Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler: Bruchhagen in Rage
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen. Foto: imago sportfotodienst
Heribert Bruchhagen echauffiert sich über die Vorfälle in Düsseldorf. Der Eintracht-Boss wirft Fortuna Düsseldorf "Methode" vor und attackiert Sascha Rösler. "Das gehört sich nicht im Fußball. Solche Spieler wollen wir nicht."
Düsseldorf –
Bruno Hübner schnaubte wie ein wütender Stier. „Das ist eine Katastrophe, es war so ein lächerlicher Elfmeter“, schimpfte der Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten Eintracht Frankfurt mit lauter Stimme.
Für gewöhnlich gehört Hübner nicht zu den Typen, die schnell in Rage geraten. Nach dem umstrittenen Strafstoß, der Fortuna Düsseldorf in der hektischen Nachspielzeit des Spitzenduells den Treffer zum 1:1 (0:0)-Endstand ermöglichte, tobte der 50-Jährige aber durch die Katakomben der Düsseldorfer Arena.
Bruchhagen außer sich
Die Fortuna verteidigte durch das Remis die Tabellenführung. Frankfurt verfehlte trotz des starken Auftritts den Sprung an die Spitze.
Die Auswirkungen auf die Tabelle beschäftigte am Montag Abend auch Heribert Bruchhagen. "Ein Sieg hätte uns geholfen, hätte uns an die Tabellenspitze gebracht", sagte der Eintracht-Boss.
Als Gast der Sendung Heimspiel im HR-Fernsehen redete Bruchhagen sich in Rage - über die turbulente Schlussphase, Fortuna-Stürmer Sascha Rösler und die Aufregung an der Düsseldorfer Bank.
"Das ist eine Entscheidung, die uns ganz, ganz hart und schwer trifft."
Bruchhagen übt Kritik an eigener Mannschaft:
"Anstatt dass Oka Nikolov den Ball hinlegt und den Ball wieder ins Spiel bringt, gucken wir wie Schäfchen, was macht der Schiedsrichter, die Fortunen bestürmen den Linienrichter - und am Ende kommt genau das raus, was Veh immer wieder moniert hat. Genau so ist es gekommen.
Es ist mehr als ärgerlich, was wir hier erleben müssen."
Bruchhagen über Aufregung auf der Fortuna-Bank (I):
"Diese Entscheidung hat wieder eindrucksvoll das bestätigt, dass Armin Veh schon angedeutet hat. Das hat Methode."
Bruchhagen über Aufregung auf der Fortuna-Bank (II):
"Ich hab hinter der Trainerbank gesessen: Der Meier ist permanent auf den Linienrichter drauf, permanent ist dort Elfmeter gefordert worden. Auch in anderen Situationen. Am Ende hat diese Methode auch Erfolg. Da kann man den Fortunen nur gratulieren. Wenn es so weiter geht, werden sie in der Tat auf 21 Elfmeter kommen. ...Dieses permanente..., das hält ja keiner aus. Der Schiedsrichter ist doch auch nur ein Mensch."
Bruchhagen über die Schiedsrichter (I):
"Ich will den Linienrichter gar nicht kritisieren. Es ist wirklich Methode und ich beklage das."
Bruchhagen über die Schiedsrichter (II):
"Ich hatte mir erhofft, dass ein Schiedsrichter wie Brych stark genug ist dem zu wiederstehen....Scheinbar nicht."
Bruchhagen über Sascha Rösler
"Das ist kein Führungsspieler, das gehört sich nicht im Fußball. Solche Spieler wollen wir nicht!"
"Es ist einfach unwürdig. Bei jeder Entscheidung wird auf den Linienrichter Druck gemacht", beklagte Bruchhagen und ärgerte sich über die Folgen: "Wir sind um die Früchte unserer Arbeit gebracht worden".
Elfmeter und Provokationen - Eintracht gegen Fortuna
Fortuna Düsseldorf konnte indes mit dem Remis gut leben. „Den Elfmeter kann man geben, der Schiedsrichter-Assistent hatte die beste Sicht. Hut ab vor seiner Entscheidung“, sagte Fortuna-Trainer Norbert Meier.
