Für das Bundesligaspiel Sonntag gegen den VfL Bochum gibt es noch ausreichend Karten, mehr als 17.000, um genau zu sein. Manches spricht dafür, dass die Partie nicht ausverkauft sein wird, insbesondere jene, die Mittwochabend Zeuge der 0:4-Vorführung waren, werden ihr Kommen wohl noch einmal überdenken. Dabei stehen die Chancen für Eintracht Frankfurt gegen den Vorletzten des Klassements gar nicht so schlecht: Der VfL Bochum gehört ja nicht zu den Schwergewichten der Branche. Offenbar können die Hessen nur gegen Teams auf Augenhöhe bestehen.
Die Bayern jedenfalls spielen in einer anderen Liga, zumindest an diesem Abend, zumindest dann, wenn die Eintracht-Profis derart neben den Schuhen stehen wie am Mittwoch im Pokal-Achtelfinale. "Gegen diese geballte Wucht an erstklassigen Spielern hatten wir nicht den Hauch einer Chance. Der Qualitätsunterschied war zu groß. Dieser Herkulesaufgabe waren wir nicht gewachsen", fasste Trainer Michael Skibbe die 90 ernüchternden Minuten zusammen. Dabei hatte der 44-Jährige - angetreten in Frankfurt, den Zuschauern Spaß an attraktiven Kombinationsfußball zu bereiten - in den Tagen zuvor ein Fußballfest angekündigt. Das fiel aus und Skibbe musste einräumen: "Das ist krumm gelaufen."
Tatsächlich hatte der Frankfurter Trainer mit seinen personellen und taktischen Vorgaben kein glückliches Händchen. Chris aus der Innenverteidigung ins Mittelfeld und Patrick Ochs aus dem Mittelfeld zurück in die Abwehrkette zu beordern, war - rückblickend - eine Fehlentscheidung. Die Bayern spazierten munter durch die Mitte und erzielten ihre Tore ohne große Gegenwehr, zum Teil auch mit freundlicher Unterstützung von Maik Franz, der drei Treffer verschuldete. "Es tut mir leid, ich hoffe, ich kann es wieder gut machen", sagte der Unglücksrabe.
Zudem rechtfertigen Markus Steinhöfer und Martin Fenin keinesfalls ihre Aufstellung, sie waren neben Franz die schwächsten. Skibbe korrigierte zur Pause sich selbst - da freilich war der Pokaltraum schon ausgeträumt und die Bayern 3:0 in Front. Zudem: Vor einem Millionenpublikum - das Spiel wurde in vielen Ländern gezeigt - hat die Marke Eintracht Frankfurt angesichts einer erbärmlichen Leistung erheblichen Schaden genommen.
Die Hoffnung ist verpufft
Im Grunde aber steckt die Frankfurter Eintracht in ihrem altbekannten Dilemma: Sie ist nicht gut genug, um einen Großen der Zunft an einem normalen Tag zu schlagen. Wenn doch, dann müssen "Glück und Geschick" (Skibbe) zusammenkommen, alles perfekt laufen oder der Gegner hat sich - wie Werder Bremen - eine Schwächephase geleistet. Das ist in Frankfurt nichts Neues: In den letzten Jahren war die Eintracht meist zu gut für die Kleinen, zu schwach für die Großen. Und schließlich: Nach wie vor zehrt der Klub von den drei Bonuspunkten vom ersten Spieltag. Man stelle sich vor, wo die Eintracht ohne diesen Sensationssieg stünde - genau zwei Punkte vor einem Abstiegsplatz.
Skibbe, mit großen Ambitionen angetreten, weiß schon lange um die wahre Leistungsstärke seines Teams. Deshalb thematisiert er auch zwei Monate danach noch den geplatzten Transfer von Lincoln bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit. Zudem macht er kein Hehl daraus, so schnell es geht, zwei, drei Verstärkungen an den Main holen zu wollen. Skibbes Vertrauen in seine aktuelle Mannschaft ist also endlich. Auch die Aufbauhilfe für Caio endete ohne nennenswerten Ertrag, der Brasilianer ist endgültig enttarnt, er spielt auch unter Skibbe allenfalls eine untergeordnete Rolle.
Nach zehn Bundesligaspielen und einer Pokal-Blamage ist der Schwung des Trainerwechsels dahin. Anstelle von frischem Wind herrscht Flaute, die Hoffnung auf eine Wende zum Besseren, zu besserem Fußball, besseren Spielen ist der Erkenntnis gewichen: alles bleibt beim alten, der Klub bleibt im alten Trott. Bleierne Schwere hat sich breitgemacht.
Überdies sind die atmosphärischen Störungen zwischen Skibbe und Eintracht-Boss Heribert Bruchagen inzwischen mit Händen zu greifen. Weil sich Bruchhagen kritisch über die Mannschaft geäußert hatte, fühlte sich Skibbe auf den Schlips getreten und mahnte den Vorstandsvorsitzenden zur Zurückhaltung. Drei Tage währte das Scharmützel, drei Tage schafften es zwei erwachsene Männer, nur übereinander und nicht miteinander zu reden. Das ist Eintracht Frankfurt im Herbst 2009.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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