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Eintracht-Kolumne: Debakel in Bremen

Das überschwängliche Lob von Eintracht-Trainer Funkel tags zuvor für die Bremer macht sich ab der 72. Spielminute irgendwie bezahlt. Schaaf wechselt nach dem 4:0 seine besten Spieler aus, womöglich aus Mitleid. Von Thomas Kilchenstein

Typisch für das gesamte Spiel. Die Eintracht mit dem Rücken zum Ball.
Typisch für das gesamte Spiel. Die Eintracht mit dem Rücken zum Ball.
Foto: ap

Am Tag vor der höchsten Niederlage seit zwölf Jahren hat der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel noch so freundlich und voller Ehrfurcht von Werder Bremen gesprochen. Man hätte fast meinen können, er bewerbe sich prophylaktisch schon einmal um einen Job im Norden. Machte er natürlich nicht, so ist der Funkel eben, knäckebrottrocken, bei ihm das Glas eher halbleer: "Das ist die Realität, wir werden Werden Bremen nie erreichen, werden in absehbarer Zeit nie Champions League spielen."

Am Samstag, so kurz vor 17 Uhr, es stand längst 4:0 für die in allen Belangen besseren Bremer, schien sich das überschwängliche Lob für den Kollegen Thomas Schaaf und die Bremer dann irgendwie auszuzahlen: Schaaf wechselte erst den dreifachen Torschützen Claudio Pizzaro (67. Minute) aus, dann Werders Besten Torsten Frings (73.), womöglich hatte er Mitleid mit den bemitleidenswerten Gästen aus Frankfurt, die es tatsächlich schafften, in 90 Minuten Fußball ein einziges Mal auf das von Ersatztorwart Christian Vander gehütete Tor zu schießen.

Mühelos parierte Vander das Schüsslein von Nikos Liberopoulos, fünf Minuten vor Ultimo. Im Grunde hätte im Bremer Gehäuse auch ein Tannenbaum vom Bremer Weihnachtsmarkt stehen können, auch der hätte zu Null gespielt. Und die gute Tat von Thomas Schaaf hatte auch nichts genutzt, Bremen ließ nicht nach, Frankfurt wurde nicht besser - prompt kassierten die schlappen Hessen noch ein Tor: Aaron Hunt hatte nicht wirklich große Mühe, den 5:0-Endstand zu erzielen.

In der Tat war "ein Klassenunterschied", wie Klubchef Heribert Bruchhagen hinterher sagte, offenkundig. Die Eintracht gab im Kern einen besseren Sparringspartner ab für zuletzt doch arg verunsicherte Bremer, die gegen Famagusta in der Champions League nicht gewinnen konnten und in der Bundesliga bis dato das nicht sehr große graue Mittelfeld repräsentieren.

Eintracht verteilt artig "Geschenke"

Die Eintracht lief freundlich nebenher, störte die Bremer kein bisschen bei ihrer Suche nach alter Form und verteilte artig "Geschenke" (Torwart Markus Pröll). Werder war denn so frei, die Frankfurter Aufbauhilfe nicht mal dankend anzunehmen, nach 20 Minuten und den ersten beiden Treffern von Pizzaro, den Funkel flugs zum "Weltklassespieler" adelte, war die einseitige Partie entschieden. Der Rest war Bremer Schaulaufen.

Natürlich gibt es Erklärungen für dieses Debakel: Die vielen Verletzten, die individuelle Qualität der Bremer, die diesmal fehlende Leidenschaft der Frankfurter. Und es stimmt genauso, dass in dieser Bundesliga die Zweiklassengesellschaft inzwischen tatsächlich zementiert ist: Die ersten Neun spielen um die Meisterschaft und die internationalen Plätze, drei Teams kicken im Niemandsland des Tableaus herum, und ab Platz 12 geht es gegen den Abstieg: Eintracht Frankfurt steht auf Platz zwölf.

Und gegen diese Mannschaften unterhalb können die Hessen ihre offenkundige Defizite durch ein Mehr an Einsatzbereitschaft kompensieren. "Gegen Teams auf Augenhöhe fällt es nicht so sehr auf, gegen Mannschaften an der Spitze geht es nicht", sagte Funkel nach der höchsten Niederlage, seit er in Frankfurt arbeitet. Das alles mag stimmen: Doch ein bisschen mehr Mut, ein bisschen mehr Biss hätte man dieser Frankfurter Mannschaft im Weserstadion dann doch gewünscht. "So kann man sich nicht präsentieren. Man darf sich doch nicht so erbarmungslos ergeben", zürnte nach dem Schlusspfiff Markus Pröll. Kann man offenbar doch.

Autor:  Thomas Kilchenstein
Datum:  29 | 11 | 2008
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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