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Interview mit Andreas Menger: Hoffen auf Uli Stein 2.0

Mit Torwarttrainer Andreas Menger sprach die Frankfurter Rundschau über die vier Keeper der Eintracht - und vor allem Neuzugang Ralf Fährmann.

Andreas Menger, 36, geht ab Sommer in sein zehntes Jahr bei Eintracht Frankfurt. Der Torwarttrainer  bleibt auch unter dem neuen Chefcoach Michael Skibbe im Amt.
Andreas Menger, 36, geht ab Sommer in sein zehntes Jahr bei Eintracht Frankfurt. Der Torwarttrainer bleibt auch unter dem neuen Chefcoach Michael Skibbe im Amt.
Foto: Getty

Herr Menger, die Eintracht hat zurzeit vier Torhüter unter Vertrag. Cheftrainer Michael Skibbe senkte bereits den Daumen und monierte, das sei einer zu viel. Wie sieht es der Torwarttrainer?

Na ja, vier Torhüter - das ist schon eine Masse. Ein gutes Training mit vier Keepern ist machbar, aber nicht so einfach, denn meine Maxime lautet ja: Jeden Torwart fördern und besser machen. Andererseits ist es auch so, dass wir unsere Torhütern immer sehr respektvoll behandelt und ihre Leistungen gewürdigt haben. Hier wird keiner vom Hof gejagt. Es ist sicherlich keine einfache Situation, aber letztlich müssen der Cheftrainer und der Verein entscheiden. Ich werde aber natürlich intern meine Meinung sagen.

Torwarttrainer

Andreas Menger, 36, geht ab Sommer in sein zehntes Jahr bei Eintracht Frankfurt. Der Torwarttrainer bleibt auch unter dem neuen Chefcoach Michael Skibbe im Amt. Er freut sich schon jetzt auf die Zusammenarbeit mit dem hoch veranlagten Ralf Fährmann, der aus Schalke kommt. Menger stellt dem 20-Jährigen aber keinen Persilschein aus.

Menger gilt als Torwarttrainer mit neuen Ideen, er holte sich viele Anregungen bei Kollegen oder auch durch Hospitanzen im Ausland. Er genießt einen guten Ruf in der Liga.

Sein Training ist ausgewogen, aber sehr hart. Dem Vernehmen nach soll sich Fährmann auch deshalb für einen Wechsel nach Frankfurt entschieden haben, weil er unter Menger die besten Entwicklungschancen sieht.

Aber es ist doch so: Ralf Fährmann kommt als hoffnungsvoller Nachwuchsmann, Oka Nikolov hat gerade einen neuen Vertrag unterschrieben, und Jan Zimmermann ist der einzige, der bei den Amateuren spielen wird. Da spricht doch vieles dafür, dass Markus Pröll gehen soll.

Das ist Ihre Schlussfolgerung. Markus hat hier tolle Leistungen gebracht, aber er war auch häufig verletzt. Diese Verletzungen sind nicht spurlos an seiner Person vorbeigegangen. Und in der heutigen Zeit ist es auch nicht mehr so einfach zu sagen: ,Such’ dir mal einen anderen Verein.’ Da muss man erst mal einen finden, auch einen, der die finanziellen Voraussetzungen erfüllt.

Und Fährmann kommt als absolute Nummer eins?

Fährmann ist ein sehr talentierter Mann, er war ja jetzt auch im vorläufigen Kader der U21 und mit ihr zur Vorbereitung auf die EM in Rottach-Egern. So einen kriegst du als Eintracht Frankfurt normalerweise gar nicht, so einer geht normalerweise nach Stuttgart oder zu einem anderen Topklub. Deshalb hat die Eintracht hier alles richtig gemacht. Aber ob er Nummer eins wird sofort? Das muss man sehen. Ich habe bisher noch nicht mit ihm gesprochen, ganz bewusst, aber er wird sicherlich schon Erkundigungen über mich und mein Training eingeholt haben. Und dann wird er auch wissen, dass er besser topfit hier herkommen sollte und dass die Vorbereitung nicht so nett wird. Er kommt ja mit großen Vorschusslorbeeren, er hat einen tollen Ruf, aber man muss abwarten, wie er mein Training verkraftet. Vielleicht hängen ihm die Oberschenkel an den Ohren, wenn er meinen Sprungparcours bewältigt hat. Viele sagen ja: ,Andi, unter dir wird er deutscher Nationaltorwart.’ Aber ich muss ihn erst ein paar Wochen sehen, dann kann ich sagen, ob er mal Nationaltorwart werden kann.

Ist Fährmann auch für Sie eine Herausforderung?

Ich habe natürlich schon den Ehrgeiz, ihn zu fördern und aufzubauen. Aber darunter werden die anderen drei Torhüter nicht leiden. Sie werden alle gleich behandelt. Aber ich bin schon gespannt auf Fährmann.

Er hat bisher gerade mal drei Bundesligaspiele auf dem Buckel. Birgt diese Unerfahrenheit Gefahren?

Man muss abwarten, wie er den Druck verkraftet, der hier auf ihm lastet, wenn er die Nummer eins wird. Hier stehen jede zweite Woche 50.000 hinter ihm, die Eintracht-Fans haben auch die Hoffnung, einen neuen Uli Stein zu haben, einen neuen Supertorwart. Da ist der Druck ein ganz anderer, als die Nummer drei auf Schalke hinter Manuel Neuer und Mathias Schober zu sein und am Wochenende vor 350 Leuten gegen die Spielvereinigung Erkenschwick zu spielen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der aktuellen Torhüter? Die vergangene Saison war ja eher durchwachsen. Ja, sie war solide. Mehr nicht. Wir hatten viel Verletzungspech, und man kann nun nicht behaupten, dass da eine ständige Konstante im Tor war, die Torleute haben nicht die Kohlen aus dem Feuer geholt.

Generell fallen die vielen Verletzungen der Torhüter auf. Wieso ist das so? Das war in der vergangenen Saison extrem. Oka Nikolov hatte vorher ja nie was, erst in der letzten Spielzeit hatte er dieses Pech. Bei ihm muss man sagen, dass die Eintracht ihm einen neuen Vertrag versprochen hat - und sie hat sich daran gehalten. Das finde ich super. Jan Zimmermann, finde ich, hat eine tolle Entwicklung genommen. Aber er war das letzte Vierteljahr verletzt, eine Schambeinentzündung ist eine schwerwiegende Verletzung. Da stehen halt auch die Vereine nicht Schlange, die ihn unter Vertrag nehmen wollen.

Unter diesem Gesichtspunkt sind vier Torhüter doch gar nicht so übermäßig viele. Vier Torhüter sind ein Luxus, und wenn man die letzten Jahre sich ansieht, dann muss man sagen, dass es hier schon ganz andere Zeiten gab, da hatte ich schlaflose Nächte, weil ich dachte: ,Oh Gott, wenn jetzt noch einem unserer Torhüter was passiert, dann sehen wir ganz alt aus.’ Das würde nun wohl eher nicht passieren mit vier Schlussleuten.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  19 | 6 | 2009
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