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Eintracht Frankfurt in Berlin: Der lange Arm des Spielertrainers

Der hessische Bundesligist kriegt auch dank seines Kapitäns Christoph Spycher die Kurve und schießt Ex-Trainer Friedhelm Funkel mit seiner Hertha fast schon in die zweiten Liga. Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Du warst es.  − Schon, aber du hast den supersensationellen Pass gespielt. Ochs (re.) freut sich über die Vorlage von  Liberopoulos (Mitte).
"Du warst es." − "Schon, aber du hast den supersensationellen Pass gespielt." Ochs (re.) freut sich über die Vorlage von Liberopoulos (Mitte).
Foto: dpa

Zu Beginn der vergangenen Woche spürte Christoph Spycher, dass er als Anführer und Leitfigur gefordert ist. Der Charakterkopf der Frankfurter Eintracht trommelte das komplette Team zusammen und lud es zu einem geselligen Mannschaftsabend ins Restaurant ein. "Wir haben Champions League geschaut und ein bisschen was gegessen", erzählt der Kapitän. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit.

Die ganze Wahrheit ist, dass der kluge 30-Jährige das große Ganze in Gefahr sah, dass er gemerkt hat, dass das fragile Gebilde erste feine Risse bekommen hat, dass da im Mannschaftsgefüge etwas am Bröckeln war. Offenbar war es mit dem Gemeinschaftsgefühl nicht mehr weit her, da stand einiges auf der Kippe. Schon nach der Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach mahnte er an, dass das Team "enger zusammenrücken" müsse. Am Montag darauf ging er an die Öffentlichkeit, gab der FR ein Interview und legte abends im HR-Fernsehen nach. Es war für ihn an der Zeit, gegenzulenken, die heikle Situation nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Schließlich war der Zusammenhalt in den vergangenen Jahren stets ein Trumpf, mit dem die Eintracht wuchern konnte, selbst dann, wenn es sportlich miserabel lief.

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"Es gab einige Dinge zu besprechen", sagte Spycher zu dem von ihm initiierten Abend. "Wir haben uns auf die letzten vier Spiele eingestimmt." Man könnte auch sagen: Der Spielertrainer hat seine Mitstreiter eingeschworen. "Wir wussten, wie enorm wichtig das Spiel in Berlin ist", sagte Spycher. Zuvor hatte die Eintracht fünf der sieben letzten Spiele verloren. Es galt, den Abwärtstrend zu stoppen und die Wende zum Guten zu schaffen.

Team bildet einen Kreis

Hertha - Eintracht 1:3

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Als weithin sichtbares Signal bildete die Mannschaft vor dem Anpfiff einen Kreis, das ist normalerweise nicht üblich. Nur in besonders prekären Situationen hatte Spycher das Team schon früher einmal zu diesem Schulterschluss animiert.

Nach dem überlegt herausgespielten 3:1 (1:0)-Erfolg in der Hauptstadt sagte der beste Frankfurter Spieler, Patrick Ochs, dann: "Die Mannschaft hat seit langem mal wieder Charakter bewiesen, es hat einer für den anderen gespielt." Eine Aussage, die nur wenig Raum für Interpretationen lässt. Vielleicht war der Sieg in Berlin auch ein kleiner Sieg von Christoph Spycher und dessen rechtzeitige Intervention.

Die andere Hälfte des Erfolges kann sich Trainer Michael Skibbe ans Revers heften. Der 44-Jährige überraschte die Berliner mit dem mehr als gelungenen Schachzug, Patrick Ochs ins rechte offensive Mittelfeld zu stellen. Diese taktische Maßnahme war spielentscheidend. Ochs, so viel vorneweg, machte das Spiel seines Lebens. Der Herthaner Linksverteidiger Nemanja Pejcinovic konnte einem fast schon leidtun, dem Vernehmen nach ist er noch heute um Orientierung bemüht.

Ochs machte das 1:0 (11.) sehr abgeklärt selbst, es war erst sein zweiter Treffer in 126 Bundesligaspielen, der erste liegt mehr als drei Jahre zurück, es war am 17. September 2006 beim 3:1 gegen Leverkusen. Auch an den beiden anderen Treffern durch Maik Franz (70.) und Alexander Meier (75.) war er direkt beteiligt. "Er hatte tolle Flankenläufe, er hat sehr gut gespielt", lobte Skibbe den Tempobolzer.

Bei der Eintracht war von Verunsicherung oder Versagensangst keine Spur, stattdessen spielte sie clever, selbstbewusst und ungemein ballsicher. Die Frankfurter nutzten die Berliner Angstzustände schonungslos aus. "Wir haben sie nicht mehr aus ihrer Nervosität entlassen", stellte Heribert Bruchhagen zufrieden fest. Der erlöste Eintracht-Chef freute sich über "drei Big Points", die die Eintracht, das darf nicht unerwähnt bleiben, gegen absolut desolate Berliner einfuhr.

Die Hessen können jetzt beruhigt der Winterpause entgegenstreben, sie haben die Kurve gekriegt. Mit 19 Punkten liegen sie im Soll, sie sind zurück in der Spur. "Die drei gegen Mönchengladbach verlorenen Punkte haben wir uns zurückgeholt", sagte Skibbe. Die Eintracht hat sich ein fettes Polster zugelegt, liegt sieben Punkte vor einem Relegationsplatz. Der Trainer will sich nun im Mittelfeld festbeißen. Am Samstag (18.30 Uhr) kommt es in Frankfurt zum brisanten Derby gegen Mainz 05. "Da wollen wir nachlegen", sagt Skibbe.

Besondere Maßnahmen werden vorher eher nicht ergriffen.

Autor:  Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein
Datum:  29 | 11 | 2009
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