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Eintracht-Trainer Veh: "Meine Spieler sind keine eiskalten Engel"

Ich habe das angefangen und will es auch zu Ende bringen
"Ich habe das angefangen und will es auch zu Ende bringen"
Foto: Stefan Krieger

Eintracht-Trainer Armin Veh über frostige Stimmung, die neue deutsche Welle und darüber, ob er es bereut hat nach Frankfurt zu kommen.

Armin Veh, 51, empfängt die FR in der Vorstandsloge im Stadion. Der Trainer der Frankfurter Eintracht trinkt zwei Kaffee, kommt ins Plaudern, erzählt von alten Zeiten, von Branko Zebec und Horst Heldt, Edin Dzeko und Christian Gentner. Und natürlich über die Eintracht. Nach einer Weile schaut er verdutzt auf die Uhr. „Ist schon eine Stunde rum? Gibt’s doch nicht. Ich muss los.“ Veh muss auf den Trainingsplatz.

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Herr Veh, die Temperaturen in Frankfurt passen zur Stimmung bei der Eintracht: frostig.

Ist das so? Auf dem Trainingsplatz ist es jedenfalls verdammt kalt. Fast so kalt wie damals, als ich noch Trainer in Wolfsburg war und wir hier gespielt haben. Das werde ich nicht vergessen, es war das letzte Spiel vor der Winterpause, minus 14 Grad oder so. Das war wie in einer Kühltruhe. 2:2 ging es aus, da hat der Alex Meier kurz vor Schluss den Ausgleich für die Eintracht gemacht. War total unverdient für Frankfurt.

Wir schweifen etwas ab. Wir wollten doch etwas über die schlechte Stimmung hören.

Was heißt schlechte Stimmung? Ich habe ja schon mal gesagt, dass mir intern die große Begeisterung fehlt. Das ist so ein Gefühl, das ich gar nicht näher benennen kann. Mir fehlt dieses Fiebern, dass jeder total den Aufstieg will. Mir fehlt die Aufbruchstimmung, diese Freude und das Hinfiebern. Das ist so. Vielleicht ist auch hier noch die Verunsicherung des Abstiegs vorhanden. Aber die Zuschauer habe ich nicht gemeint, das hatten ja auch ein paar ganz Schlaue geschrieben. Die Unterstützung, die wir erfahren, ist riesig. Frankfurt ist eine Fußballstadt, das Umland ist voll auf die Eintracht fokussiert.

Also haben Sie den Vorstand gemeint?

Ach, jetzt hören Sie doch auf. Wir arbeiten gut zusammen, Heribert Bruchhagen und ich. Natürlich haben wir auch mal unterschiedliche Auffassungen. Er sieht manche Dinge anders. Ich schiebe vieles an, Dinge, die nicht mal viel Geld kosten, die für mich aber elementar sind. Näher will ich nicht darauf eingehen. Aber ich sage Ihnen: Bruchhagen kann vielleicht nicht immer aus der Haut, aber er ist nicht der Bremser, als der er hingestellt wird. Nehmen Sie den angedachten Helmes-Transfer, den hat der Herry mitgetragen, den wollte er auch. Und auch der Aufsichtsrat. Das war für mich ein gutes Zeichen, ein Signal, dass sich doch was bewegt hier. Denn dieser Deal wäre für uns ja schon ein Ding gewesen. Das hat mich gefreut. Denn manchmal entsteht der Eindruck, dass wir hier gegeneinander arbeiten. Das ist nicht der Fall.

Apropos Helmes. Da fiebert ganz Frankfurt mit, die Homepages brechen zusammen – und dann kommt statt Patrick Helmes ein Verteidiger.

Drehen Sie es um: Es war doch super, dass er nur zu uns wollte, weil das Gefühl zwischen uns gepasst hat. Das gibt es auch noch in diesem Geschäft. Helmes ist bei seinem Wort geblieben, er hat das durchgezogen. Das ist ein gutes Zeichen, ein Zeichen von Charakter. Aber mir war relativ schnell klar, dass wir das nicht schaffen und ihn nicht bekommen werden.

Weshalb?

Ich wusste ja, mit wem wir verhandeln (Felix Magath; Anm. d. Red.).

Und nun der Paradigmenwechsel: Vorbei mit dem schönen Spiel, jetzt wird der Aufstieg ermauert mit 1:0-Siegen.

Ich habe nichts gegen 1:0-Siege (lacht). Aber ich glaube nicht, dass wir einen Paradigmenwechsel vollziehen, wir werden weiter unser Spiel machen und durchziehen. Aber ich wollte von hinten heraus was verändern. Denn dass wir nicht immer sicher standen, lag auch daran, dass zu wenig gesprochen wurde. Ich habe dem Gordon Schildenfeld immer gesagt: „Von hinten raus musst du lautstark sein, du musst dirigieren.“ Ich muss als Abwehrchef dementsprechend auftreten, da muss ich die Mannschaft mit führen. Da war es mir einfach zu ruhig. Deshalb auch Martin Amedick und Heiko Butscher. Und natürlich müssen wir auch die neue Saison planen. Da haben wir drei Innenverteidiger schon mal sicher. Das ist wichtig. Personalpolitik ist sowieso entscheidend.

Butscher und Amedick sind zwei deutsche Spieler. Ist das Zufall?

Nein. Das muss unser Weg sein. Wir müssen Leute holen, die sich mehr identifizieren. Das muss unser Weg in der Zukunft sein, das wird auch in der neuen Saison so sein. Das ist ganz wichtig. Sehen Sie, wie es hier war: Da ist einer verletzt und fliegt zu seinem Vertrauensarzt um die halbe Welt in die Heimat. Das kann doch nicht sein, das geht doch nicht.

Gordon Schildenfeld ist seinen Platz erst einmal los?

Würde ich jetzt nicht sagen. Wenn Djkapa nicht so spielt, wie ich es will, kann es ja sein, dass Butscher links spielt. Und darüber hinaus sind wir jetzt bei Standards besser, mit Amedick, der ohnehin der beste Kopfballspieler ist, Butscher, Schildenfeld, Meier oder sogar Idrissou – das ist schon eine Hausnummer.

Ist es für das Binnenklima wichtig, dass Gekas nicht mehr da ist?

Es hat Gründe, weshalb ich ihn abgeben wollte. Bruchhagen wollte ihn ja behalten. Jetzt kann er hinterher sagen, wenn es nicht geklappt hat: „Du hast den Gekas doch verkauft.“ Aber ich habe einfach keine Lust zu taktieren. Das mache ich nicht. Ich habe hinterfragt, weshalb es nicht funktioniert hat im vergangenen Jahr. Ich habe mir ein Bild gemacht. Gekas ist nicht böse, nicht hintenrum, aber es ist ja nicht so, dass er sich sonderlich eingebracht und sich interessiert hat für das Wohl der Mannschaft. Es gibt Dinge und Prozesse, die ablaufen in so einem Team. Da ist die fußballerische Qualität manchmal nicht so entscheidend. Deshalb haben wir einige Dinge verändert. Das habe ich als Notwendigkeit gesehen.

Aber mit Gekas haben Sie doch Ihren 20-Millionen-Etat entlasten können.

Das mit unserem angeblichen Rekordetat ärgert mich sowieso. Wenn man den auseinandernimmt, sieht es schon wieder ganz anders aus.

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Datum:  3 | 2 | 2012
Seiten:  1 2
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
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