Kaum war die Hinrunde mit dem besten Ergebnis seit 1993 beendet, da konnte das Frankfurter Trainergespann Michael Skibbe/Edwin Boekamp die Stadt gar nicht schnell genug verlassen. Im Sauseschritt ging es hinaus in die eiskalte Nacht, rein ins Auto und ab auf die Autobahn. Nur weg aus Frankfurt.
Die Grund für die Eile war ein sehr plausibler: Beide Trainer, die ihre Wurzeln bei Borussia Dortmund haben, wollten zur Gala anlässlich des 100. Geburtstags des westfälischen Klubs. Um 19.09 Uhr begann die Feier in der Dortmunder Westfalenhalle, ein wenig kamen sie zu spät, denn in Frankfurt wollten noch letzte Fragen beantwortet werden. Etwa die, ob Eintracht Frankfurt nicht doch noch die Augen nach einem Stürmer aufhalten solle. "Wir gehen Spuren nach", sagte der Klubchef Heribert Bruchhagen nach dem zufriedenstellenden Remis gegen den VfL Wolfsburg. Skibbe, der seine Mannschaft am 2. Januar um elf Uhr wieder begrüßen wird, indes klang weit weniger optimistisch: "Die Spuren sind nicht sehr heiß. Eine heiße Spur führte zu Gekas, aber die versandete am Ende." Das ist bekannt.
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Und doch fährt der Fußball-Lehrer nicht in den Weihnachtsurlaub, sondern geht "arbeiten", wie er sagte, gucken, sondieren, buhlen, ansprechen. Große Erwartungen in einen Transfer, der die Eintracht spürbar verstärken würde, hat er aber nicht mehr. "Der Markt ist mau."
Unverwüstlicher Franz
Das ist im Grunde so lange nicht tragisch, so lange Eintracht Frankfurt "einen Verteidiger hat, der Spezialist im Toreschießen ist". Skibbe meinte den unverwüstlichen Maik Franz, der tatsächlich beim 2:2 (1:1) gegen den deutschen Meister VfL Wolfsburg bereits seinen fünften Treffer erzielte. Nach 26 Minuten reckte er seinen Schädel in eine Freistoßflanke von Benjamin Köhler. Patsch, 1:0. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt mehr als glücklich, denn der VfL hatte zuvor binnen drei Minuten drei hochkarätige Torchancen leichtfertig verschenkt. "Da haben wir mächtig viel Glück gehabt", räumte Skibbe ein. Die Wolfsburger stellten die reifere, spieltechnisch überlegene Mannschaft, die Eintracht konnte sich nicht so in Szene setzen, auch weil das Flügelspiel durch den Ausfall von Ümit Korkmaz "eher lahm war", wie Skibbe monierte. Und auch vorne fehlt die Durchschlagskraft, "in der Spitze sind wir nicht schnell und spielstark genug", befand der Coach.
Und doch: Die Vakanz im Eintracht-Sturm ist so lange nicht tragisch, so lange auf Mittelfeldmann Alexander Meier Verlass ist: Er war es, der in der 79. Minute mit einem platzierten Linksschuss von der Strafraumgrenze die Wolfsburger 2:1-Führung (durch Dezko, 37. und Josue, 69.) egalisierte. Da zeigte er mal wieder seine ganze Klasse, da unterstrich er seinen enormen Wert für die Mannschaft. Meier, der mittlerweile wichtigste Spieler der Mannschaft, hat nun sechs Treffer auf seinem Konto. Damit haben Meier und Franz zusammen die Hälfte aller Frankfurter Tore (22) erzielt, beide auf ungewohnten Positionen - Franz als rechter Verteidiger, Meier als Angreifer.
Meier pokert mit der Eintracht um einen neuen Vertrag. Die ersten Verhandlungsrunden haben kein Ergebnis erbracht, Meier findet das nicht außergewöhnlich. "Meistens erzielt man in den ersten Runden keine Einigung." Zwei, drei Gespräche habe es gegeben, es geht natürlich ums liebe Geld. Meier will seine gestiegene Wertschätzung auch entsprechend honoriert sehen. Eintracht-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen will den Langen halten, er habe mit Meier selbst gesprochen, mit dessen Eltern, mit dessen Berater Jürgen Milewski. Doch es wird dieses Mal gewiss nicht so leicht, den torgefährlichen Mittelfeldmann zu binden. Zumal er mit jedem Tor auch für andere Klubs interessanter wird.
Meier selbst sagt, er habe fünfeinhalb schöne Jahre in Frankfurt gehabt und es spräche momentan "nichts gegen die Eintracht". Aber was spricht für sie? "Alex weiß, wie anerkannt und akzeptiert er in der Mannschaft ist. Er weiß, was er hier hat", findet Trainer Skibbe. Irgendwann nach Weihnachten wird es die nächsten Pokerrunden geben. "Und dann sehen wir mal weiter", sagt Meier.
Auch Christoph Spycher, der Kapitän, möchte im Kern in Frankfurt bleiben. Auch sein Vertrag läuft im Sommer aus, Bruchhagen hat bereits ein erstes Sondierungsgespräch mit Marcel Schmid, dem Berater des Schweizer Nationalspielers, geführt. Im neuen Jahr beginnen die Verhandlungen. Spycher, im fünften Jahr in Frankfurt, hat klar gestellt, dass er gerne bei der Eintracht spielt: "Mein Herz hängt an der Mannschaft und am Verein."
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