Am Dienstag hat Zlatan Bajramovic nur unter starken Schmerzen im mehrfach operierten Zeh das zweite Training unter Michael Skibbe beenden können. Ins Trainingslager nach Zell am Ziller fährt der Bosnier am Mittwochmorgen um neun Uhr nicht mit, "er ist völlig am Boden", berichtete Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Dienstagnachmittag.
Bajramovic wird der Eintracht auf absehbare Zeit also nicht helfen können, "daraus", sagt Bruchhagen, "ergeben sich Sachzwänge". Der Sachzwang heißt in diesem Fall Selim Teber, war bis zum Ende vergangener Saison Kapitän bei der TSG Hoffenheim und wird von nun an bis 2011 bei der Eintracht Fußball spielen.
Ablösefrei
Der 28-Jährige, den die Hoffenheimer nicht mehr wollten, kommt ablösefrei an den Main. Teber gilt als guter Umschaltspieler und schießt gute Freistöße. Er ist zudem ein meinungsfreudiger Mensch, der nicht immer leicht zu führen ist. Ein Charakterkopf, der der Eintracht gut tun könnte.
Im Trainingscamp im Zillertal will Skibbe schon vor dem Frühstück täglich zur Laufeinheit bitten. Der 17-jährige A-Jugendliche Marcos Alvarez dürfte dann genau wie Bajramovic, der an den Leisten operierte Martin Fenin und der beim Freizeitfußball recht schwer an Innen- und Kreuzband verletzte Marcel Heller fehlen. Erst kam Alvarez am Dienstag wegen einer Nachprüfung in der Schule zu spät zum Training, dann musste der kleine Kerl mit dickem rechten Knöchel frühzeitig aufgeben. Aleksandar Vasoski hatte ihn heftig gefoult.
Es ging also schon intensiv zur Sache beim zweiten Training unter dem Ex-Bundestrainer, der die rund hundert Kiebitze − anders als Vorgänger Friedhelm Funkel − direkt am Spielfeld und nicht hinter dem hohen Drahtzaun zuschauen lässt. "Ich würde die Fans auch weiterhin gerne reinlassen wollen", sagt Skibbe, auch Geheimtraining sei im Gegensatz zur derzeitigen Entwicklung in der Bundesliga nicht geplant.
"Weil der Rudi das so wollte"
Bei der Nationalmannschaft hatte Skibbe das noch ganz anders gehalten, "weil der Rudi das so wollte", wie der Ex-Assistent von Teamchef Völler mit Augenzwinkern verrät. Bei der Eintracht plant der Fußballlehrer außerdem, die U 23-Regionalligamannschaft näher an den Profikader anzugliedern. "Ich würde die U 23 gerne zu uns ans Stadion holen, damit sie parallel mit uns trainieren kann und wir kürzere Wege haben." Vorstandsmitglied Klaus Lötzbeier prüft, ob Skibbes Anliegen sich umsetzen lässt. Schließlich ist die Eintracht nur Gast an der Arena.
Derzeit üben die von Frank Leicht gecoachten Junioren noch am anderen Ende der Stadt. Eine alles andere als begrüßenswerte Konstellation, die aber typisch ist für die Kluft zwischen der Fußball-AG hier und dem Restverein dort, über dessen Griff in die Dividendenkasse AG-Boss Bruchhagen unglücklich ist. 1,2 Millionen Euro flossen von der AG an den Verein. "Ich habe das zur Kenntnis zu nehmen. Aber ich stelle auch fest: Das gibt es bei keinem anderen Bundesligaverein", sagt Bruchhagen, um Contenance bemüht.
Der Vorstandschef lässt sich derzeit täglich die aktuellen Verkaufszahlen von Business-Seats und Werbebanden von Marketingchefin Jutta Kamholz übermitteln, um die Ausgabeseite im Griff zu behalten. Bisher sieht Heribert Bruchhagen die Einnahmen etwa bei den Logen lediglich auf "mittlerem Weg". Selbst auf eine Stornierung des zweiten Trainingslagers in Kärnten verzichtet die Eintracht, obwohl Skibbe über die lange Anreise (Zug nach Köln, Flug nach Klagenfurt, Bustransfer) nicht glücklich ist.
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