Gut dabei Bamba Anderson: Ebenfalls sehr stark in der Innenverteidigung. Aufmerksam, kompromisslos. Ließ wenig anbrennen. Vor allem im zweiten Abschnitt ein Bollwerk. Hatte am Ende Pech, dass sein Duell gegen Furuholm als Foul gewertet wurde. Hatte den Ball gespielt.
Foto: dapd
Gut dabei Oka Nikolov: Musste im ersten Abschnitt zweimal zupacken, erst gegen Rösler (35.), dann im Nachschuss gegen Beister. Bestand die Prüfung. Seine Schläge hinten raus könnten genauer kommen. Seine große Zeit kam in der zweiten Halbzeit. Hielt prima beim Fernschuss von Matuschyk (65.), klasse aus kurzer Entfernung gegen Beister (67.).
Foto: dapd
Gut dabei Gordon Schildenfeld: Sehr stabile Partie. Stand immer richtig, war der Ruhepol. Bekam jeden Kopfball, souverän. Im zweiten Abschnitt mehr unter Druck.
Foto: dapd
Ganz okay Sebastian Rode: Klaute viele Bälle im Mittelfeld. Gewohnt bissig. Nur seine Pässe hatten eine zu große Streuung. Rettete in der 78. per Kopf auf der Linie.
Foto: dapd
Ganz okay Benjamin Köhler: Siehe Lehmann. Gute Aktionen wechselten im Minutentakt mit weniger guten. Brauchte lange, um ins Spiel zu kommen. Stand dann in der 69. Minute goldrichtig, um den Pass seines Spezis Meier kühl zu verwandeln.
Foto: dapd
Ganz okay Sebastian Jung: Hatte auf seiner rechten Seite defensiv viel zu tun. Dum und Fink machten viel Wind. Erledigte das ordentlich, sehr aufmerksam. Auch sein Spiel nach vorne war gut, ordentliche Flanken. Sein Aufwärtstrend hält an. Obwohl er manche Wackler nicht verhindern konnte.
Foto: dapd
So lala Heiko Butscher: Unauffällig, unspektakulär. Konzentrierte sich ganz auf seine defensiven Aufgaben, kaum Impulse nach vorne, so wie im letzten Heimspiel gegen Braunschweig.
Foto: (S. Krieger, Archivbild)
So lala Karim Matmour: Begann stark, lange Soli. Wirkte wie aufgedreht. Ließ immer mehr nach, streute überflüssigen Schnickschnack in sein Spiel ein, damit nahm er sich selbst seinen Schwung. Vergab die größte Chance zur Führung (48.), der Ball musste drin sein.
Foto: dapd
So lala Matthias Lehmann: Licht und Schatten. Verstolperte manche Bälle, stand mal falsch, dann wieder mit schnellem Passspiel. Sehr feine Flanke auf Meier. Insgesamt sehr bemüht.
Foto: imago sportfotodienst
Schwächelnd Erwin Hoffer: Ihm gelang wenig. Hatte eine gute Szene ganz zu Anfang, als er mal beherzt am Flügel marschierte. Das war zu wenig. Verlor viel zu viele Bälle, lief oft falsch. Hatte es weitgehend als Einzelkämpfer ganz vorne auch schwer. Produzierte einmal eine ziemliche peinliche Schwalbe.
Gut dabei Alexander Meier: Überragender Mann. Anfangs hatte man den Eindruck, er wolle das Spiel ganz allein in den ersten zehn Minuten entscheiden. Wirkte fast übermotiviert, oft am Ball, aber nicht ruhig am Ball. Hätte einmal quer auf Matmour legen müssen (6.), verpasste dann eine prima Flanke von Lehmann (33.). Leistete sich viele Fouls. Lief wahrscheinlich am meisten. Über ihn lief das komplette Spiel. Sensationell seine Vorarbeit zum 1:0.
Der am Ende glückliche Punktgewinn belässt die Fortuna zwar vorerst auf Aufstiegskurs. An der Tabellenspitze geht es immer enger zu, die Verfolger von Düsseldorf (44 Punkte) sind in der SpVgg Greuther Fürth (43), Frankfurt (43), St. Pauli (42) und Paderborn (42) auf Tuchfühlung. Meier stört das nicht: „Die Tabellenführung ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Bedeutung.“ (zys/ mit dpa)
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