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Tsoumou und Fenin: Die Joker

Der junge Eintracht-Stürmer Juvhel Tsoumou wird am aufregendsten Tag in seinem Leben gnadenlos umhergereicht und weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Martin Fenin steckt seinen Coup vergleichsweise routiniert weg. Von I. Durstewitz und T. Kilchenstein

Tsoumou.
Tsoumou.
Foto: dpa

Juvhel Tsoumou wusste irgendwann gar nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Der junge Eintracht-Stürmer, 19, wurde an dem aufregendsten Tag in seinem Leben gnadenlos umhergereicht, von einem Fernsehsender zum anderen, von einem Reporter zum nächsten; Carsten Knoop, der fürsorgende Eintracht-Sprecher, organisierte noch schnell ein T-Shirt, damit Tsoumou nicht frieren musste während des Frage- und Antwort-Marathons tief unten im Bauch der Arena. Normalerweise ist der Angreifer mit kongolesischen Wurzeln schon auf dem Nachhauseweg, wenn die Kollegen ihre Sicht der Dinge darlegen. Von ihm nimmt in der Regel niemand Notiz, für gewöhnlich kickt Tsoumou in der Regionalliga Süd bei den Eintracht-Amateuren. Sein Leistungsnachweis in dieser Saison bei den Profis: nullkommanull Einsätze.

Und dann kommt die 87. Spielminute in der irren Partie gegen die Bayern, Tsoumou ist vier Minuten zuvor eingewechselt worden, Trainer Michael Skibbe riskiert alles, da ist einer wie Tsoumou, ein Baum von einem Mann, "mit seiner Bulligkeit, seinem Körper und seinem Mut" (Trainer Michael Skibbe) genau der Richtige. Also rennt der Mann mit den knallgelben Fußballschuhen auf den Rasen und als der bemitleidenswerte Münchner Linksverteidiger David Alaba einen zu kurzen Rückpass spielt, spritzt Tsoumou in den Ball hinein. Was dann folgt, schildert er so: "Ich dachte, ich komme vor dem Torwart an den Ball, aber der Butt war vor mir dran, glaube ich, ich weiß es nicht mehr so genau. Ich weiß nur noch, dass der Ball im Tor lag."

Und dann? "Das kann ich nicht sagen", befindet er. "Unbeschreiblich." Er meint es genau so. Ihm fehlen die Worte. Er schweigt für ein paar Sekunden, muss sich erst mal sammeln. Wie er ihn rein gemacht habe, mit dem Knie? "Nee, nee, Schienbein", sagt er und lacht. Es war das 1:1, es war die Wende.. Tsoumou, ein massiger Spieler mit einem großen Torriecher, aber großen Schwächen in punkto Technik und Spielverständnis, findet dann irgendwann doch noch einen Vergleich: "Also, für mich ist das wie ein WM-Finale gewesen."

Ob er nun groß feiern und die Puppen tanzen lassen werde, ist der Vertragsamateur, dessen Kontrakt am Saisonende ausläuft und der voraussichtlich nicht verlängert wird, schließlich gefragt worden. Tsoumou, der zu Beginn dieser Saison mit einer langwierigen Knieverletzung auf Eis lag, sah aus, als verstehe er die Frage nicht so recht. "Nein, ich muss doch am Sonntag spielen mit den Amateuren." Der Gegner? "Bayern Alzenau." Er spielte dann doch nicht, Skibbe hatte ihm einen Einsatz freigestellt, Tsoumou entschied sich für den freien Tag.

Traumhaftes Tor

Martin Fenin, der absolute Matchwinner, muss sich natürlich nicht mehr in die Tiefen der vierten Klasse begeben, der 22-Jährige ist tschechischer Nationalspieler. Und so verwundert es auch nicht, dass der Stürmer seinen großen Coup in der 89. Minute vergleichsweise routiniert wegsteckte. Fenin hatte da auf rechts den abermals überforderten Alaba düpiert, es war allerdings keine großartige Einzelleistung, "ich kam gar nicht so richtig rein ins Dribbling", gestand Fenin, doch irgendwie mogelte er sich an dem viel zu zögerlichen 17 Jahre alten Bayern-Verteidiger vorbei, und dann zog er mit rechts aus spitzem Winkel ab, der Ball drehte sich vom Innenpfosten ins Netz. "Das war volle Absicht, wie er den Ball da über den Außenspann rutschen lässt, damit er diesen Drall kriegt", lobte Skibbe. "Das war klasse. Schade, dass er so lange verletzt war, vielleicht hätten wir sonst mehr solcher Tore gesehen."

Fenin hat keine leichte Zeit hinter sich. Zwei Operationen an beiden Leisten musste er über sich ergehen lassen, er hatte vor der Bayern-Partie genau 212 Minuten gespielt - in 27 Partien. Das sagt alles. Erst seit ein paar Wochen trainiert er wieder mit der Mannschaft, und das schmerzfrei. Er will es nach diesem verlorenen Jahr noch einmal wissen. Sein Siegtor kommentierte er vielleicht gerade deshalb sehr gefasst. "So einen Tag vergisst man nicht. Das ist traumhaft. Aber so richtig realisieren wird man das erst in ein paar Tagen."

Autor:  Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Datum:  22 | 3 | 2010
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1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
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