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Interview mit Alexander Meier: „Wir sind die Sündenböcke“

Alexander Meier im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über die Torflaute und weshalb er und Benjamin Köhler so kritisch gesehen werden.

Herr Meier, ein Punkt, null Tore. Muss man sich Sorgen machen um Eintracht Frankfurt?

Das denke ich nicht. Es war wichtig, dass wir in Freiburg jetzt mal einen Punkt geholt haben, um den Abwärtstrend zu stoppen. Das 0:0 war ein kleines Erfolgserlebnis, darauf können wir aufbauen.

Alexander Meier, Dauerbrenner

Die Eintracht reagierte und verlängerte den Vertrag des 28-Jährigen − zu deutlich verbesserten Bezügen. Meier hatte Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt, Hannover 96 etwa wollte den Mann aus Buchholz in der Nordheide verpflichten. Doch Meier, seit 2004 in Frankfurt und 147-fach in der Bundesliga am Ball, blieb bei der Eintracht. In dieser Saison läuft es nicht ganz so gut − und viele Fans murren wieder. Meier hat bei ihnen einen schweren Stand. Warum auch immer.

Die vergangene Saison war die beste, die Alexander Meier bisher in seiner Karrie gespielt hat. Der lange Norddeutsche (1,96 Meter groß) stand in allen 34 Bundesligaspielen auf dem Feld, er war nach Zvjezdan Misimovic der torgefährlichste Mittelfeldspieler. Er erzielte zehn Treffer selbst und bereitete fünf weitere vor.

Aber die öffentliche Meinung ist da doch sehr viel kritischer.

Warum soll jetzt alles schlecht sein, was vor zwei Monaten noch gut war. Da sind wir gefeiert worden, da war doch alles bestens. Und auf einmal werden wir hingestellt, als hätten wir das Fußballspielen verlernt. Wir sollten uns jetzt auch nicht zu sehr darauf fokussieren, dass wir schon seit vier Spielen kein Tor geschossen haben. Wir können die Tore nicht herbeireden. Deshalb müssen wir anders an die Sache herangehen.

Wie denn?

Nicht so viel an die Tore denken, sondern einfach arbeiten auf dem Platz. Sich reinhauen, weite Wege gehen, für den anderen da sein – dann wird der Ball wieder ins Tor fallen. Dann wird der Knoten platzen.

Machen Sie es sich da nicht zu einfach? Unser Eindruck ist, dass die Offensivaktionen leicht auszurechnen sind.

Das lässt sich ja leicht von außen sagen. Ich finde aber, das ist nicht fair. Glauben Sie nicht, dass wir nach Wegen und Lösungen suchen, um wieder gefährlicher zu werden? Es klappt halt momentan nicht so gut, und wenn dann noch ein bisschen Verunsicherung hinzukommt, dann muss man sich erst einmal auf die Primärtugenden besinnen. Es kann von uns ja momentan niemand erwarten, dass wir ein Feuerwerk abbrennen und Traumfußball zelebrieren. Nein, jetzt geht es darum, mal wieder ein Tor zu machen und Punkte zu sammeln. Egal wie.

Steckt die Mannschaft im Abstiegskampf?

So weit würde ich noch nicht gehen. Aber wir dürfen den Blick nach unten natürlich nicht außer Acht lassen. Das tut auch keiner von uns. Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat, jeder weiß, um was es geht. Und die meisten hier haben mit der Eintracht ja schon ganz andere Situationen erlebt, Situationen, in denen der Druck sehr viel größer war.

Ist das Spiel zu sehr auf Theofanis Gekas zugeschnitten?

Würde ich nicht sagen, es hat in der Hinrunde ja auch hervorragend geklappt. Man darf jetzt nicht alles in Frage stellen, sondern muss ruhig und sachlich mit der Situation umgehen. Gekas wird wieder treffen oder ein anderer. Und dann wird es wieder laufen. Von alleine.

Aber es trifft ja kein anderer. Gekas hat 14 Tore erzielt, danach kommen Patrick Ochs, Benjamin Köhler und Chris mit zwei Treffern. Da stimmt doch irgendwas nicht.

Da muss ich passen. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wenn wir es wüssten, würden wir es abstellen.

Sie haben auch erst einmal getroffen, obwohl Sie in der vergangenen Saison noch zehn Tore gemacht und fünf Vorlagen gegeben haben. Wie sehr belastet Sie ihre persönliche Torflaute?

Natürlich macht man sich Gedanken, es wäre ja nicht normal, wenn man nicht überlegen würde, warum etwas so ist, wie es ist. Und es gibt Gründe, dass es nicht so klappt bisher. Zum einen habe ich in der vergangenen Saison ja fast schon zweiter Stürmer gespielt, ich war immer sehr offensiv. In dieser Spielzeit spiele ich doch sehr viel defensiver, ich habe die Runde ja sogar auf der „Sechs“ angefangen. Da ist es logisch, dass man nicht so viele Tore macht. Und hinzu kommt, dass ich immer wieder von Verletzungen aus der Bahn geworfen wurde. Ich hatte unter anderem zwei Muskelfaserrisse, die mich lange auf Eis gelegt haben. Da fehlt einem der Rhythmus, das bringt einen raus. Da muss man erst wieder in Form kommen. Aber ich möchte das nicht als Ausrede gelten lassen. Ich bin bisher klar unter der letzten Saison zurückgeblieben, das weiß ich selbst. Und ich habe auch ein paar dicke Dinger versemmelt, gegen den HSV oder auch neulich gegen Gladbach. Aber das ist schon anderen passiert, das gehört zum Fußball dazu.

Und doch sind Sie und Benjamin Köhler fast immer die Buhmänner, wenn es nicht so läuft. Auch jetzt wieder.

Ach, wissen Sie was. Das interessiert uns doch gar nicht mehr. Das ist seit sechs Jahren so. Wenn es läuft, sind die anderen die Heilsbringer. Wenn es nicht läuft, sind wir die Sündenböcke. Damals hieß es, der Funkel-Liebling. Jetzt ist es auch wieder nicht recht. Das nervt nur noch, weil es immer das Gleiche ist. Es ist nicht objektiv.

In Freiburg sahen viele ihre Leistung kritisch, obwohl Sie eher defensiv ausgerichtet waren und sehr, sehr viel geschuftet haben und gelaufen sind.

Aber das will niemand sehen, das zählt nicht. Entweder man macht die Tore oder bereitet mindestens drei vor – oder man ist der Depp. Zumindest bei uns ist das so. Aber so ist halt das Geschäft. Es wird sich wohl nicht mehr ändern.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  11 | 2 | 2011
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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