Bielefeld. Am Ende flitzte dann auch noch ein schmächtiger 18 Jahre alter Jugendspieler aufs Feld, um das Schlimmste zu verhindern. Sebastian Jung, tags zuvor noch für die U19 der Hessen gegen den VfB Stuttgart erfolgreich am Ball, kam nach 75 Minuten ins hektische Spiel der Eintracht in Ostwestfalen, weil Patrick Ochs, einer der besten Frankfurter, mit einer schmerzhaften Beckenprellung den Platz verlassen musste. Es war eine knifflige Situation, denn die ansonsten matte Arminia aus Bielefeld war da drauf und dran, der niveauarmen Partie die entscheidende Wendung zu geben, doch das letzte Frankfurter Aufgebot stemmte sich wacker und mit einem sehr unbekümmerten Jung gegen das drohende Unheil. Mit Erfolg: 0:0, Pflicht erfüllt.
Es war ein verdienter Punktgewinn für die Hessen, der sie zwar nicht aufatmen, aber doch durchatmen lässt. Mit etwas mehr Glück, "mit mehr Willen und Entschlossenheit" (Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen) wäre auch ein Sieg auf der Alm drin gewesen. Er wäre nicht einmal unverdient gewesen. So aber verkündete der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen in der alten Heimat etwas schief im Bild: "Im Abstiegskampf ist es gut, wenn man einen unmittelbaren Mitbewerber auf Distanz halten kann." Das ist der Eintracht gelungen, sie hat auch ihren Nimbus gewahrt, gegen keinen Klub aus der unteren Tabellenhälfte verloren zu haben. Auch wenn es gegen Bielefeld nur zu zwei Remis reichte. In der Tabelle haben sich die Hessen nun einen Vorsprung von vier Punkten auf den Relegationsrang erarbeitet. Das ist nicht die Welt. Aber auch kein Grund, um in Panik zu verfallen. Selbst, wenn am Samstag die TSG Hoffenheim nach Frankfurt kommt und die Eintracht demnach vor einem "sauschweren Spiel" (Markus Steinhöfer) steht.
Diskutieren Sie das Spiel im Eintracht-Blog.
Hinterher war Friedhelm Funkel mal wieder in seinem Element. "Man kann es der Mannschaft nicht hoch genug anrechnen, wie sie sich immer wieder aus der Affäre zieht", sagte der Eintracht-Trainer. Er ist eigentlich kein Meister im Wehklagen, doch die Verletztenmisere wird selbst ihm langsam unheimlich. "Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben. Bei uns fallen zwölf Spieler aus, die jederzeit in der ersten Elf stehen könnten." Funkel, einmal in Fahrt, legte nach: "Bei uns fehlt der ganze erste Sturm, das ist so, als würden bei den Bayern Klose, Toni und Podolski fehlen." Zumal Neuerwerbung Leonard Kweuke auch gestern wieder eine bedenkliche Vorstellung ablieferte. Der Kameruner wird, sofern er sich nicht noch erheblich steigert, wohl in der Bundesliga keine große Nummer werden. Im Gegenteil. Exemplarisch die Szene aus der 23. Minute, als er eine Großchance stümperhaft vergab. Vermutlich wäre das der Sieg gewesen.
Die Eintracht stellte sich in Ostwestfalen gegen die harmlosen Arminen, die freilich auch ihren besten Torschützen und damit ihre Lebensversicherung Artur Wichniarek mit einer Wadenverletzung ersetzten mussten, ganz geschickt an, sie war die "reifere Mannschaft und spieltechnisch überlegen", wie nicht nur Bruchhagen anmerkte. Dabei war ihr Spiel im Grunde auf Schadensbegrenzung angelegt, die Hessen wollten dieses Kampfspiel auf gar keinen Fall verlieren. Das war das oberste Gebot. Und entsprechend gut gestaffelt trat die Eintracht auf, sie ließ während der gesamten 90 Minuten nicht eine richtige Bielefelder Chance zu, lediglich Daniel Halfar prüfte Oka Nikolov mit einem Schuss aus 19 Metern, den der Schlussmann mit einer Hand parierte (16.). Nikolov stand auch deshalb im Kasten, weil sich Markus Pröll mit einer Magen-Darm-Grippe am Samstag abgemeldet hatte. Vermutlich wäre es aber auch ohne Prölls Krankheit zum Torwarttausch gekommen (siehe Bericht auf dieser Seite).
Irgendwann im Laufe der ersten Halbzeit wurde auch Funkel gewahr, dass mehr drin ist, als das Minimalziel zu erreichen. Deshalb wechselte er in der Halbzeit auch den Dribbelkünstler Ümit Korkmaz ein und den Abräumer Junichi Inamoto aus. "Ich wollte offensiver spielen", begründete Funkel. Die Arminen bekamen zwar irgendwann Mitte der zweiten Hälfte etwas Oberwasser, doch die Eintracht hatte die klareren, zwingenderen Aktionen. Nach einem guten Pass von Nachwuchskraft Jung scheiterte der verbesserte Alexander Meier an Torwart Dennis Eilhoff (81.). Womöglich wäre mit einer weiteren Offensivkraft noch mehr drin gewesen, doch Funkel hatte schlichtweg keine Alternative mehr. Der Brasilianer Caio hatte in der Nacht zum Sonntag hohes Fieber und lag auch vor dem Spiel noch im Bett. Er saß, wenn man so will, nur pro forma auf der Bank.
Und deshalb wurde auch Sebastian Jung noch auf die Schnelle nachnominiert, er reiste mit dem Zug nach. Der schnelle Jungprofi machte Spaß auf rechts. Natürlich war er aufgeregt, "doch ich habe die Nervosität in positive Energie umgemünzt.". Auch Bruchhagen war angetan: "Wir wissen, was er kann. Er ist schnell und mutig, er wird eine gute Entwicklung nehmen." Und gute Spieler hat die Eintracht ja nicht im Übermaß.
Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik
Reden Sie mit! Im Blog-G.
Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker
Sehen Sie die FR-Videokolumnen.
|
|
58% | Genau richtig. Der Schiri wird genau hinschauen. |
|
|
23% | Veh ja Recht. Aber er motiviert die Fortuna. |
|
|
9% | Veh übertreibt maßlos. |
|
|
7% | Beide Seiten sollten sich beruhigen. |
|
|
3% | Mir ist das egal. |
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.