gefragt worden, ob er denn schon ein Gefühl für seine Mannschaft entwickelt habe, ob er denn schon in etwa erahnen könne, in welche Richtung die Reise gehen wird, wie sie bestehen könne im Verdrängungswettbewerb Bundesliga. Schaaf, seit 36 Tagen verantwortlich für Eintracht Frankfurt, hat lange nachdenken müssen, ehe er sich zu einer Antwort durchringen konnte. „Ich glaube, dass es eine gute Mannschaft ist“, sagte er.

Es ist die Art und Weise, wie die Spieler miteinander umgehen, die den 53-Jährigen ungemein positiv stimmt. Manchmal, erzählte er, habe er seine Männer heimlich beim Abendessen beobachtet, und was er gesehen hat, hat ihn fast schon begeistert. „Wie sie miteinander umgehen, das ist klasse. Das ist nicht die Normalität. Sie harmonieren gut.“ Das sei die Grundvoraussetzung, um erfolgreich Fußball zu spielen. „Sie können Aufgaben miteinander lösen“, betonte Schaaf. „Mehr können sie nicht tun.“

Was das für die Auftritte in der Bundesliga bedeute, konnte der Coach nicht beantworten. „Zu wie vielen Siegen es reicht, weiß ich nicht.“ Natürlich sei sein Ensemble von der fußballerischen Leistungsfähigkeit her nicht mit einigen anderen Teams zu vergleichen, natürlich hinke man da ein wenig hinterher. „Aber wir haben die Chance, als Einheit etwas zu leisten und etwas zu erreichen.“ Und, auch das wollte er nicht unerwähnt lassen, fußballerisch solle man seine Mannen auch nicht unterschätzen: „Wir haben individuelle Qualität.“

Nach dem dritten und letzten Trainingslager wird Schaaf sich mit seinem Trainerteam zu einer kleinen Klausurtagung zurückziehen und die „Vorbereitung bewerten und analysieren.“ Da werden dann allerhand Informationen zusammengetragen, Erlebnisse und Beobachtungen. „Wir haben ja jetzt ein größeres Wissen von jedem Einzelnen.“ Anhand dessen wird ein Profil erstellt, aus den persönlichen Profilen erfolgt dann ein Mannschaftsprofil. Eine Art Leitbild, ein Leitfaden für Spieler und Trainer.

Nicht auf ein System beschränken

In zehn Tagen wird es für die Hessen im Pokal erstmals ernst, und so langsam zeichnet sich im Kopf des Trainers ein Bild ab, wer zumindest dem 18-er Kader angehören könnte. „Aber gesetzt und platziert ist noch nix.“ Im Laufe einer Saison komme ohnehin jeder Spieler mal zum Zug, „jeder bekommt seine Chance.“ Und natürlich ist der frühere Werder-Coach, wie fast immer, gefragt worden, ob er sich schon auf ein Spielsystem festgelegt habe, weil er in Bremen fast immer mit zwei Spitzen und der Raute im Mittelfeld hat agieren lassen.

Schaaf hält sich da für gewöhnlich bedeckt, aber er macht nicht den Eindruck, als wolle er auf Teufel komm raus an einer taktischen Ausrichtung festhalten. „Ich muss der Mannschaft Wissen und Sicherheit geben, ich darf sie nicht durcheinander bringen.“ Eintracht Frankfurt sei wirtschaftlich nicht so aufgestellt, um sich „einen Kader zusammenzukaufen“, der alle Wünsche des Trainers erfülle. „Deshalb muss ich alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.“ Und genau aus diesem Grund, werde er sich nicht auf ein System beschränken. „Ich bin nicht verrückt“, sagte er. „Ich drücke doch nichts durch, nur weil ich es durchdrücken will.“

