Marco Russ hat den Sinn für die Realitäten nicht verloren. "Wenn wir so spielen wie zuletzt", sagte der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt, "kriegen wir auf die Mütze." Zuletzt hat sich die Eintracht ja immer mal wieder Auszeiten genommen, mal 45 Minuten, wie gegen den FC Schalke 04, mal 25 wie gegen Hannover 96 - auf jeden Fall zu viel, wenn die Hessen auch nur halbwegs gegen den nächsten Gegner bestehen wollen. Der heißt Bayern München, und "wenn die nach ein, zwei guten Aktionen gleich ein Tor schießen, sind sie übermächtig".
Das sagt der Trainer Michael Skibbe, von Natur aus eigentlich zuversichtlich. Aber vor dem Spiel gegen den Branchenführer nimmt selbst der Optimist das Wort Sieg nicht in den Mund, lieber spricht er von "einer tollen Herausforderung" und davon, dass "ein Spiel gegen eine europäische Spitzenmannschaft zu einem Glücksfall für die eigene Karriere" werden kann. Ansonsten ist er fast schon fatalistisch: Sein Team habe nur eine Chance, "wenn sich alles gegen die Bayern verschworen hat".
Natürlich wird Skibbe die Partie vorher nicht abschenken. Er erinnert vielmehr an das Hinspiel in München, wo sich die Eintracht beim 1:2 sehr achtbar aus der Affäre gezogen hatte (und dann vier Tage später im eigenen Stadion im DFB-Pokal 0:4 untergegangen war). Und er sagt: "Angst ist ein schlechter Ratgeber." Das sagt sich leicht. Ein bisschen mulmig ist den Verantwortlichen bei den Hessen schon zumute, denn die Eintracht empfängt die Bayern just zu einer Zeit, da ihr einige Spieler fehlen.
Selim Teber, Patrick Ochs, Maik Franz sind alle gesperrt, das ist auf jeden Fall eine Schwächung. Immerhin haben die zuletzt angeschlagenen Russ und Christoph Spycher signalisiert, einsatzfähig zu sein. Im Grunde sollen sich die Frankfurter auf die Partie freuen, "es ist ja keine Strafe, gegen die Bayern spielen zu müssen".
Während Skibbe am Donnerstag in Frankfurt noch nach der richtigen Taktik suchte, trabte 380 Kilometer südlich Franck Ribéry gemächlichen Schrittes neben Reha-Trainer Thomas Martini über den Trainingsplatz. Wirklich rund sah das nicht aus. Ob der Franzose in Frankfurt spielen wird, vermag in München niemand wirklich zu sagen. Die Bayern haben ohnehin anderes im Sinn: Wer wird ihnen heute im Viertelfinale der Champions League zugelost? Oder: Wer besser nicht. "Ich weiß, wen ich mir nicht wünsche", sagte Arjen Robben: "Barcelona und Manchester United. Das sind die beiden besten Mannschaften."
Der fußballerische Alltag holt die Bayern-Stars dann aber doch noch ein. "Die Eintracht hat eine sehr gute Saison gespielt, auch wenn sie die letzten drei Spiele verloren hat. Die leisten dort eine gute Arbeit", lobt Bastian Schweinsteiger und erinnert sich daran, in Frankfurt immer auch gegen eine "giftige Kulisse" anspielen zu müssen.
Von alledem weiß Robben nichts. Will er auch nicht. Natürlich hat er sich die von den Trainern zusammengeschnittene DVD des Gegners angesehen. "Ich schau mir das an, aber wichtig ist das nicht für mich. Ich schaue nur auf mein Spiel. Wer mein Gegner ist, macht soviel nicht aus. Manchmal ist es ein besserer Gegenspieler, manchmal ein nicht so guter." Am Samstag wird sich Spycher dem Flügelflitzer annehmen. "Den kenne ich", sagt Robben. Zu welcher Kategorie er den Schweizer zählt, verriet er nicht.
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