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Eintracht-Kolumne: Zu spät aus dem Winterschlaf erwacht

Die Eintracht verliert gegen Hertha, und Trainer Funkel meint zur ersten Hälfte: "Das war wie ein Freundschaftsspiel, viel zu drucklos." Von Ingo Durstewitz

Herthas Marko Pantelic (r.) trifft gegen Frankfurts Torwart Markus Pröll (l.) neben Frankfurts Markus Steinhöfer und Herthas Raffael (2.v.r.) zum 1:0.
Herthas Marko Pantelic (r.) trifft gegen Frankfurts Torwart Markus Pröll (l.) neben Frankfurts Markus Steinhöfer und Herthas Raffael (2.v.r.) zum 1:0.
Foto: ddp

Es ist immer sehr trügerisch, wenn Fußballtrainer wahre Lobeshymnen auf die Kontrahenten anstimmen. Dann weiß der geschulte Zuhörer: Da will jemand dem Opponenten noch etwas Honig um den Bart schmieren - wenn er denn schon keine Punkte anzubieten hatte.

Genau so verhielt es sich am Samstag im klirrend kalten Olympiastadion zu Berlin, wo die Frankfurter Eintracht ein gern gesehener Gast war. Lucien Favre, der Berliner Fußballgelehrte, wurde nach dem 2:1 (1:0)-Sieg seiner Hertha nicht müde, die angereisten Hessen in den höchsten Tönen zu loben. "Das war ein sehr, sehr gefährlicher Gegner, der sehr viel Druck gemacht hat."

Und weiter: "Es war sehr schwierig, diesen Druck zu beherrschen." Oder auch: "Das war ein sehr starker Gegner, der viel gefährlicher als vor drei, vier Monaten ist." Die Punkte, natürlich, blieben in der Kapitale, alle drei.

Nichtsdestotrotz: Der Eintracht-Tross flog knapp zwei Stunden nach dem Abpfiff mit einem ganz guten Gefühl zurück an den Main. "Es ist sehr ärgerlich, dass man nicht belohnt wird, obwohl man die in allen Belangen bessere Mannschaft war", befand ein gar nicht so ärgerlich wirkender Trainer Friedhelm Funkel.

Hertha BSC Berlin - Eintracht Frankfurt 2:1

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In Wahrheit sind die Frankfurter schlichtweg zu spät aufgewacht oder, anders herum, sie lagen in der ersten Hälfte noch im Winterschlaf. Da waren die Mannen in den schwarzen Hemden gar nicht auf dem Platz, "da wollten wir alles mit spielerischen Mitteln lösen - so geht das nicht", mäkelte Eintracht-Bos Heribert Bruchhagen.

Und auch Trainer Funkel mochte das im ersten Abschnitt Dargebotene nicht schönreden: "Das war wie ein Freundschaftsspiel, viel zu drucklos." Das Kuriose: Gerade die Innenverteidigung, die nach der Rückkehr des Brasilianers Chris an Stabilität gewinnen sollte, stürzte von einer Turbulenz in die nächste.

Es war gerade Chris, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führte, der erheblich um Orientierung bemüht war. Er verlor viele Zweikämpfe, auch die entscheidenden, er konnte dem Deckungsverbund nie den nötigen Halt geben.

Trainer Funkel brach aber nicht den Stab über den lange verletzten Defensivallrounder. "Er muss sich jetzt durch Spiele seine Sicherheit holen, um so zu alter Leistungsstärke zurückzufinden." Es war vor knapp 40 000 Zuschauern in Berlin gerade Hertha-Stürmer Marko Pantelic, der die Eintracht-Abwehr fast nach Belieben narrte.

Der Serbe machte den Unterschied, er erzielte folgerichtig beide Berliner Tore - und er holte auch noch einen Strafstoß heraus. Der Frankfurter Keeper Markus Pröll hatte Pantelic mit einem langen Bein von den Beinen geholt. Den von Cicero schwach getretenen Elfmeter parierte Pröll reaktionsschnell (33.) - und unter starken Schmerzen.

Der Torwart hatte sich beim Zusammenprall mit Pantelic am rechten Knöchel verletzt. Nach Angaben von Mannschaftsarzt Christoph Seeger ist das Sprunggelenk stark geschwollen und nicht mehr belastbar. Pröll, ohnehin sehr verletzungsanfällig, wird noch am Samstagabend in Frankfurt eingehend untersucht und geröntgt.

Nach 57 Minuten musste er für Jan Zimmermann den Kasten räumen. Wer am kommenden Samstag gegen den 1. FC Köln das Heiligste der Eintracht hüten wird, steht noch in den Sternen. Oka Nikolov, lange verletzt, sei fast schon wieder so weit, zu spielen, sagte Funkel. Und er habe auch absolutes Vertrauen in Zimmermann. Er, der Trainer, werde sich aber erst dann darüber Gedanken machen, wenn er genau wisse, ob und wie lange Pröll ausfällt.

Als Pröll das Feld verließ, stand das Spiel auf des Messers Schneide, weil die Eintracht nach einem Tor von Benjamin Köhler auf 1:2 herangekommen war und die Partie nach Belieben dominierte. Da war endlich Zug und Leben in der Bude, "wir sind mit mehr Körperkontakt und Vehemenz in die Zweikämpfe gegangen", sagte Bruchhagen. Das 2:2 wäre ein verdientes Resultat gewesen, fand der Vorstandschef.

Doch es wollte nicht fallen.

Weil weder Neuzugang Leonard Kweuke noch Alexander Meier ihre Kopfbälle über die Linie brachten. "Der Ball ist immer irgendwie beim Torwart gelandet, er wollte einfach nicht ins Netz", analysierte Rechtsverteidiger Patrick Ochs.

Deshalb steht die Eintracht im kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln ein wenig unter Druck, weil danach der VfL Wolfsburg nach Frankfurt kommt und ein Fehlstart wie zu Saisonbeginn vermieden werden soll. "Eines dieser Spiele sollten wir gewinnen", sagte Ochs. Er weiß: Das wird schwer genug.

Autor:  Ingo Durstewitz
Datum:  31 | 1 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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