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Einschränkungen für alle: Eintracht geht gegen Fans vor

Der Bundesligist zieht Konsequenzen aus den Vorfällen in Karlsruhe: Die Eintracht verkauft mit sofortiger Wirkung Tickets für Auswärtsspiele nur noch personalisiert. Von Thomas Kilchenstein

Karlsruher Wildparkstadion: Frankfurter Fans brennen beim Spiel der Eintracht gegen den Karlsruher SC Feuerwerkskörper ab. (Archivbild vom 21.02.2009)
Karlsruher Wildparkstadion: Frankfurter Fans brennen beim Spiel der Eintracht gegen den Karlsruher SC Feuerwerkskörper ab. (Archivbild vom 21.02.2009)
Foto: dpa

Eintracht Frankfurt wird mit sofortiger Wirkung Tickets für Auswärtsspiele nur noch personalisiert verkaufen. Das bedeutet, dass Fans, die die Bundesligamannschaft auch in die Fremde begleiten wollen, sich beim Kauf der Eintrittskarte, erstmals für die Partie bei Arminia Bielefeld, mit Namen und Adresse registrieren lassen müssen. Dies ist ein Ergebnis einer Vorstandssitzung des Klubs am Dienstag, der die "inakzeptablen" Vorfälle am Samstag im Karlsruher Wildpark-Stadion aufarbeitete. Dort hatten gewaltbereite "Fans" kurz vor der zweiten Halbzeit Feuerwerkskörper und Leuchtraketen aufs Spielfeld geschossen. Die Partie stand kurz vor dem Abbruch.

Einschränkungen für alle

"Wir akzeptieren das nicht", sagte Klaus Lötzbeier am Dienstag der FR, für Fanangelegenheiten zuständiges Vorstandsmitglied. Darüber hinaus beschloss der Vorstand auf seiner knapp vierstündigen Sitzung, dass Eintracht Frankfurt "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" versuchen werde, "gewaltbereite Zuschauer auszugrenzen". An der Sitzung nahmen neben dem Vorstand auch die beiden Fan-Beauftragten Rudi Köhler und Mark Francis sowie Silvia Bonn (Sicherheitsdienste) und Philipp Reschke (Rechtsabteilung) teil.

"Wir appellieren an die vernünftigen Fans, uns in dieser Hinsicht zu helfen", sagte Lötzbeier, der an die Selbstreinigungskräfte der Gruppe glaubt. "Wenn in einer Gruppe von 350, 400 Fans, 15,20 Krawallmacher sind, dann erwarten wir, dass die Gruppe das regelt." Andernfalls kann sich Lötzbeier vorstellen, "bestimmte Vergünstigungen" wegfallen zu lassen. Jeder müsse bereit sein, "zukünftig mitunter Einschränkungen hinzunehmen, um gewaltbereite Personen von denjenigen friedlichen Anhängern zu trennen, die regelmäßig ausgenutzt werden, weil sich die Gewalttäter hinter ihnen verstecken". Zudem verbietet die Eintracht "bis auf weiteres" die Mitnahme "von Fanutensilien" wie Banner, Zaunfahnen, Doppelhalter, Großfahnen oder Megaphone bei Auswärtsspielen. Die Zaunfahnen dienten in Karlsruhe als Sichtschutz. Dahinter wurden die Raketen gezündet.

"Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Lötzbeier, dazu seien die Vorfälle "zu schlimm" gewesen. Eintracht Frankfurt wird sich daher auch beim Karlsruher SC in aller Form entschuldigen. "Durch unsere Fans sind andere in Mitleidenschaft gezogen worden, dafür haben wir kein Verständnis."

Nach Angaben der Polizei sind "einige Störer bereits identifiziert". Der hessische Bundesligist erklärte, ein Täter sei ermittelt worden, der Pyrotechnik abgebrannt hatte. Ihn will der Frankfurter Klub regresspflichtig machen. Den Randalieren droht neben der Anzeige wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz auch ein bundesweit geltendes Stadionverbot. Der DFB untersucht derzeit noch die Vorfälle in Karlsruhe.

Die Eintracht rechnet jedenfalls mit einer empfindlichen Strafe, von bis zu 60 000 Euro ist die Rede. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen hatte schon in verschiedenen Zeitungen von "Saboteuren des Fußballs" gesprochen. "Wer so agiert und Leuchtraketen gegen andere Menschen schießt, der will dem Fußball schaden", sagte Bruchhagen nach der Sitzung der Frankfurter Rundschau. Er werde so etwas nie verstehen, denn "ich liebe den Fußball."

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  24 | 2 | 2009
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