Die drei Polizisten am Spielfeldrand fühlten sich sichtlich deplatziert. Ein halbes Dutzend Kamerateams, ein Heer an Journalisten und Fotografen belagerten am frühen Dienstagvormittag das Trainingsgelände des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Von gewaltbereiten Fans war an diesem sonnigen aber kühlen Morgen weit und breit nichts zu sehen: Ein paar Rentner, eine Schulklasse auf Wandertag − und eine Handvoll zahmer Ultras. Letztere verschafften sich lediglich vor sensationshungrigen Kameramännern Gehör, schimpften auf die Mannschaft, wetterten gegen Trainer Christoph Daum.
Eine Gemengelage aus Frust und Verständnislosigkeit, wie sie Daum nur allzu gut nachvollziehen kann. „Wichtig ist aber, dass trotz der Enttäuschung für einen Rahmen gesorgt wird, der es möglich macht, dass auch Familien noch hingehen können“, sagte Daum und fügte hinzu: „Wir halten zusammen, das ist die richtige Antwort.“
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Die Relegationsspiele zwischen dem Bundesliga-16. (zurzeit Eintracht Frankfurt) und dem Dritten der zweiten Liga (momentan VfL Bochum) sind auf Donnerstag, 19. Mai, und Mittwoch, 25. Mai, terminiert.
Der Erstligist besitzt zunächst Heimrecht. Es gilt die aus dem Europapokal bekannte Auswärtstorregel.
Falls im Rückspiel nach 90 Minuten noch keine Entscheidung gefallen ist, gibt es eine Verlängerung. Steht danach immer noch kein Sieger fest, entscheidet ein Elfmeterschießen. (hu)
Trainieren will Daum seine Mannschaft ab Mittwoch aber ohne Kiebitze. In der Abgeschiedenheit der Eifel in der Sportschule Bitburg versucht der Trainer-Motivator seine Spieler nach der 0:3-Klatsche in Mainz aus der „Schockstarre“ (Patrick Ochs) zu befreien. „Lösen kann man diese Schockstarre aber wahrscheinlich nur in der Sauna“; frotzelte der Gute-Laune-Coach nach dem Vormittagstraining vor der WM-Arena im Frankfurter Stadtwald.
Was nach einem bezahlten Wellnessurlaub klingt, nannte Daum „Schwerstarbeit“.
Am Mittwochmittag startet die Betriebssportgruppe Eintracht gen Bitburg. Bis Freitag stehen dort vier Trainingseinheiten auf dem vorläufigen Plan. „Wir werden 24 Stunden rund um die Uhr alles dafür tun, um am Samstag gegen den 1. FC Köln zu gewinnen“, sagte Daum. Ausgerechnet Köln. Daums Lebensmittelpunkt. Eine Ironie des Schicksals? „Weiß nicht, ob das Ironie ist“, konterte Daum, „das ist der Spielplan.“ Den Kontakt zu seinen Kölner Nachbarn habe er in den letzten Tagen gemieden, „ich habe alles rigoros abgesagt“, so Daum.
„Sie sind herzlich willkommen, solange sie nicht über das Spielfeld laufen“
Reden wird er in den nächsten drei Tagen ohnehin ohne Unterlass. „Wir werden sprechen, wir werden trainieren, und wir werden weiter an jeden Einzelnen appellieren, daran zu denken, welche Verpflichtung er für den Verein und die Region hat.“ Aber auch die völlig verunsicherten Berufsfußballer sollten die Zeit in der Eifel nutzen, um sich zu erklären. „Jeder Spieler soll klar sagen, was aus seiner Sicht zu verbessern ist. Was kann ich dafür tun, dass wir gewinnen − und was erwarte ich von meinen Mitspielern“, forderte Daum.
Der Motivator will nicht länger den Alleinunterhalter geben. Daum erwartet Antworten. „Ich kann nicht irgendwas hineinreden oder versuchen etwas herauszukitzeln, wenn der Einzelne nicht bereit dazu ist.“ Er könne Hilfestellungen geben oder provozieren, aber es entscheide der Einzelne, ob die Mission Klassenerhalt gelingen mag oder nicht. „Jeder weiß, worum es am Samstag geht. Das ist unsere letzte Chance.“
Das sieht Vorstandsboss Heribert Bruchhagen nicht anders. Auch wenn der es besser finden würde, Daum und Mannschaft hätten sich in Frankfurt auf den Saisonkehraus vorbereitet.
Auch wenn der Abstieg nicht verhindert werden kann, will Bruchhagen weiter das Sagen haben. Oder um es mit seinen Worten zu formulieren: „Sollte dieser Fall eintreten, ist es doch wohl selbstverständlich, dass ich der Erste bin, der, wenn der Aufsichtsrat dem zustimmt, auch wieder dabei sein wird, um den alten Zustand wiederherzustellen.“ Im Falle des Abstiegs wäre der 62 Jahre alte Eintrachtboss über Nacht arbeitslos. Sein Vertrag läuft zwar erst 2012 aus, gilt aber nicht für die zweite Liga. Aber es „wäre ja geradezu naiv zu glauben, dass die Tatsache, dass ich keinen Vertrag für die zweite Liga habe, dazu führen würde, dass ich die Eintracht verlassen sollte“, sagte Bruchhagen am Montag im hr-Fernsehen.
Bruchhagen ließ sich am Dienstagmorgen nicht am Trainingsplatz blicken. Vielleicht nutzt er ja die Abgeschiedenheit der Sportschule Bitburg für eine Stippvisite. Daum möchte das Kurztrainingslager aber keinesfalls als Flucht verstanden wissen: „Das kann jeder deuten wie er will. Ich sage, wir erkennen unsere Verantwortung und bündeln unsere Kräfte.“ Sogar die Journalisten seien herzlich willkommen, „solange sie nicht über das Spielfeld laufen“.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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