Als dann alle Fragen zum Spiel gestellt schienen, hat sich der Frankfurter Trainer Michael Skibbe zur Feinanalyse an einen Bistrotisch begeben. Im Fernsehen war gerade noch einmal der Siegessonntagsschuss des neuen schwäbisch-brasilianischen Glücksritters Cacau zu sehen, und als der Ball das Frankfurter Netz beulte, hat Skibbe dann die allerletzte Frage beantwortet. Hätte Oka Nikolov den Ball nicht halten können? Skibbe schüttelte den Kopf. "Starker Schuss, Boah, sehr guter Schuss. Den kann man nicht halten." Es war das Endergebnis, 2:1, ein weiteres Tor sollte nicht mehr fallen.
Hinterher waren die Frankfurter einigermaßen ernüchtert. "Das dürfen wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen", haderte der erst spät auf Touren gekommene Mittelfeldmann Patrick Ochs. Verteidiger Marco Russ, mal wieder mit einigen Querschlägern gesegnet, fand erstaunliche Worte der Selbstkritik: "Die Niederlage müssen wir uns selbst an die Nase schmieren. Wir haben uns selbst ins Bein geschossen und hier drei Punkte liegen lassen."
Einige Eintracht-Profis sind unter der Woche auf Länderspielreisen. Kapitän Christoph Spycher und Mittelfeldmann Pirmin Schwegler spielen mit der Schweizer Nationalmannschaft am Mittwoch in St. Gallen gegen Uruguay. Stürmer Halil Altintop tritt ebenfalls am Mittwoch mit der Türkei in Istanbul gegen Honduras an. Verteidiger Sebastian Jung spielt mit der deutschen U20 in Berlin am Mittwoch (18.15 Uhr) gegen die Schweiz. Und die beiden Jungprofis Cenk Tosun und Marcos Alvarez nehmen heute und morgen an einem Leistungstest der U19 in Hanau teil. (dur)
Was die Frankfurter "etwas traurig" (Skibbe) den Heimweg hatte antreten lassen, waren die Minuten nach der eigenen Führung. Denn binnen vier Minuten wandelte der VfB Stuttgart, besser: wandelte Cacau einen 0:1-Rückstand (39.) in ein 2:1 (41., 45.) um. "Nach dem 1:0 haben wir einen Augenblick die Aggressivität verloren", deckelte auch Klubchef Heribert Bruchhagen. Und das "ist hammerhart bestraft worden."
Russ bemängelte die fehlende Cleverness in dieser entscheidenden Phase nach der Führung durch Benjamin Köhler, der einen feinen Querpass von Caio nach einem katastrophalen Fehler des deutsche Nationalspielers Sami Khedira nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Kapitän Christoph Spycher fand, man habe sich da "zu naiv" angestellt. Widerworte gab es keine.
Dabei wusste die Eintracht in den ersten 20, 25 Minuten mit feinem Kombinationsfußball zu überzeugen, der Ball lief flüssig. Die Frankfurter hatten das Spiel lange unter Kontrolle, sie hatten deutlich mehr Ballbesitz. Und gerade, als der VfB Stuttgart, nach Bayern München immerhin zweitbeste Rückrundenmannschaft, stärker zu werden drohte, fiel das 1:0. "Ich dachte, wir kriegen das 1:0 in die Pause", sagte Marco Russ. Doch dann vertändelte Pirmin Schwegler, ohnehin von einer bislang selten gesehenen Lässigkeit befallen, den Ball ohne Not gegen zwei Stuttgarter, es gab Eckball, und nach einem verlorenen Kopfballduell von Halil Altintop - dabei setzte der Stuttgarter Matthieu Delpierre allerdings seinen Ellenbogen durchaus grenzwertig ein - köpfte Cacau den Ball nur zwei Minuten nach der Frankfurter Führung ins Tor. "Dann dachte ich, wir bringen wenigstens das 1:1 in die Halbzeit", sagte Russ. Auch das klappte nicht: Weitere drei Minuten später holte Cacau aus, und sein Schuss sauste in den Winkel.
