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Zurück aus Berlin: Noch mehr Löcher im löchrigen Bollwerk

Eine starke Halbzeit reicht der Eintracht in Berlin nicht zum Punktgewinn, zumal Verteidiger Chris bedenklich schwächelt.

Ausnahmsweise alles im Griff: Der Frankfurter Chris gegen den Berliner Andrej Woronin.
Ausnahmsweise alles im Griff: Der Frankfurter Chris gegen den Berliner Andrej Woronin.
Foto: ap

Es ist ja auch irgendwie eine dämliche Regelung im Fußball, dass es zwei Halbzeiten gibt. Nehmen wir mal an, es gäbe nur eine, in diesem Fall die zweite aus Sicht der Frankfurter Eintracht beim Auswärtsspiel in Berlin. Dann hätten die Hessen von der Spree einen Punkt geklaut und an den Main heimgeschippert, und alles wäre ganz dolle rosarot und in allerbester Ordnung gewesen. Trainer Friedhelm Funkel hätte das gesagt, was er auch so geäußert hat, aber es hätte natürlich ganz anders geklungen: "In der zweiten Hälfte haben wir richtig gut gespielt. Diese Leistung hat mir sehr gut gefallen." Und weiter: "Ich habe es selten erlebt, dass wir auswärts so dominant gespielt haben. Wir waren in allen Belangen die bessere Mannschaft." Da regt sich nirgendwo Widerspruch.

Dummerweise gehören zu den zweiten 45 Minuten auch die ersten. Und wer sich die näher betrachtet, der weiß, weshalb die Eintracht am frühen Samstagabend von Tegel aus ohne Zähler zurück nach Frankfurt geflogen ist. Denn in dieser Hälfte lagen die Eintracht-Profis scheinbar noch im winterlichen Tiefschlaf. Selbst die vereinzelt rieselnden Schneeflocken haben sie nicht aufwecken können. Funkel monierte denn auch den fehlenden Biss seiner Eleven. "Wir hatten ja sogar ein paar nette Ballpassagen, aber das war viel zu drucklos, fast wie ein Freundschaftsspiel." Auch Heribert Bruchhagen, der Eintracht-Chef, bemängelte die allzu sorglose Spielweise: "Wir wollten alles mit spielerischen Mitteln lösen - so geht das nicht."

Eintracht Frankfurt

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Die vornehme Zurückhaltung führte dazu, dass die Hertha durch den wie entfesselt aufspielenden Marko Pantelic mit 1:0 in Front lag (17.) und sogar auf 2:0 hätte erhöhen können, wenn Cicero nicht so frei gewesen wäre, einen Strafstoß ziemlich lasch zu treten, den Eintracht-Torwart Markus Pröll parieren konnte (33.).

Gerade die Frankfurter Abwehr taumelte wie ein angeschlagener Boxer über das Geviert, dabei war es doch gerade Funkels Bestreben, die in der Hinrunde so löchrige Verteidigung dicht zu bekommen. Doch da ist die Theorie von der Praxis rechts überholt worden. Es war gerade Hoffnungsträger Chris, der sich und die Abwehr von einer Turbulenz in die nächste stürzte. Der Brasilianer, dessen Rückkehr nach der Schulteroperation herbeigesehnt wurde, wirkte fahrig, schludrig, er verlor viele, viele Zweikämpfe, er wirkte langsam und auch gedanklich nicht auf der Höhe. Chris, der nur im letzten Testspiel gegen Greuther Fürth seine Tauglichkeit testen durfte, konnte nicht nur keinen Halt geben, er trug entscheidend zur Instabilität bei.

Hertha BSC Berlin - Eintracht Frankfurt 2:1

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"Wir haben es nicht geschafft, die Innenverteidigung geschlossen zu kriegen", sagte Bruchhagen, legte aber Wert darauf, dass daran nicht nur die zentralen Deckungsspieler Chris und Marco Russ Schuld hatten. "Wir haben insgesamt zu viele Fehler gemacht." Zudem hatten die Verteidiger das Pech, dass Pantelic einen Sahnetag erwischte. "Das ist halt ein anderes Kaliber als die Stürmer von Fürth", sagte Funkel lapidar. So ähnlich sah es auch Rechtsverteidiger Patrick Ochs: "Pantelic ist clever und abgezockt, es ist schwer, gegen ihn zu spielen."

Funkel wird nun aber ganz sicher nicht den Stab über Chris brechen und den Aushilfskapitän zum Sündenbock stempeln. "Er muss sich jetzt durch Spiele seine Sicherheit holen, um so zu alter Leistungsstärke zurückzufinden", so der Trainer.

Hoffnung macht der Eintracht hingegen in der Tat die zweite Hälfte, in der sie sich "mit mehr Körperkontakt und Vehemenz" (Bruchhagen) die Spielkontrolle erkämpfte und nach Benjamin Köhlers Anschlusstor (53.) eigentlich mit einem Punkt hätte belohnt werden müssen. "Das wäre verdient gewesen", fand Bruchhagen. Doch es war der eingewechselte und für Betrieb sorgende Neuzugang Leonard Kweuke, der nach einer wunderbaren Flanke von Martin Fenin den Ball per Flugkopfball nicht ins Netz, sondern an die Fäuste von Torwart Jaroslav Drobny beförderte (69.). "Der muss rein", stellte Funkel klar. Und weil auch der ansonsten blasse Alexander Meier kurz vor Schluss per Kopf in Drobny seinen Meister fand, verpatzte die Eintracht den Start. "Hertha ist der Meister der Effektivität", fasste Funkel den biederen Auftritt der Gastgeber zusammen. In seinen Worten schwang eine Menge Ärger mit, "weil wir besser waren und uns selbst nicht belohnt haben".

Am Samstag nun kommt der 1. FC Köln nach Frankfurt. Da ist die Eintracht zwar nicht zum Siegen verdammt, aber weil danach der VfL Wolfsburg vorstellig wird, sollten "wir eines dieser Spiele gewinnen" (Ochs). Ansonsten droht das, was sie in Frankfurt unbedingt vermeiden wollen: ein kapitaler Fehlstart.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  2 | 2 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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