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Eintracht Frankfurt: Das böse K-Wort macht die Runde

Nur Trainer Friedhelm Funkel sieht keine Krise.

Unfassbar: Fehlschütze Caio (re.) schleicht vom Platz. Eigentlich hätte Liberopoulos (vorne) den Elfer schießen sollen. Doch der wurde behandelt.
Unfassbar: Fehlschütze Caio (re.) schleicht vom Platz. Eigentlich hätte Liberopoulos (vorne) den Elfer schießen sollen. Doch der wurde behandelt.
Foto: ddp

Tapfer und voller Inbrunst stemmte sich Friedhelm Funkel in der dritten Halbzeit gegen die Flut. Der Trainer von Eintracht Frankfurt gab alles. Nein, beharrte er, "wir haben keine Krise". Er habe in der Vergangenheit schon viel kniffligere Situationen gemeistert als diese. Hätte sich die Mannschaft ihrem Schicksal ergeben, dann, ja dann könne man von einer Krise sprechen. "Aber sie hat doch Engagement gezeigt."

Der Trainer der ins Trudeln geratenen Frankfurter Eintracht hat Recht. Das Bemühen war den Eintracht-Spielern bei der 1:2-Pokalniederlage gegen Rostock nicht abzusprechen. Aber ist schieres Engagement im Spiel gegen einen biederen Zweitligisten nicht eine Minimalleistung? Nein, mit Rhetorik allein kommt Funkel aus dieser Nummer nicht raus: Eintracht Frankfurt steckt in einer Krise. Klubchef Heribert Bruchhagen spricht von einer "prekären Situation" (siehe Interview auf dieser Seite). Die Eintracht droht abzurutschen.

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Diese Krise ist nicht über Nacht aufgezogen. Es gab Anzeichen, schon in der vergangenen Spielzeit: Saisonübergreifend landete die Eintracht in den vergangenen zwölf Bundesligaspielen einen einzigen Sieg, am letzten Spieltag 07/08 gegen den Absteiger MSV Duisburg (4:2). Auch in dieser Runde konnte die Eintracht bislang nicht überzeugen, weder beim 3:0-Pokalsieg gegen den Regionalligsten Pfullendorf, noch in den vier darauffolgenden Bundesligaspielen - Ausnahme Wolfsburg. Es stimmt, dass die Frankfurter "dem verlorenen Heimspiel gegen Berlin hinterherlaufen", wie Funkel sagte. Doch das zentrale Problem der Hessen ist, dass sie kaum Torchancen kreieren. In den vier Bundesligapartien war es vielleicht ein halbes Dutzend. Deshalb ist es auch entlarvend, dass Funkel gestern lobend erwähnte, dass "wir uns so viele Möglichkeiten erspielt haben". Wann denn sonst, wenn nicht gegen einen Zweitligisten im eigenen Stadion?

Keine Impulse, keine Ideen

DFB-Pokal: Eintracht Frankfurt - Hansa Rostock (1:2)

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Funkel hat Recht, wenn er den Eigensinn mancher Spieler (Fenin, Caio) kritisiert. Natürlich hätte die Eintracht diese Pokal-Partie nie und nimmer verlieren dürfen, hätte nur "die Geschenke" (Funkel) - etwa beim Elfmeter in der 90. Minute durch Caio - annehmen müssen. Weil sie das aber nicht tat, steckt sie jetzt in der selbst verursachten Klemme.

Entscheidend für die momentane Malaise ist, dass zu viele vermeintliche Leistungsträger außer Form sind (Spycher, Fink, Chris, Galindo), Spielpraxis brauchen (Köhler, Meier) oder noch lange ausfallen (Amanatidis, Korkmaz). Dazu ist die Innenverteidigung nicht sonderlich sattelfest, leistet sich Torwart Oka Nikolov - nach sechs guten Spiel hintereinander - seinen obligatorischen Patzer. Das alles ist bekannt. Bekannt ist auch, dass keiner da ist, der im Mittelfeld für Impulse, Tempo oder Ideen sorgen könnte. Das Spiel plätschert mit viel Quergeschiebe oft vor sich hin. Deswegen muss Funkel den unsteten Brasilianer Caio spielen lassen. Der scheint im Augenblick der Einzige zu sein, der mit einer überraschenden Finte das schematische Spiel aufbrechen und dem Spiel so eine Wende geben kann.

Zu reden ist auch über die Einkaufspolitik der Eintracht: War es sinnvoll, zwei Langzeitverletzte zu holen (Krük, Bajramovic)? Dass sich Korkmaz den Fuß brach, war Pech, bei Bellaid ist Potenzial zu erkennen, aber er braucht noch Zeit zum Reifen. Steinhöfer hingegen wird es schwer haben, Bundesliganiveau zu erreichen. Einziger Treffer ist bislang Liberopoulos, und den hätte die Eintracht ohne den Ausfall von Korkmaz gar nicht verpflichtet.

Fakt ist: Nach dem schlechten Start in die Liga droht jetzt der Absturz. Bruchhagen verweist gern auf "die Spirale des Misserfolgs". Gegen Arminia Bielefeld am Sonntag steht die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand. Eine neuerliche Niederlage und die Eintracht steckt erst einmal im Tabellenkeller fest, Abstiegsangst würde um sich greifen. Nürnberg ist ein mahnendes Beispiel.

Funkel weiß das alles, er weiß auch um die Schwächen seiner Mannschaft. Deshalb versucht er, sie stark zu reden. In Schalke lobte er die Spieler fast überschwänglich dafür, eine Niederlage in Grenzen gehalten zu haben, gestern dafür, dass "sie geackert und Gas gegeben" habe. Doch statt mit einem Sieg das angeknackste Selbstvertrauen wiederherzustellen, gab es einen neuen Rückschlag. "Wir wollten den Schwung mit in die Bundesliga nehmen", sagte hinterher Christoph Spycher und gab einen kleinen Einblick in die Seele der Frankfurter Kicker: "Dass wir nach diesem Start keinen Zauberfußball spielen würden, war klar."

Viele Möglichkeiten, etwas zu ändern, hat Friedhelm Funkel bis zum Sonntag nicht. Für ihn ist die Partie gegen Bielefeld auch kein Schlüsselspiel, "nur ein wichtiges. Wenn wir da gewinnen, gehen wir gestärkt aus der Woche", sagte er. Und fügte leise an: "Aber siegen müssen wir."

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  25 | 9 | 2008
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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