Später dann, als sich die erste Hektik nach den 90 ereignisreichen Minuten gelegt hatte, stellte sich der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel gemütlich und mit verschränkten Armen vor einen der vielen in den Stadion-Katakomben angebrachten Fernsehern und schaute sich die Zusammenfassung der Bundesliga an. Was er da sah, dürfte ihm gefallen haben - bis auf Arminia Bielefeld hatte die komplette Mitkonkurrenz an diesem Samstag Feder lassen müssen. "Ein perfekter Tag, oder?", hat ihn dann jemand gefragt. Funkel hat nur geschmunzelt. Perfekt sei der Tag nur deshalb gewesen, weil die eigene Mannschaft gewonnen habe, sagte der Fußballlehrer. Und wie sie gewonnen hat.
4:0 gegen Hannover 96, 4:0 gegen eine Mannschaft, die der Eintracht so ähnelt wie ein Ei dem anderen - das ist schon eine besondere Leistung. 4:0 hat das Team lange nicht mehr gewonnen, zuletzt im Mai 2007 gegen den Absteiger Alemannia Aachen, und ähnlich wie damals wiegt dieser Sieg in der momentan personell so angespannten Situation der Frankfurter besonders schwer. "Das waren drei ganz, ganz wichtige Punkte", sagte Funkel hinterher, ein klein wenig größer habe man den Abstand zum Tabellenkeller machen können. Die Hessen haben sich inzwischen einen Puffer von sechs Punkten bis zum Relegationsplatz geschaffen. Das Etappenziel, 19, 20 Punkte bis zur Winterpause, ist bei jetzt 16 Zählern und noch drei Begegnungen - darunter ein Heimspiel gegen den VfL Bochum - in realistischer Nähe.
Vor allem hatte Eintracht Frankfurt nicht mühsam und zusammengestoppelt und mit viel Glück gewonnen, sondern glasklar und verdient. Natürlich hatten Funkel und Klubchef Heribert Bruchhagen Recht, als sie hinterher den Ball flach hielten und von einem zu hoch ausgefallenen Erfolg sprachen. "Das Ergebnis ist toll, spiegelt aber nicht das Spiel wider", sagte Bruchhagen, Hannover sei "unter Wert geschlagen" worden. Auch Funkel fand das: "In Dortmund vor einer Woche haben wir zu hoch verloren, heute zu hoch gewonnen." Zudem bemängelt er den "teilweise sehr holprigen" Spielaufbau und auch, dass die spielerische Klasse arg gelitten habe. "Das war kein besonders gutes Spiel."
Aber seine Mannschaft hat nach der "0:4-Klatsche von Dortmund" (Marcio Russ) eine beeindruckende Reaktion gezeigt und einen Mitkonkurrenten auf Augenhöhe bemerkenswert sicher in die Schranken gewiesen. In einer Partie zweier Mannschaften, die ihre Ziele deutlich höher gesteckt haben, hat die Eintracht in den entscheidenden Momenten, nämlich vor den Toren, mehr Leidenschaft, mehr Durchschlagskraft und mehr Aggressivität gezeigt: Sie war hinten in der Abwehr bissig und vorne im Angriff konsequent.
Erstmals seit dem 29. März 2008 hielt die Frankfurter Hintermannschaft ein Zu-Null, damals gewannen das Team 2:0 bei Bayer Leverkusen. Dieses Mal hatten sie freilich mit den kuschelbärharmlosen Hannoveranern auch wenig Mühe. Doch ihre Lektionen nach dem Dortmund-Spiel haben die Russ und Co. gelernt.
Und die Frankfurter hatten zwei von drei Stürmer, die den Unterschied machten: Nikos Liberopoulos erzielte zwei Treffer (25., 86.) und Martin Fenin einen (90.), dazu bereitete der Tscheche das 2:0 durch Russ (40.) und das 3:0 vor. Beide schossen auch am häufigsten aufs Tor, jeweils viermal. Fenin, schon in Dortmund torgefährlichster Mann, ist offenbar drauf und dran, sich zu stabilisieren.
Liberopoulos hat sich, nicht nur wegen seiner bislang fünf Tore, fast unersetzlich gemacht für das Team. "Ich schätze ihn unglaublich, denn er ist ein sehr, sehr guter Mannschaftsspieler", lobte Funkel den 33 Jahre alten Griechen. Der dritte Stürmer an diesem Nachmittag war übrigens Caio, den Funkel überraschend aufgeboten hatte und der eine Art Rechtsaußen spielte. Eher unauffällig, nur wenige Male blitzte sein Können auf, als er zwei schöne Pässe in die Spitze spielte.
Und doch trübte ein Wermutstropfen die Freude über den klaren Sieg: Oka Nikolov fällt mit einem Sehnenanriss an der Ferse für mehrere Monate aus (siehe Artikel auf dieser Seite). Torschütze Russ trug dies mit Galgenhumor: "Wir nehmen die Verletzten hin, wie wenn es am nächsten Tag Regenwetter gibt."
Nicht hinnehmen mussten die Frankfurter einen Elfmeter in der Schlussphase. Habib Bellaid sollte Mike Hanke gefoult haben, doch der Linienrichter zeigte sofort auf Abstoß. Schiedsrichter Günter Perl nahm seine Entscheidung nach Rücksprache mit Assistent Josef Maier zurück. Da fühlten sich die Frankfurter an das 2:2 gegen den VfB Stuttgart vor zwei Wochen erinnert, als Schiri Babak Rafati beim Ausgleich von Mario Gomez den Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels an Benjamin Köhler nicht anerkennen wollte, sich aber vom Linienrichter umstimmen ließ. Beide Entscheidungen waren korrekt.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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