kalaydo.de Anzeigen

Eintracht gegen Schalke: Ein Schritt nach vorne auf der Stelle

Nach den Wochen der Wahrheit müssen die Frankfurter erkennen, dass das erste Tabellendrittel noch in ziemlich weiter Ferne liegt. Trotzdem loben Skibbe und Bruchhagen die spielerische Weiterentwicklung. Von T. Kilchenstein und J. Hanau

Der erste Streich: Umringt von staunenden Frankfurtern verlängert  der Schalker Joel Matip den Ball mit seiner Schulter ins Tor.
Der erste Streich: Umringt von staunenden Frankfurtern verlängert der Schalker Joel Matip den Ball mit seiner Schulter ins Tor.
Foto: ddp

Natürlich kam dann, als alle spielfachlichen Fragen erörter waren, noch die Rede auf das Niemandsland der Tabelle, in das sich Eintracht Frankfurt nach der glatten 1:4 (0:2)-Niederlage gegen den FC Schalke 04 hineinmanövriert hat. Der Frankfurter Trainer Michael Skibbe hat auch pflichtschuldigst etwas empört darauf reagiert und pikiert davon gesprochen, dass Niemandsland "einen negativen Beigeschmack" habe: "Wir haben uns da etabliert, wo wir uns selbst einschätzen", sagte Skibbe. Platz acht, neun oder zehn, Mittelfeld, Mittelmaß, Niemandsland eben.

Am Sonntag hat sich der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen vehement dagegen gewehrt, von der Rückkehr auf den Boden der Realitäten reden zu müssen. "Ich bin doch der Letzte, der sich dafür rechtfertigen müsste", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Am Ende werde ich wieder recht behalten, weil ich es besser weiß." Es werden sich nach 34 Spieltagen vorne in der Tabelle jene Mannschaften einreihen, die mit den dicksten Etats wirtschaften könnten. Das sei eben so. "Und je öfter ich recht behalte, desto wütender werden meine Antipoden, die glauben, dieses zementierte Ranking aufbrechen zu können." Und wer glaube, diese Saison sei besonders erfolgreich für die Hessen verlaufen, möge zwei Jahre zurückschauen. "Da hatten wir am 25. Spieltag unter Friedhelm Funkel vier Punkte mehr."

Tatsächlich ist es so, dass die zuletzt als Lackmustest apostrophierten Spiele gegen die Großen, Hamburger SV (0:0), VfB Stuttgart (1:2) und Schalke 04, ein paar Dinge in Frankfurt zurechtgerückt haben. "Diese Mannschaften", so Skibbe, "stehen deutlich vor uns." In diesen drei Spielen wurden den Frankfurtern die Grenzen aufgezeigt, mit diesen Teams kann sich die Eintracht seriös noch nicht messen. Sie kann phasenweise mithalten, die Partien offenhalten, besiegen kann die Eintracht sie derzeit nicht. Es zeigte sich in diesen drei Begegnung, dass bei den Hessen alles passen muss, dass sie sich keinen Ausfall leisten und auf Augenhöhe nur attackieren können, wenn alle ihr Limit ausschöpfen. Das gelingt vereinzelt, wie in den Spielen gegen Bremen, in Berlin oder bei Borussia Dortmund - und bleibt doch die Ausnahme.

Der Sieg der Schalker in Frankfurt war alles andere als unverdient, darüber gab es keine zwei Meinungen. Er mag ein Tor zu hoch ausgefallen sein, aber die Knappen hatten die bessere Spielanlage, sie waren cleverer und schafften es, mit fünf Schüssen aufs Tor vier Treffer zu erzielen. Es war zudem der erste Auswärtssieg der Schalker in diesem Jahr. Den Gästen spielte die Eintracht aber auch perfekt in die Karten. Die erste Halbzeit hatten die Hessen komplett verschlafen, nach einer Viertelstunde war die Messe eigentlich gelesen. Die Schalker schlugen nach zwei Standardsituation zu, erst nach einer kurz gespielten Ecke durch den langen Joel Matip (12.), dann nach einem Freistoß von Lukas Schmitz durch Benedikt Höwedes (18.). "Bei denen sind sieben Mann über 1,90 Meter groß", stellte Chris beeindruckt fest. Kein Wunder, dass man da bei ruhenden Bällen leicht ins Hintertreffen geraten kann.

Schalke führt Eintracht vor

Bildergalerie ( 107 Bilder )

Genau das aber wollte Trainer Michael Skibbe auf alle Fälle verhindern, genau das hat er seinen Mannen immer wieder eingetrichtert. "Von der ersten Halbzeit war ich restlos bedient. Da haben wir uns eine Menge versaut. Das war richtig schlecht. Wir haben genau das Gegenteil von dem gemacht, was wir uns vorgenommen haben", deckelte Skibbe sein Team. In der Halbzeitpause war der Trainer richtig laut geworden.

