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Heribert Bruchhagen im Interview: "Gegen Pocher? Da höre ich lieber auf"

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, warum er keine Schulden macht, an den Super-Gau denkt und manchmal Angst hat.

Eintracht-Präsident Heribert Bruchhagen
Eintracht-Präsident Heribert Bruchhagen
Foto: FR/Storch

Herr Bruchhagen, so ein Bundesligastart kann für Sie nichts Besonderes mehr sein. Die Liga ist zementiert, die da oben bleiben da oben und die da unten bleiben unten. Muss ja langweilig sein.

Nein, warum? Die Bundesliga ist ein tolles Produkt. Ich freue mich. Wie jedes Jahr. Was gibt es Schöneres als Bundesligafußball? Was gibt es Schöneres, als diesen Job zu machen?

Dann anders herum gefragt: Haben Sie womöglich Bammel vor dem Start? In Bremen hat die Eintracht selten hoch gewonnen.

Ich habe immer Angst, das ist doch klar. Ich male mir bestimmte Szenarien aus. Das habe ich auch in Offenbach auf der Tribüne gemacht. Da denkt man schon, was passiert, wenn die jetzt irgendwie in Führung gehen und das Spiel eine Eigendynamik annimmt, gegen die du dich nicht wehren kannst. Und dann fahren wir nach Bremen, gegen die waren wir zuletzt ja besonders erfolgreich. 0:10 Tore. Dann kommt Nürnberg und alle schreiben: ,Das müssen wir gewinnen.´ Das ist natürlich Quatsch. Aber gut: Dann verlieren wir gegen Nürnberg, dann Köln, Dortmund - und dann ist der Super-Gau da. Aber deshalb bist du doch immer noch nicht abgestiegen. Die Bundesliga erfordert gute Nerven und Erfahrung, beides haben wir bei der Eintracht.

Also gehen Sie mit Sorgen in die neue Spielzeit?

Nein, im Gegenteil. Es wird nichts passieren. Wir haben einen breit aufgestellten Kader, der ein gewisses Niveau hat.

Haben Sie Angst, in Abstiegsgefahr zu geraten.

Nein. Dafür sind wir zu gut aufgestellt. Dafür haben wir uns zu weit von den anderen wegentwickelt. Unsere Konkurrenten heißen Hannover, Köln, Mönchengladbach, womöglich rutscht Hertha BSC in eine kleine Krise. Womöglich ebbt in Dortmund der Klopp-Hype ab und sie kommen etwas runter. Aber eine Platzierung um Platz zehn wird für uns nur möglich sein, wenn alles passt.

Sie nennen Hertha BSC. Glauben Sie, die Berliner bekommen Schwierigkeiten?

Das ist der wunderbare Tanz, den sich alle wünschen. Du holst Woronin aus Liverpool, du holst Pantelic, der will zwei Millionen netto haben. Du hast Simunic, der gut gespielt hat. Aber auf einmal kannst du das Ensemble nicht mehr bezahlen. Zwei Jahre hatten sie einen tollen Kader, jetzt ist es vorüber. Dann gehen die Spieler - was bleibt, sind die Investitionen. Und die Enttäuschung der Zuschauer. Man weckt Begehrlichkeiten, die nicht gestillt werden können. Hannover hat diese Phase hinter sich, genauso wie wir. Köln steht sie noch bevor. Aber sie wird kommen.

Aber Köln hat ganz schön investiert, Podolski, Maniche...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Rechnung aufgeht und Köln unter die ersten Zehn kommt.

Weil die Bundesliga, wie Sie ja immer betonen, zementiert sei...

...ach, hören Sie auf. Keiner hat mehr Lust auf diese Geschichten, deshalb erzähle ich sie nicht mehr. Mein Ziel war, die Bundesliga in ihren Inhalten zu vermitteln. Aber das habe ich aufgegeben. Es will keiner mehr hören. Also lasse ich es. Warum soll ich Ihnen jetzt zum vierhundertsten Mal erklären, dass der Abstand der Eintracht zu den Bayern im Jahr 1992 40 Prozent betrug und nun 450? Warum? Es will keiner hören. Ich kann aber nicht ändern, dass die Stuttgarter den zweieinhalbfachen Netto-Etat von uns haben. Aber wir werden weiter beharrlich arbeiten mit dem Ziel, uns in der Tabelle zu verbessern.

Wie viel Geld müsste die Eintracht in die Hand nehmen, um in der Tabelle einen richtigen Sprung machen zu können? Zehn, 15 Millionen?

Das bringt nichts. Das ist lachhaft.

Wie viel müsste man denn reinbuttern? 70 Millionen?

Das ist doch Zockerei. Selbst wenn du 100 Millionen in die Hand nimmst, kommst du nicht in die Champions League.

Wie bitte?

Zeigen Sie mir doch mal ein Managerspiel, also in der grauen Theorie, wo die Eintracht mit 100 Millionen Dritter wird. 100 Millionen sind drei Top-Spieler für drei Jahre. Das Gehaltsniveau der anderen Spieler wird dramatisch steigen. Und nach drei Jahren sind die 100 Millionen ausgegeben. Und dann ist die Party vorüber.

Aber mit 100 Millionen ist Wolfsburg Meister geworden.

100 Millionen?

Waren es mehr?

Ich glaube schon, doch Wolfsburg braucht dafür keinen Kredit. Felix Magath hat 45 neue Spieler in drei Jahren geholt. 45. Da kommst du mit 100 Millionen vielleicht hin. Aber Dzeko hat gerade mal sein Gehalt verdreifacht in dieser Woche.

Hannovers Präsident Martin Kind kämpft dafür, die 50+1-Regel zu kippen, damit er das Zementierte aufbrechen kann. Warum sind Sie nicht auch dafür?

Das wäre nicht gut für Eintracht Frankfurt. Es wäre der Super-Gau für die Eintracht. Wir brauchen keine Shareholder Value. Das Leben hier in Frankfurt besteht manchmal doch aus Visionen, aus tollen Prospekten. Aber die Inhalte waren oft anders. Wenn 50+1 kippt, würden die Anteile beliebig wechseln, alle zwei Jahre, und irgendjemand würde sich bei der Eintracht oben aufpflanzen. Drei Jahre später kommt die Nachfolgegeneration, die Eintracht wird weitergereicht - und es würde sich nichts verändern. Die Investoren wollen Rendite, wo bitte soll die herkommen?

Aber es muss doch nicht so kommen, es gibt doch auch seriöse Unternehmen.

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Datum:  6 | 8 | 2009
Seiten:  1 2 3
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