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Bundesliga: Allofs macht der Eintracht Mut

Der Bremer Sportdirektor sieht in Frankfurt ausreichend Wirtschaftskraft, Stadioninfrastruktur und Begeisterungsfähigkeit für bessere Zeiten. Von Jan Christian Müller

Nach der schweren Niederlage in Bremen hat der Frankfurter Vorstand gewohnte Argumente benutzt: Werder Bremen sei "auf allen Positionen individuell besser besetzt", die Bundesliga sei "eine Zwei-Klassen-Gesellschaft", also könne man, so Heribert Bruchhagen, ein solches Spiel allenfalls mit "mannschaftlicher Geschlossenheit ausgeglichen gestalten". Natürlich hat Bruchhagen einerseits Recht, denn ihm fehlen im Vergleich zu Werder seit fünf Jahren je 20 Millionen Euro, die die Bremer seit der Saison 2004/05 regelmäßig aus der Champions League erlösen.

Aber dass Werder Bremen damit der Eintracht auf ewig uneinholbar enteilt wäre, wie Trainer Friedhelm Funkel bereits vor dem Spiel nüchtern anmerkte, stimmt so nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man dem international als Fachmann akzeptierten Bremer Sportchef glaubt. Als Klaus Allofs 1999 die Verantwortung für die strategische Planung übernahm, befand sich Werder auf (niedriger) Augenhöhe mit der Eintracht. Beide Klubs waren nur um Haaresbreite dem Abstieg entronnen. Die Voraussetzungen in Bremen waren aufgrund des mauen wirtschaftlichen Umfelds sogar eher schlechter. Aber für den ehemaligen internationalen Klassestürmer Allofs stand fest, dass er hohe Ziele anstreben würde. Derweil trieben in Frankfurt Ahnungslose die Eintracht an den Rand des Ruins und in die zweite Liga.

Phase der Pionierarbeit ist vorbei

Als Bruchhagen dann im Dezember 2003 endlich übernahm, musste er zunächst Pionierarbeit in Bilanzierung und Marketing verrichten, und er musste die illusorischen Erwartungen des Umfelds an die Realität anpassen. Das hat er sehr gut gemacht. Aber diese Phase ist nun vorbei, der Steuerzahler hat der Eintracht ein fast 200 Millionen Euro teures Stadion errichtet, der Klub hat sich dank Bruchhagen und Funkels Grundlagenausdauer konsolidiert. Doch es gibt nun keinen Grund mehr, weshalb die Eintracht der Rhetorik der Verantwortlichen folgen und auf ewige Zeiten in der vermeintlichen Zwei-Klassen-Gesellschaft zur Unterschicht gehören muss. "Wenn Energie Cottbus so denken würde, könnte ich das nachvollziehen", sagt Allofs, "aber von außen betrachtet, sind in Frankfurt andere Voraussetzungen da: Wirtschaftskraft, ein tolles Stadion und die Begeisterungsfähigkeit der Fans."

Die laufende Saison zeige zudem, dass von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft nicht die Rede sein könne: "Ich sehe kein Riesengefälle. Es gibt mindestens zehn Mannschaften, die da oben mithalten können."

Allofs will nicht als Besserwisser erscheinen, er antwortet lediglich auf drängende Fragen, wenn er sagt: "Ich will die Latte für die Verantwortlichen in Frankfurt nicht zu hoch hängen. Aber wir haben vor acht Jahren nur elf Millionen Euro für alle Spielergehälter gezahlt und befinden uns inzwischen auf einem ganz anderen Level." Nämlich bei gut 40 Millionen Euro gegenüber rund 25 Millionen, die die Eintracht im Jahr an ihre Profis überweist.

Nach Ansicht von Allofs gibt es auch das Umfeld in Frankfurt her, Spitzenfußball zu bieten: "Manchmal sind es zwei, drei Personalentscheidungen, die den Aufbruch signalisieren." Er erinnert sich an den damals nur scheinbar unerschwinglichen Julio Cesar, den seinerzeit nahezu unbekannten Claudio Pizarro, an Ailtons Aufblühen unter Thomas Schaaf nach dem Abgang von Felix Magath, an Fabian Ernst, Mladen Krstajic, vor allem aber an Johan Micoud, dann Miroslav Klose und zuletzt Diego. Und ähnlich wie Eintracht Frankfurt mit Caio hat auch Allofs mit Caios Landsmann Carlos Alberto bereits einmal meilenweit daneben gelegen und Millionenkapital wohl auf Nimmerwiedersehen versenkt. "Aber davon", rät er, "darf man sich nicht einschüchtern lassen."

Autor:  JAN CHRISTIAN MÜLLER
Datum:  1 | 12 | 2008
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