Am Sonntag danach erfuhr die Geschichte des Derbys zwischen Eintracht Frankfurt und dem FSV Mainz 05, das auch so schon brisant genug gewesen war, eine weitere Zuspitzung. Der Mainzer Stürmer Aristide Bancé beschuldigte den Frankfurter Verteidiger Maik Franz, ihn rassistisch beleidigt zu haben. "Er hat mich das ganze Spiel über provoziert, mich übelst beschimpft, meinen Vater, meine Mutter beleidigt. Er hat mich als dreckigen Neger bezeichnet", sagte der Profi aus Burkina Faso in der SWR-Sendung Flutlicht. Franz zeigte sich in einer ersten Reaktion empört über den Vorwurf: "So was entspricht nicht meinen ethischen und moralischen Vorstellungen. Ich finde es unterste Schublade, dass er so was behauptet. Das ist frei erfunden."
Schon vor Bekanntwerden des Rassismusvorwurfs war der Ex-Karlsruher in aller Munde. Maik Franz gibt es zweimal. Da ist der Gute, Vernünftige, Nette - Dr. Jekyll sozusagen. Dieser Maik Franz plaudert nach dem Spiel freundlich und offen. Er spricht davon, dass er "wieder überglücklich" sei, er spricht über sein Tor zum 1:0, schon sein viertes in dieser noch jungen Saison. Er spricht auch über das Derby, das "ja kein Freundschaftsspiel" sei. Es gehe um drei Punkte und die Siegprämie. Er sagt: "Es war ein geiles Spiel heute." Maik Franz kommt sympathisch rüber. Außerhalb des Platzes ist der 28-Jährige ein zuvorkommender, angenehmer Zeitgenosse. Er sagt auch: Nach dem Spiel sei alles vergessen. Diesmal hat er sich getäuscht.
Nach den Vorkommnissen beim Bundesligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FSV Mainz 05 hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag Ermittlungen gegen den Mainzer Aristide Bancé und den Frankfurter Maik Franz eingeleitet. Beide Spieler sollen sich zeitnah vor dem Kontrollausschuss äußern. Danach wird über den weiteren Fortgang der Verfahren entschieden. (dpa)
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Für die Gegner ist Franz ein Ärgernis, für die eigenen Leute ist er ein Gewinn
Den anderen Maik Franz, den Bösen, Ungezogenen, den Provokateur, den Mr. Hyde, hat man im Spiel gesehen, das kein normales war. Es war das typische Maik-Franz-Spiel: voller Emotionen, voller Adrenalin, volle Pulle. Und Maik Franz mittendrin. Er legte sich mit allen möglichen Spielern und der Ersatzbank der Mainzer an, schnell avancierte er zum Feindbild Nummer eins. Es gab kaum einen Zweikampf, der nicht mit Palaver endete, kaum ein Duell ohne Körperkontakt, auch Maik Franz musste einiges einstecken. Dazu provozierte er laufend, redete, machte und tat. Er lag im verbalen Clinch mit Chadli Amri, der nach einem Foul zu viel mit Gelb-Rot vom Platz musste, mit Bancé und Milorad Pekovic, mit denen er sich heftige Rede-Duelle lieferte - welchen Inhalts auch immer.
Der Mainzer Manager Christian Heidel regte sich hernach mächtig auf über das Auftreten des Frankfurter Verteidigers, er nahm nicht mal den Namen des Eintracht-Spielers in den Mund: "Es wird ja viel über diesen Spieler gesprochen. Seit heute weiß ich, dass alle recht haben. Er braucht sich nicht zu wundern, dass sein Ruf so ist, wie er ist."
Maik Franz wundert sich auch nicht. Er setzt die Provokationen gezielt ein. Seine Website heißt Iron-Maik, sein Image als Bad Boy kultiviert er. Er findet es nicht schlimm, wenn die Gegner Angst haben vor ihm. Dabei ist er gar kein überharter Spieler, "unser härtester Spieler", sagt Klubchef Heribert Bruchhagen, "ist Chris." Im Grunde hat er die Marke Maik Franz so aufgebaut. Aus gutem Grund: Sein fußballerisches Potenzial bietet durchaus Luft nach oben. Er braucht diesen besonderen Kick, diese Art, sich selbst zu motivieren, sich selbst Feuer zu geben. Da nimmt er durchaus in Kauf, zuweilen übers Ziel hinauszuschießen. Aber wirklich so weit, wie Bancé behauptet? "Das halte ich für völlig ausgeschlossen, das passt überhaupt nicht zu Maik Franz", sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Sonntagabend der FR.