Tatsächlich klappte in den ersten 45 Minuten so gut wie nichts: Die Eintracht stand neben sich, reagierte nur, spielte pomadig, quer und ohne jede Inspiration. "Da sind wir nur wie ein Scheibenwischer den Bewegungen des Balles gefolgt", zürnte Skibbe. Die Schalker, fand auch Bruchhagen, "haben uns da richtig eingekesselt." Im Grunde war die erste Halbzeit ein krasser Rückfall in eigentlich überwunden geglaubte Zeiten aus der Hinrunde, als die Hessen gegen Stuttgart, Leverkusen oder Bayern binnen kürzester Zeit regelrecht vorgeführt wurden. Skibbe: "Wir haben in der ersten Halbzeit unter dem Niveau der Rückrunde gespielt."

Immerhin rissen sich die Frankfurter in der zweiten Halbzeit "am Riemen". Nach der Standpauke entwickelte die Eintracht endlich den erforderlichen Druck. Auf einmal wackelte auch Schalke, prompt kam die Eintracht durch Alexander Meier zum Anschlusstreffer (52.). "Da hat die Mannschaft Charakter und Herz gezeigt", lobte Kapitän Christoph Spycher. Schalke wackelte, fiel aber auch deswegen nicht, weil Höwedes (60.) mit langem Bein die beste Frankfurter Ausgleichschance vereitelte. Dann schlugen die Knappen in der Schlussphase durch Ivan Rakitic (80.) und Kevin Kuranyi (89.) eiskalt zu.

Sicher ist aber: Eintracht Frankfurt hat einen Sprung nach vorne gemacht. "Wir spielen attraktiveren, ansehnlicheren Fußball als im vergangenen Jahr. Das war das einzige, was ich mir vom neuen Trainer erwünscht hatte", sagte Bruchhagen. Skibbe sprach von einem "guten Stück", das man "im Vergleich zur Hinrunde nach vorne gekommen" sei. Doch bis zum Saisonziel 46 Punkte habe man "noch reichlich zu arbeiten".

Womöglich sollte Klubchef Bruchhagen das beherzigen, was ihm Trainer Felix Magath ganz zum Schluss ausrichten ließ. "Der Herri soll langsam mal in die Tasche greifen." Macht der Herri aber nicht. "Selbst wenn wir uns 30 Millionen Euro leihen, dann ziehen die Herren Winterkorn und Hopp mit 50 Millionen wieder an uns vorbei."

Autor:  Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau
Datum:  7 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Alles zur Eintracht

Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik

Reden Sie mit! Im Blog-G.

Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker

Sehen Sie die FR-Videokolumnen.

Umfrage: Giftpfeile Richtung Düsseldorf

Vor dem Spitzenspiel gegen Fortuna Düsseldorf kritisiert Armin Veh den Gegner. Der Eintracht-Trainer moniert Theatralik und Fallsucht. Was halten Sie von der öffentlichen Kritik von Veh?

58% Genau richtig. Der Schiri wird genau hinschauen.
23% Veh ja Recht. Aber er motiviert die Fortuna.
9% Veh übertreibt maßlos.
7% Beide Seiten sollten sich beruhigen.
3% Mir ist das egal.
Weblog

Das FR-Blog zur Frankfurter Eintracht. Anmerkungen zum Verein des Herzens - subjektiv, unqualifiziert, völlig unreflektiert.

Eintracht-Video

Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

Sport
Kurzes Comeback in der Bundesliga: Michael Skibbe.
Hertha BSC 

Vor der abschließenden Partie des 21. Spieltags sorgt der verletzte Kölner Stürmer Lukas Podolski für Unruhe in der Domstadt. Wirkt sich das auch auf das Spiel der Kölner gegen den wiedererstarkten HSV aus? Verfolgen Sie die Partie in unserem Liveticker.

        

Der Abstieg ist immer teurer:    Krüger (li.) und Stöver.
FSV-Finanzchef Krüger 
Viel Krampf: Augsburgs Hajime Hosogai (l) und Mike Frantz von Nürnberg kämpfen um den Ball.
FCN torlos gegen FCA 
FR Sportblogs

News zum Mitreden: Eintracht Frankfurt, Frankfurt Lions, Deutsche Bank Skyliners und dem FSV Frankfurt.

Frankfurt-Marathon 2011
15.000 Läufer gehen beim 30. Frankfurt-Marathon an den Start. Die Innenstadt ist gesperrt - und bietet auch Musik und Party.

Der Jubiläums-Marathon in Frankfurt bricht alle Rekorde: Noch nie war das Rennen so schnell, noch nie gab es so viele Teilnehmer. In unserem Spezial finden Sie die Bilder und Berichte.

Für Sportler in Not

Die Weihnachtssammlung der FR-Sportredaktion hilft armen, kranken und behinderten Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind.

Spezial

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman - aber auch auf kürzeren Distanzen wird in Rhein-Main geschwommen, geradelt und gelaufen.

FR-Sportredaktion live

Sport-Ticker @ Twitter
FR @ Handy

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die "Frankfurter Rundschau" ist auf dem Handy immer dabei - mit vielen Sport-Livetickern.

Textimport

Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.