Tatsächlich wäre für die Eintracht mehr drin gewesen. Vor allem im zweiten Abschnitt. Denn mit zunehmender Spieldauer hatten die Stuttgarter ihrem Parforceritt gegen den FC Barcelona vom Dienstag Tribut zollen müssen. In der letzten Viertelstunde waren die Schwaben stehend k.o., sie retteten sich nur mit Mühe über die Zeit. "Die waren platt vom Barca-Spiel", fand Ochs, doch auch er konnte diese Schwäche nicht nutzen.
Dazu waren die Frankfurter zu harmlos im Angriff (siehe untenstehenden Bericht). Viele Flanken gingen daneben, "der persönliche Abschluss war nicht gut", mäkelte auch Skibbe, der ansonsten mit der Leistung zufrieden war. "Das war über weite Strecken ein sehr gutes Auswärtsspiel." Trotzdem verlebte VfB-Torhüter Jens Lehmann, der eklatante Schwächen offenbarte, wenn er mit dem Fuß eingreifen musste, einen weitgehend ruhigen Nachmittag. Doch wie schon in Hamburg verpassten die Frankfurter auch in Stuttgart die günstige Gelegenheit, bei einem schwächelnden Gegner zu punkten. Dazu fehlt der Eintracht immer noch die nötige Klasse. Die Hessen schaffen es einfach nicht, genug Druck auf das gegnerische Tor zu entwickeln. Bis zum Strafraum sieht das Frankfurter Spiel sehr gefällig aus, dann freilich versandet es. Die Eintracht kann gegen müde Spitzenklubs mithalten, Kapital kann sie daraus (noch) nicht schlagen. Gegen Hamburg und Stuttgart boten sich den Hessen höchstens jeweils zwei, drei Möglichkeiten, zwingend waren sie allemal nicht.
Aber Skibbe sieht bei der Eintracht, nicht zu Unrecht, eine deutliche Steigerung. "Wir haben dem letztjährigen Tabellen-Dritten mächtig lange die Stirn geboten und das Spiel bis zur letzten Sekunde offen gehalten." Skibbe attestierte seiner Mannschaft, sich "extrem weiterentwickelt" zu haben. "In der Hinrunde hat es deutlich mehr schlechte Spiele gegeben als jetzt." In der Hinrunde war die Eintracht gegen den VfB im eigenen Stadion chancenlos geblieben. Dieses Mal habe man lange, sehr lange auf Augenhöhe agiert - auch wenn sich das nicht in Punkten auszahlte.
Die Eintracht agierte im Schwabenland ungeplant offensiv, zumindest auf dem Papier. Auch das zeugt von neuem Selbstbewusstsein: Caio, kein Freund der Rückwärtsbewegung, spielte von Anfang an. Auf dem offiziellen Spielberichtsbogen stand er zunächst nicht in der Startelf. Doch Maik Franz musste nach dem Aufwärmen abwinken. Seine Risswunde, die er sich beim Abschlusstraining bei einem Zusammenprall mit einem Plastik-Dummy unterhalb des Knies zugezogen hatte, schmerzte zu stark. "Ich konnte nicht laufen, ich konnte nicht sprinten. Trotz Betäubungsspritze ging es nicht", sagte Maik Franz, der sich nicht mal sicher ist, ob er bis zum nächsten Spiel zu Hause gegen den FC Schalke 04 am Samstag fit wird. Deshalb musste Trainer Skibbe sein taktisches System umbauen. Ohne Erfolg.
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58% | Genau richtig. Der Schiri wird genau hinschauen. |
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23% | Veh ja Recht. Aber er motiviert die Fortuna. |
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9% | Veh übertreibt maßlos. |
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7% | Beide Seiten sollten sich beruhigen. |
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3% | Mir ist das egal. |
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