Klar ist, dass Franz auf dem Platz gefürchtet ist. Sein Spiel beschrieb er in einem FR-Interview so: "Wenn ich auf den Platz gehe, will ich gewinnen. Es ist doch so: Es gibt die Eleganten und die Schönspieler - und es gibt welche wie mich." Für die Gegner ist er ein Ärgernis, für die eigenen Leute ein Gewinn. Gerade der Eintracht, die im Ruf steht, zu brav zu sein, fehlte so ein Spieler. Ihr fehlte ein Drecksack. Und nicht wenige waren am Samstagabend der Meinung: Ohne Franz hätte die Eintracht das Derby gegen Mainz nicht gewonnen.
Und ohne Franz hätte sich Bancé nicht zu dieser unschönen Aktion hinreißen lassen. Nach dem Schlusspfiff reckte der Mann aus Burkina Faso, dem in den 90 Minuten nur eine gute Aktion gelungen war, demonstrativ den Mittelfinger in die Höhe. Christian Heidel nahm sich seinen Stürmer noch in der Kabine zur Brust. "So was wollen wir nicht, das passt nicht zu Mainz." Auch Trainer Thomas Tuchel verurteilte die Geste: "Da gibt es keine zwei Meinungen. Der Mittelfinger geht nicht. Ausrufezeichen."
Ob Bancé mit einer internen Strafe rechnen muss, ist nach der jüngsten Wendung offen. "Inzwischen weiß ich, dass es von Aristide keine Aktion, sondern eine Reaktion war", sagte Heidelam Sonntagabend. Dennoch müsse sich der Spieler im Griff haben. Der DFB-Kontrollausschuss könnte wegen des "Stinkefingers" ermitteln. Wie Franz ist auch Bancé kein unbeschriebenes Blatt. Schon bei den Offenbacher Kickers war er zweimal wegen Unbeherrschtheiten gesperrt worden. Mit ein Grund dafür, dass der OFC aus der zweiten Liga abstieg. Die Eintracht hatte seinerzeit von einer Verpflichtung des Stürmers Abstand genommen.
Während Eintracht-Trainer Michael Skibbe den Auftritt von Franz nicht zu hoch hängen wollte, war Bruchhagen "nicht mit allem einverstanden". Bei der Verpflichtung im Sommer hatte der Vorstandsvorsitzende dem Stopper ins Stammbuch geschrieben, dass er die Mätzchen unterlassen möge. "Solche Attacken hat er gar nicht nötig", sagte Bruchhagen. "Gegen Mainz hat uns seine Aggressivität weitergeholfen, aber ich weiß nicht, ob ihm das langfristig zum Vorteil gereicht." Auch in der vorigen Saison, beim KSC, war Franz auffällig geworden. Er hatte den damaligen Stuttgarter Mario Gomez und seinen heutigen Teamkollegen Ioannis Amanatidis zur Weißglut gebracht.
"Er sollte nicht zu viel provozieren. Bei anderen Schiris weiß man nicht, wie es ausgeht", sagte Patrick Ochs. Ergänzte aber: "So einer hat uns gefehlt. Er hilft uns mit seiner Art weiter, vor allem mit seinen Toren." Das 1:0 gegen Mainz (29.) war bereits das vierte Saisontor des Verteidigers. Erneut war es ein wichtiges. Schon in Freiburg (1:0), Bochum (2:1) oder in Berlin (2:0) hatte Franz vorentscheidende Treffer erzielt. Er wird übrigens am nächsten Wochenende bei der TSG Hoffenheim zusehen müssen. Am Samstag bekam er die fünfte Gelbe Karte. Hoffenheim kann aufatmen.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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