Am Dienstag, einen Tag vor dem Pokal-Achtelfinale gegen den FC Bayern München, hat der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen noch einmal klargestellt, dass er auch künftig an seiner Gewohnheit festhalten wolle, nach Spielschluss den gespannt wartenden Journalisten seine ganz persönliche Einschätzung der gerade absolvierten 90 Minuten zu Gehör zu bringen. "Das mache ich seit sechs Jahren, und das werde ich die nächsten sechs Jahre auch so machen."
Zuletzt gab es ja ein paar Irritationen bei Eintracht Frankfurt. Das kam so: Cheftrainer Michael Skibbe hatte erst in einem Zeitungs-Interview und dann noch einmal in der Pressekonferenz am Dienstag diese Praxis des Vorstandsvorsitzenden sanft gerügt: "Solche Aussagen haben auch Folgen, sie werden interpretiert, und dann könnte der Eindruck entstehen, die Mannschaft sei nicht gut trainiert." Dies sei aber nicht der Fall. "Wir können immer 90 Minuten durchhalten", sagte Skibbe und gab Bruchhagen den gut gemeinten Rat, sich künftig mit öffentlicher Kritik zurückzuhalten.
Frankfurt: Nikolov - Ochs, Russ, Franz, Spycher - Teber, Chris, Schwegler, Caio (Köhler) - Liberopoulos, Meier.
München: Butt - Lahm, Demichels, van Buyten, Pranjic - Altintop, van Bommel, Schweinsteiger, Müller - Robben, Klose.
Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne).
Es fehlen bei Frankfurt: Amanatidis (Oberschenkelzerrung), Vasoski (Rippenbruch), Pröll (Schulter-OP).
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Bruchhagen hatte nach dem Bayern-Spiel gesagt, mit zunehmender Spieldauer habe er den Eindruck gewonnen, dass "wir im zentralen Mittelfeld bewegungsmüder und schwerfälliger" gewesen seien. Skibbe ist diese Wertung sauer aufgestoßen, er hatte das nicht so gesehen, stattdessen gesagt, dass die Mannschaft wegen "vieler Passfehler" immer wieder Ball und Gegner hinterherlaufen müsse. Das möge nach läuferischem Defizit ausgesehen haben, sei aber nicht der Fall gewesen, meinte Skibbe, der Bruchhagen zudem vorwarf, sich nach dem Spiel beim SC Freiburg ähnlich kritisch geäußert zu haben. "Das ist nicht immer im Sinne der Mannschaft."
In der Frankfurter Neuen Presse wärmte der Coach zudem noch einmal die geplatzte Verpflichtung des Brasilianers Lincoln auf. Gefragt, ob am Samstag in München nicht weitere Auswechselung angebracht gewesen wären, sagte der 44-Jährige: "Es wäre einfacher gewesen, wenn wir Lincoln verpflichtet hätten." Der Wechsel kam im Sommer bekanntlich nicht zustande.
Bruchhagen indes reagierte am Dienstag auf das Scharmützel unaufgeregt. "Das ist ein ganz normaler Vorgang." Er sehe auch inhaltlich keinen Widerspruch zwischen seiner Spielanalyse und der des Trainers. "Es gibt keine Dissonanzen zwischen mir und dem Trainer wegen unterschiedlicher Spielanalysen", sagte der Vorstandsvorsitzende. Manche Dinge bewerte er eben anders, das sei sein gutes Recht.
Vor der "großen Herausforderung" gegen die Bayern am Mittwoch (20.30 Uhr/live ARD und Sky) schließt Skibbe bei Eintracht Frankfurt "personelle und taktische Veränderungen" nicht aus. Verraten wolle er sie aber noch nicht. Sicher sei nur, dass wir "uns gegenüber den ersten 60 Minuten vom Samstag steigern müssen", um Paroli bieten zu können. Vor allem müsse die Eintracht, die auf Stürmer Ioannis Amanatidis verzichten muss, ihre hohe Fehlpassquote deutlich minimieren. Insbesondere Selim Teber, von dessen Qualität Skibbe trotz zuletzt schwacher Leistung immer noch überzeugt ist, hat noch eine Menge Luft nach oben. Die Partie am Samstag in München aber habe gezeigt, wie "knapp wir dran waren, einen Punkt zu ergattern".
Schließlich geht es auch um eine erkleckliche Summe TV-Geld. Ziehen die Frankfurter ins Viertelfinale ein, haben sie 1037500 Euro sicher. Elfmeterschießen übrigens hat Skibbe nicht eigens üben lassen.
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