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Eintracht-Kolumne: Ein schmutziger Sieg im Derby

Frankfurt hat im Spiel der heißen Herzen kühlen Kopf bewahrt. In den Fokus gegen Mainz rückte Maik Franz, der das 1:0 erzielte, aber auch zum roten Tuch wurde. Und ein Mittelfinger aus Mainz sorgte für Unmut. Von Th. Kilchenstein und I. Durstewitz

Oka Nikolov (links), Marco Russ und Maik Franz feiern das 2:0 gegen Mainz (05.12.2009).
Oka Nikolov (links), Marco Russ und Maik Franz feiern das 2:0 gegen Mainz (05.12.2009).
Foto: getty

Es war das typische Maik Franz-Spiel: Voller Emotionen, voller Adrenalin, voller Provokation. Er wandelte am Rande eines Platzverweises, legte sich mit allen möglichen Spielern und der Ersatzbank der Mainzer an, er avancierte zum Feindbild Nummer eins. Es gab kaum ein Zweikampf, der nicht mit Palaver endete, es gab kaum eine Schiedsrichter-Entscheidung, die er nicht kommentierte. Dazu provozierte er ständig, redete, machte und tat. Er lag im verbalen Clinch mit Chadli Amri, der dann einigermaßen entnervt nach 68 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz musste, mit Aristide Bancé und Milorad Pekovic, mit denen er sich heftige Duelle lieferte.

Maik Franz sah das Ganze eher entspannt: "Bancé ist ein Hitzkopf wie ich. Man muss auch sehen: Es ist hier kein Freundschaftsspiel, es geht um Punkte und um die Prämie. Aber nach dem Spiel ist alles vergessen." Das fand auch der Frankfurter Trainer Michael Skibbe: "Das ist bei den Spielern schnell vergessen. Es war nicht ganz okay, bei weitem aber auch nicht so schlimm." Und damit meinte er sowohl die Aktionen seines Spielers als auch die des Mainzer Angreifers.

Der Mainzer Manager Christian Heidel war zutiefst erschüttert vom Auftreten des Frankfurter Verteidigers, er nahm nicht einmal den Namen des Eintracht-Spielers in den Mund, so abgrundtief zuwider war ihm der Auftritt des gebürtigen Merseburgers. "Und der schießt ausgerechnet das 1:0." Das passte aus Mainzer Sicht zu diesem Abend, der womöglich für den Stürmer der Rheinhessen, Aristide Bancé, noch ein Nachspiel haben könnte: Nach dem Schlusspfiff reckte der Mann aus Burkina Faso, dem in den 90 Minuten nur eine gute Aktion gelungen war, demonstrativ den Mittelfinger in die Höhe. Christian Heidel nahm sich seinen Stürmer deswegen noch in der Kabine zur Brust. "So was wollen wir nicht, das passt nicht zu Mainz 05." Bancé muss mit einer internen Strafe rechnen. "Das wird honoriert", sagte Heidel etwas schief. Zudem schaltet sich womöglich aber auch noch das DFB-Kontrollgericht ein.

Derweil stand Maik Franz schon längst vor der Kamera bei einem wahren Interviewmarathon: "Das war ein geiles Spiel", sagte der 28-Jährige. Nach dem Spiel, fand er, solle das alles vergessen sein. Kann man so sehen, muss man nicht so sehen. Der Auftritt von Maik Franz war in der Tat grenzwertig. So etwas will man in der Tat nicht sehen. Doch so ist Maik Franz bekannt geworden, so hat er in Karlsruhe schon den damaligen Stuttgarter Mario Gomez und später auch seinen heutigen Mannschaftskollegen Ioannis Amanatidis zur Weißglut gebracht. Gomez hat ihn einst als "Arschloch" tituliert. Genau so sollte er in Frankfurt eigentlich nicht spielen, das hatte ihm Klubchef Heribert Bruchhagen bei seiner Verpflichtung auch eigens ins Stammbuch geschrieben. 15 Spieltage lang hat er sich auch halbwegs daran gehalten, jetzt gegen Mainz, in einem sehr emotionalen Spiel, ist der wahre Maik Franz durchgekommen. Heidel konnte sich kaum beruhigen: "Es wird ja viel über diesen Spieler gesprochen. Seit heute weiß ich, dass alle Recht haben. Er braucht sich nicht zu wundern, dass sein Ruf so ist wie er ist."

Frankfurt - Mainz (2:0)

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Maik Franz wundert sich auch nicht. Er setzt diese verbalen Provokationen gezielt ein. Im Grunde hat er die Marke Maik Franz so aufgebaut. Aus gutem Grund: Denn fußballerisch ist er arg limitiert, allein fußballerisch könnte er in der Bundesliga nicht mithalten. Er braucht diesen besonderen Kick, diese Art, sich selbst zu motivieren, sich selbst Feuer zu geben. Da nimmt er durchaus in Kauf, zuweilen, nicht immer, übers Ziel hinauszuschießen. Für die Gegner ist er ein einziges Ärgernis, für die eigenen Leute ein Gewinn. Gerade die Eintracht, die seit jeher als zu brav galt, fehlte ein Spieler, der sich nichts gefallen läst, der nicht auch noch die andere Wange hinhält, ihr fehlte ein Drecksack. Und nicht wenige waren an diesem späten Samstagabend der Meinung: Ohne Maik Franz hätte die Eintracht das Derby gegen Mainz nicht gewonnen. "Er sollte nicht zu viel provozieren. Bei anderen Schiris weiß man nicht, wie es ausgeht", sagte Patrick Ochs. Gleichwohl sagte er: "So einer hat uns gefehlt. Er hilft uns mit seiner Art weiter, vor allem mit seinen Toren."

Und Tore erzielt dieser Maik Franz reichlich: Der Treffer am Samstag gegen Mainz zum 1:0 (29.) war bereist der vierte des Verteidigers. Eine weite Flanke von Marco Russ grätschte er aus halbrechter Position, dankbar allein gelassen von Chadli Amri, neben den Pfosten. Erneut war es ein wichtiges Tor, es war die Führung, die der Eintracht gegen die stürmischen, aber in weiten Teilen "zu blauäugig" (05-Coach Thomas Tuchel) angreifenden Mainzer die notwendige Sicherheit gab. Schon in Freiburg (1:0), Bochum (2:1) oder in Berlin (2:0) schoss Franz vorentscheidende Treffer.

In der zweiten Halbzeit gerieten die Frankfurter mächtig unter Druck, sie verwalteten die Führung nur noch, ließen die Mainzer gewähren. Und wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wenn "wir ein sicheres Tor nicht selbst verhindert" hätten, wie Tuchel sagte. In der 53. Minute störten sich Niko Bungert und Tim Hoogland, freistehend vor dem verwaisten Frankfurter Kasten, gegenseitig. So konnte in der Schlussminute Patrick Ochs bei einem der wenigen Konter allein durchs Mittelfeld laufen, Alex Meier anspielen, und der ließ mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze dem Mainzer Torhüter Heinz Müller keine Chancen. Es war das 2:0 und sein fünfter Treffer. Damit hat der Mittelfeldspieler einmal mehr getroffen als Maik Franz.

Der wird übrigens am nächsten Wochenende bei der TSG Hoffenheim zusehen müssen. Am Samstag bekam er die fünfte Gelbe Karte. Hoffenheim kann sich glücklich schätzen.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  5 | 12 | 2009
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