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"Skibbe weiß, was uns bewegt"

Jugendleiter Armin Kraaz über Nachwuchsarbeit, die Philosophie und Vorzeigemodelle wie Ochs und Jung

Herr Kraaz, können Sie als Sportlicher Leiter des Leistungszentrums erklären, was sich für den Nachwuchs verändert hat, seit der Profitrainer Michael Skibbe und nicht mehr Friedhelm Funkel heißt?

Ich möchte keinen Vergleich ziehen. Ich kann nur sagen, dass Skibbe und sein Co-Trainer Edwin Boekamp beide ihre Wurzeln im Nachwuchsfußball haben. Sie wissen, welche Sorgen und Nöte wir in der Jugend haben, sie wissen, was uns bewegt. Und sie interessieren sich für uns, neulich haben sich beide ein Spiel unserer B-Jugend angesehen. Dass sich ein Trainer die U 23 anguckt oder auch die A-Jugend, das ist ja nichts Ungewöhnliches. Aber ein B-Jugend-Spiel, das gab's schon sehr lange nicht mehr. Und sie hatten Glück, sie haben ein Highlight erwischt, das 5:0 gegen den VfB Stuttgart.

Worin zeigt sich die engere Verzahnung noch?

Die größte Veränderung wird sicher sein, dass unsere U23 in ein paar Wochen ans Stadion zu den Profis umziehen wird. Die Nähe zur Profimannschaft ist gut für die Jungs, das ist für sie eine größere Motivation. Man muss ohnehin sagen, dass ein reger Austausch zwischen Skibbe und U 23-Trainer Frank Leicht stattfindet.

Skibbe hat andere Ideen, er ist forscher, lässt offensiver spielen. Das muss doch im Sinne der Nachwuchsabteilung sein?

Absolut. Seine Darstellung ist optimistisch, auch mutig. Er scheut sich nicht, höhere Ziele auszugeben. Und seine offensivere Spielweise entspricht unserer Philosophie, wir wollen gerne viele Tore schießen, wir spielen lieber 4:4 als 1:1. Wir haben ja einen Leitfaden entwickelt, darin ist unsere Philosophie verankert und das, was wir erreichen wollen (nachzulesen im Netz unter: www.eintracht-frankfurt.de/verein/fussball_leistungszentrum.html).

Herr Kraaz, wie ist es generell um den Eintracht-Nachwuchs bestellt. Die vergangene Saison war doch schwer enttäuschend.

Das stimmt. Aber wir haben diese Saison einen super B-Jugend-Jahrgang, da sind wir auch perfekt in die Saison gestartet. Da können wir unter die ersten Drei kommen.

Da spielt ein gewisser Sonny Kittel. Ihm wird schon jetzt eine große Zukunft prophezeit.

Ich will keinen Einzelnen herausheben, die ganze Mannschaft ist bärenstark. Da werden wir noch drei Jahre Freude haben. Aber Sonny ist ein guter Spieler, klar, er fällt noch mehr auf, weil er schon sechs Tore gemacht hat. Allein vier beim 5:0 gegen den VfB.

Können Sie einen Spieler wie ihn halten? Erst kürzlich mussten Sie die beiden C-Jugendspieler Emre Can und Timo Cecen ziehen lassen.

Das hatte unterschiedliche Gründe. Emre ist zu den Bayern. Da hast du keine Chance, die sind eine Stufe höher als alle anderen. Und Cecen ist nach Stuttgart, weil wir hier noch kein Internat und Schlafplatz haben. Solche hervorragenden Spieler wie diese beiden wollen wir natürlich halten, wenn hier am Riederwald alles fertig ist, wenn wir das neue Gebäude haben und wir den Jungs einiges bieten können.

Wird die A-Jugend wieder um die Klasse zittern müssen?

Nein, sie wird zwischen Platz vier und sieben landen. Und mit der U 23 wollen wir ins gesicherte Mittelfeld. Wir sind zufrieden, wie es momentan läuft. Und man muss mal sehen, dass wir in der Zertifizierung unseres Leistungszentrums drei Sterne vom DFB bekommen haben. Das ist die höchste Kategorie. Und wir haben eine hohe Durchlässigkeit und Effizienz.

Was genau meinen Sie damit?

Da wird bewertet, wie viele Spieler es von der Jugend in eine Profimannschaft geschafft haben. Da liegen wir unter den ersten Fünf. Man muss beachten, dass Bayern oder Stuttgart einen Etat von vier bis fünf Millionen haben, Schalke 3,5 bis vier Millionen und Hertha erst jetzt von fünf auf 3,5 Millionen zurückgeschraubt hat. Wir wenden zwei Millionen auf. Und doch sind wir so weit, um zu einem Spieler zu sagen: "Du musst nicht den Verein wechseln, um in die Bundesliga zu kommen. Das schaffst du bei uns auch."

Aber in den vergangenen zwei Jahren hakt es etwas bei den Spielern, die zu den eigenen Profis befördert wurden.

Na ja, wir haben jetzt Sebastian Jung hochgebracht. Er wird es schaffen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Das ist nur eine Frage der Zeit. Er ist mutig, schnell, bissig. Und auch Marcel Titsch-Rivero hat jetzt einen Profivertrag bekommen, er wird früher oder später den Sprung machen.

Es ist auffällig, dass sich die Spieler durchsetzten, die die nötige Einstellung mitbringen. Spieler mit mehr Talent, aber weniger Durchsetzungsvermögen bleiben auf der Strecken.

Die Eintracht steht für gute Fußballer, aber die Charaktere müssen auch Profiansprüchen genügen, und da haben es eher Patrick Ochs und Marco Russ geschafft und jetzt Jung und Titsch-Rivero. Das sind ja auch Vorzeigemodelle, bodenständig, verbissen, ehrgeizig. Aber wir werden dennoch keinen wegschicken, der 35 Tore schießt und vielleicht ein paar Flausen im Kopf hat.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  18 | 9 | 2009
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