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Eintracht-Kolumne: Zurück in der Spur

Nach dem verdienten 3:1-Erfolg bei Hertha BSC Berlin hat Eintracht Frankfurt fürs erste den Abwärtstrend gestoppt. Beim Klub von Ex-Trainer Funkel indes scheinen die Lichter auszugehen. Von T. Kilchenstein und I. Durstewitz

Jubel nach dem Tor von Alexander Meier.
Jubel nach dem Tor von Alexander Meier.
Foto: dpa

Als die Partie dann endlich gewonnen war, sah Maik Franz aus, als habe er ein paar Runden mit Wladimir Klitschko im Ring gestanden. Am linken Auge wölbte sich eine Beule, sie schimmerte schon in blau, das wird ein schönes Veilchen geben. Aber das machte dem Eisenmann gar nichts aus. "Ich bin mal wieder überglücklich", sagte der Verteidiger.

Eigentlich hätte der Mann gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen, in der ersten Halbzeit wurde er binnen wenigen Minuten dreimal äußerst brutal gecheckt. In der Pause war ihm schwindelig, "ich musste mich langlegen", sagte Franz, der es dann doch noch einmal probierte. Und es gelang. Und wie: Nach 70 Minuten spritzte er in eine feine Vorlage von Patrick Ochs und der Ball flitzte zum 2:0 ins Berliner Tor.

Danach gab es kein Halten mehr. Mit weit ausgebreiteten Armen strebte er zur Frankfurter Kurve hin. Ale wussten: Das war die Entscheidung. Kurz darauf legte Alexander Meier noch das 3:0 nach, die Hertha war mal wieder geschlagen - und Maik Franz mausert sich klammheimlich zum Schützen vom Dienst. Sein Treffer war bereits sein drittes Tor im laufenden Wettbewerb, nur Meier hat öfter (4) getroffen.

Das Tor zum 2:0 stand exemplarisch für den gelungenen Frankfurter Auftritt im Berliner Olympiastadion. Von Verunsicherung oder Versagensangst keine Spur, stattdessen spielte die Eintracht abgeklärt, ballsicher, souverän auf. Sie ließ schnell keinen Zweifel daran, wer diese Partie dominieren werde. Dazu spielte ihr das frühe 1:0 (11.) bestens in die Karten. Einen feinen Pass von Nikos Liberopoulos verwertete Patrick Ochs freistehend vor dem Berliner Tor. Und damit war der Schachzug von Trainer Michael Skibbe aufgegangen. Skibbe hatte nämlich den roten Renner ins rechte Mittelfeld beordert, wo er mit seiner Schnelligkeit und Spritzigkeit immer wieder gefährliche Situationen kreierte. Diese taktische Maßnahme war spielentscheidend.

Hertha - Eintracht 1:3

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Die Berliner bekamen Ochs nie unter Kontrolle, dazu schlug der Flitzer bemerkenswert gute Flanken. "Er hatte tolle Flankenläufe, er hat sehr gut gespielt", lobte Skibbe. Der Spieler selbst fand, er sei auf der neuen Position "ganz gut zurecht gekommen." Er lobte aber auch die Kollegen: "Die ganze Mannschaft hat seit langem mal wieder Charakter beweisen. Jeder hat für jeden gespielt." Das war offenbar in den vergangenen Spielen nicht der Fall gewesen.

Das zweite Pfund, mit dem die Eintracht in Berlin wuchern konnte, spielte auf der anderen, der linken Seite. Ümit Korkmaz war ein steter Unruheherd. Seine Tempodribblings stürzten die Berliner immer wieder in Verlegenheiten, dazu klaute er sich in der Defensive viele Bälle, kein Weg war ihm zu weit. Skibbe: "Auch Ümit hat gut gespielt, auch wenn nicht so spektakulär wie Ochs auf der rechten Seite." Durch die beiden Tempospieler hatte die Eintracht endlich den immer vermissten Zug erkennen lassen. Dies war bislang die größte Baustelle: Die Hessen bekamen nie Tempo in ihre Aktionen, weil ihnen die schnellen Spieler fehlten. Deshalb konnten sie nie Druck entwickeln.

Die Flügelzange Ochs/Korkmaz könnt dieses Schnelligkeitsdefizit lösen. "Das könnte durchaus ein Modell für die Zukunft sein", sagte Skibbe. Die Berliner waren aber auch ein äußerst dankbarer Gegner: völlig verunsichert, fahrig in ihren Aktionen, harmlos im Angriff. "Wir haben uns was völlig anderes vorgenommen", presste Friedhelm Funkel nach den desillusionierenden 90 Minuten hervor. Ob das der "gefühlte Abstieg" sei, ist Funkel dann gefragt worden. Er hat das pflichtschuldigst verneint und mit der Untertreibung des Jahres geantwortet: "Unsere Ausgangsposition hat sich in keiner Weise verbessert."

Im Grunde ist Hertha BSC Berlin im Herbst 2009 bereits so gut wie abgestiegen - bei fünf Punkten aus 14 Spielen und Schwergewichte wie Schalke, Leverkusen und Bayern vor der Brust kann schwerlich nur Hoffnung auf einen Relegationsplatz aufkeimen.

Eintracht Frankfurt indes hat die Kurve gekriegt. Mit 19 Punkten liegen die Hessen voll im Soll, "die drei gegen Mönchengladbach verlorenen Punkte haben wir uns heute zurückgeholt", sagt Skibbe, der sich nun im Mittelfeld festbeißen will.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ
Datum:  28 | 11 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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