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Achtbare Bilanz: Ausgebeult und aufgehübscht

Eintracht Frankfurt hat sich spielerisch weiterentwickelt, wird im neuen Jahr aber keine großen Sprünge machen können. Michael Skibbes Forderungen verhallen ungehört, weil Heribert Bruchhagen zeigt, wer der Boss ist. Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Eintrach-Trainer Michael Skibbe auf der Bank im Spiel gegen Bayer Leverkusen.
Eintrach-Trainer Michael Skibbe auf der Bank im Spiel gegen Bayer Leverkusen.
Foto: rtr

Ganz zum Schluss hat Michael Skibbe dann ein persönliches Fazit seines Wirkens bei Eintracht Frankfurt gezogen. Da hat er gesagt, er habe hier "ein sehr schönes halbes Jahr verbracht." Man weiß bei Skibbe ja nie so genau, wo der Diplomat anfängt, aber wahrscheinlich hat er doch gedacht, er könne seine Vorstellungen und Ideen in Frankfurt ein bisschen leichter verwirklichen. Die Querelen um die geplatzten und von ihm schon weit forcierten Transfers Lincoln und Theofanis Gekas haben Narben hinterlassen, da wirkte der 44-Jährige richtig angefressen. Auch weil er schmerzhaft erkennen musste, dass bei Eintracht Frankfurt nur ein Mann die Entscheidungen trifft: Heribert Bruchhagen, der machtvolle Vorstandsvorsitzende. Und der zeigt bisweilen ganz gern, wer das Sagen hat.

Zwischenmenschlich also könnte, aller Sonntagsreden zum Trotz, das Verhältnis der beiden so ungleichen Männer besser sein, sportlich indes kann sich die Hinrunden-Bilanz der Eintracht für die Saison 2009/2010 sehen lassen. Platz zehn und 24 Punkte ist auch angesichts des langen Fehlens der kompletten ersten Sturmreihe ein sehr achtbares Ergebnis. Zudem stehen die Hessen fünf Punkte besser als in der vergangenen Hinrunde.

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Skibbe, das darf festgestellt werden, ist es gelungen, das lange Zeit sehr statische Spiel der Eintracht ein wenig aufzuhübschen. Spielerisch hat sich die Mannschaft im Gegensatz zum verkorksten Jahr zuvor definitiv verbessert, es gab richtig gute Spiele, etwa beim 3:2-Auftaktsieg in Bremen, in Berlin oder in Hoffenheim. Immer öfter versuchen die Spieler, kritische Situationen spielerisch zu lösen, viele Passstafetten sorgen für Sicherheit im Spiel. Natürlich ist die Eintracht noch weit davon entfernt, "offensiven und attraktiven Fußball" zu spielen, mit Pressing und klarer Dominanz, wie das Skibbe bei seinem Einstand versprochen hatte. Dazu, sagt Skibbe ein halbes Jahr später, "braucht man frisches Potenzial", also bessere Spieler.

Kein Schattenspringer

Die aber kosten Geld, das die Eintracht nicht hat. Der Verlust in diesem Jahr wird auf 3,5 Millionen Euro beziffert, womöglich sind es sogar mehr als vier Millionen. Der Gestaltungsspielraum ist eng begrenzt, auch weil Bruchhagen nicht über seinen Schatten zu springen gewillt ist, ein überschaubares finanzielles Risiko zu gehen. Das muss nicht verkehrt sein, stellt aber den ehrgeizigen Trainer nicht zufrieden. Und dann sind "richtige Klatschen" (Kapitän Christoph Spycher) wie gegen Stuttgart, Bayern und Leverkusen immer mal wieder möglich. "Das ist das Schlimmste für einen Trainer: Wenn nach fünf oder acht Minuten das Ergebnis schon feststeht", sagt Skibbe.

Und doch durfte die Eintracht anfangs sogar nach oben schielen, nach dem Sieg in Freiburg sprach Skibbe davon, sich "in der Spitzengruppe festbeißen" zu wollen. Doch schnell ging es für die Eintracht dorthin, wo sie auch hingehört: in die Mitte des Klassements. Ab dem siebten Spieltag pendelt sie zwischen Platz neun und elf. Das entspricht dem Leistungsstand.

Deshalb ist Bruchhagen auch "sehr zufrieden" mit dem Abschneiden in diesem "wechselhaften Jahr", in dem die Eintracht die eine oder andere "Delle" wegstecken musste, "diese aber auch wieder ausgleichen konnte", wie Bruchhagen sagt. Reicht es für die Frankfurter gar zu mehr? Eher unwahrscheinlich. Mittelmaß bleibt das Maß aller Dinge. Skibbe wird sich mit dem Machbaren zufriedengeben müssen. Er darf nur träumen.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  20 | 12 | 2009
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