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Mittelfeldspieler Caio: Ende eines Irrtums

Caio war vor drei Jahren bei Eintracht Frankfurt als Heilsbringer begrüßt worden. Nach Moskau geht er als Gescheiterter.

Caio nach der Niederlage der Eintracht in Aachen.
Caio nach der Niederlage der Eintracht in Aachen.
Foto: dpa

Am Ende ist der Frankfurter Vorstandsvorsitzende fast ein wenig wehmütig geworden. „Ich werde“, sagte Heribert Bruchhagen „Caio sehr vermissen.“ Gerade hatte der ansonsten so um kühle Sachlichkeit bemühte Klubchef von Eintracht Frankfurt alles in seiner Macht stehende getan, den brasilianischen Mittelfeldspieler zum FC Dynamo Moskau zu transferieren. Er hatte den Wechsel des Spielers über zwei Monate hinweg aktiv betrieben. „Ich habe den Markt für Caio hergestellt“, so Bruchhagen, der „Spuren gelegt“, sein Netzwerk genutzt hat. Mit Dynamo, wo derzeit auch die Ex-Bundesligaprofis Kevin Kuranyi und Andrej Woronin spielen, sei sich Caio schon „länger einig“.

Die Russen hatten den 24-Jährigen zudem eine Weile beobachtet. Vermutlich wird der hessische Bundesligist rund zwei Millionen Euro an Ablöse aus Moskau einstreichen, das ist viel Geld für einen, der schon lange sportlich nicht mehr erste Wahl war, der dies genau genommen nie gewesen ist, weder bei Friedhelm Funkel, noch jetzt bei Michael Skibbe.

Immer eine Wundertüte

Aber nun, da der Deal bis auf ein paar Kleinigkeiten in trockenen Tüchern war, hat sich der Klubchef dann doch wieder an das Besondere dieses Spielers erinnert. Caio Cesar Alves dos Santos, der am Dienstagmorgen noch mit der Eintracht trainierte, dann zum Medizin-Check nach Rom flog und gestern ins Trainingslager des Kuranyi-Klubs ins türkische Belek reiste (Saisonstart in Russland ist Mitte März), Caio also sei „ein facettenreicher Spieler“ gewesen, eine Art „Wundertüte“, niemand habe gewusst, zu welchen Dingen er gerade in der Lage war. „Wegen Caio sind die Leute ins Stadion gekommen, nicht wegen dem Spieler Schulze. Die Leute konnten sich an ihm reiben. Schmettert er den Ball in den Winkel oder versagt er? Der Weggang von Caio ist für uns ein klarer Verlust“, hat der Frankfurter Chef eine Träne im Knopfloch.

Zuletzt freilich spielte der aus Mirandopolis im Großraum São Paulo stammende Caio einfach keine Rolle mehr bei der Eintracht. Ohnehin war der 24-Jährige in den drei Jahren in Frankfurt nur auf 70 Einsätze gekommen, er schoss acht Tore, gab zwei Vorlagen, selten, sehr selten spielte er 90 Minuten. Prägnanter in Erinnerung bleibt sein Scheitern bei diversen Laktattests, bleiben seine Einkäufe an der Tankstelle, sein chronisches Übergewicht nach dem Sommerurlaub oder ein Freistoß aus 50 Metern in den zweiten Oberrang, wie zuletzt im Heimspiel gegen Hannover.

Überzogene Erwartungen

Caio, für 3,8 Millionen Euro im Winter 2008 von Palmeiras São Paulo gekommen, war ein großes Missverständnis. Er ist in Frankfurt gescheitert. Daran hat er selbst den geringsten Anteil. Gescheitert ist er an völlig überzogenen Erwartungen des Umfeldes, die im teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte einen wahren Heilsbringer in Stollenschuhen sahen, der das Team in die Champions League führen sollte. Mindestens. Doch es war kein Heilsbringer gekommen, sondern ein einfacher, schüchterner, eher naiver Junge, der staunend und mit großen Augen im Grunde lange Zeit gar nicht wusste, was in der Bundesliga für einen Fußball gespielt wird.

Weder Funkel noch Skibbe, der es mit vielen Streicheleinheiten versuchte, schafften es, ihn aufs richtige Gleis zu setzen. Er war, das lässt sich nach drei Jahren sagen, zu phlegmatisch, konnte sich nicht quälen. Caio, verheiratet mit Bruna, zwei Söhne, war auch nicht der Typ, der sich durchsetzte, der vor Ehrgeiz zerfressen wäre. Er war ein zurückhaltender, bescheidener Mann, er hatte sich eingerichtet, arrangiert mit Deutschland, war zufrieden damit, in der Bundesliga zu spielen, wenn auch nur ab und zu. Er fand viel zu selten einen Zugang zum Spiel, zum Schluss verhedderte er sich heillos zwischen sinnfreien Übersteigern und den Vorgaben des taktischen Konstrukts. Caio war entzaubert.

„Er muss sehen, was für ihn am besten ist“, sagte gestern sein Landsmann Chris, der nach langer Zeit (Rückenprobleme) wieder am Mannschaftstraining teilnahm. „Er muss jetzt spielen.“ Auch Chris wirkte ein wenig traurig. Darüber, dass es der Landsmann „in der Bundesliga nicht geschafft hat“. Caio, das bestätigte Bruchhagen, wollte unbedingt nach Moskau. „Das hat er mit großer Entschlossenheit gesagt.“ Caio wird an der Moskwa ein Vielfaches dessen verdienen, was er in Frankfurt bekommen hat.

„Finanzsituation verbessert“

Eintracht Frankfurt hat damit kurz vor Ablauf der Wechselfrist mächtig aufgeräumt im Kader und so, wie Bruchhagen betonte, auch „die Finanzsituation verbessert“. Cenk Tosun (Gaziantepspor, 550000 Euro), Marcos Alvarez (Bayern II, 75000 Euro), Markus Steinhöfer (FC Basel, 100000 Euro), Ümit Korkmaz (VfL Bochum, ausgeliehen) und eben Caio spülen Geld in die Kasse und verschwinden von der Gehaltsliste. Die Eintracht plante für die laufende Saison mit einem Minus von mehr als fünf Millionen Euro, das durch die nun erzielten Erlöse abgefedert werden kann. Sportlich ist der Weggang des Quintetts mit Sicherheit zu verkraften. „Wir hätten diese Spieler nicht abgegeben, wenn sie erste Wahl gewesen wären“, sagte Bruchhagen.

Mit dem Verkauf von Caio, den Bruchhagen ausdrücklich „nicht als Fehleinkauf“ gewertet haben will, hat der sportlich Verantwortliche bei Eintracht Frankfurt auf jeden Fall ein besonderes Händchen bewiesen. Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Ob sich Caio mit dem Wechsel einen Gefallen getan hat, steht auf einem anderen Blatt. Die russischen Winter sind hart und lang. Immerhin stimmt die Haushaltskasse.

Autor:  Thomas Kilchenstein
Datum:  26 | 1 | 2011
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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