Der Fußballlehrer ist mit der Entwicklung seines Teams zufrieden. „Es sind einige Faktoren verändert worden“, sagte er, und noch heute komme es ab und zu mal vor, dass er Spieler vor sich sehe, denen die Fragezeichen in den Augen stünden. Da könne man ablesen: „Was will der da vorne denn von mir?“ Doch alles in allem sei sein Team auf dem richtigen Weg. „Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, damit die Mannschaft unsere Philosophie des Fußballs verfolgen kann“, bekundete Schaaf. „Und es geht in eine gute Richtung.“

Das Testspiel gegen Sampdoria Genua (2:4) sei ein gutes Lehrbeispiel gewesen. In der ersten Hälfte habe seine Elf nicht gewusst, „wie sie handeln soll“, im zweiten Abschnitt habe das schon besser geklappt, „weil wir es einfach haben geschehen lassen.“ Will sagen: Das Team hat nicht mehr so viel an Vorgaben gedacht, sondern schon intuitiv umgesetzt, was gefordert ist. Alles in allem sei aber noch „viel Luft nach oben“, seine Mannschaft habe zu viele leichte Ballverluste. Aber andere Parameter seien dafür positiv, die gemessene Laufleistung etwa wird immer besser. „Wir werden aktiver.“

Persönlich abgestimmter Trainingsplan

Auch die drei Neuzugänge seien auf einem ordentlichen Niveau, körperlich sicher noch nicht auf dem Stand der anderen Spieler, aber so weit, „dass sie an unserer Arbeit teilnehmen können“, individuelle Einheiten ergänzten das Programm. „Sie müssen noch aufholen.“ Für jeden Profi ist übrigens ein persönlich abgestimmter Trainingsplan ausgearbeitet worden, der das ganze Jahr über Bestand hat. Vielleicht liegt es auch an der akribischen Arbeit des Trainerteams, dass die Eintracht bisher von Verletzungen weitgehend verschont geblieben ist, nur Stefan Aigner laboriert noch an den Folgen einer Bänderdehnung im Knie, soll aber wieder langsam einsteigen. „Wir haben Glück, gut durchgekommen zu sein“, sagte Schaaf und fügte augenzwinkernd an. „Vielleicht liegt es auch ein bisschen an der Art und Weise, wie wir arbeiten.“

Auf den Coach wartet nach der Rückkehr nach Frankfurt auch die Aufgabe, einen Kapitän zu bestimmen. Da reicht die Palette an Kandidaten von Alexander Meier über Kevin Trapp bis hin zu Marco Russ, Carlos Zambrano oder Stefan Aigner. Schaaf wird da sehr genau überlegen. „Denn so eine Aufgabe mag nicht jeder. Man muss aufpassen, dass man damit niemanden überfordert.“

Auch aus dem fernen Italien hat der Eintracht-Coach wahrgenommen, dass etwa der Hamburger SV kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen und Investor Klaus-Michael Kühne noch mal eben 25 Millionen Euro in den Klub gepumpt hat. „Da macht man sich schon Gedanken und fragt sich, wo geht der Fußball hin. Und man sieht, wie schnell Verhältnisse verschoben werden.“ Für einen Verein wie die Eintracht sei es so ungemein schwer, etwas weiter oben anzuklopfen. „Manchmal denkt man schon, es wäre ja nicht schlecht, wenn bei uns auch mal so einer um die Ecke kommen würde“, sagte Schaaf schmunzelnd.

Bis dahin muss er sich auf das Verhandlungsgeschick von Sportdirektor Bruno Hübner verlassen, den er wieder in den höchsten Tönen lobte: „Er macht einen klasse Job, ist 24 Stunden für den Verein da.“ Und Hübner wird versuchen, noch einen schnellen, aggressiven Spieler fürs Mittelfeld zur Eintracht zu lotsen. „So einen könnten wir noch gut gebrauchen. Aber das machen wir ohne Zeitdruck“, sagte Hübner. „Und nur, wenn es finanziell reinpasst.“

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