Zum Doppelinterview mit Eintracht-Torwart Oka Nikolov wagt sich FSV-Keeper Patric Klandt schon mal in die Höhle des Löwen. Das Gespräch findet in der Frankfurter WM-Arena statt, Nikolovs Wohnzimmer. Die beiden begrüßen sich herzlich, sind gut drauf, von Anspannung noch keine Spur. Ob sie für den Fotografen nach dem 45-minütigen Gespräch zum Armdrücken antreten würden, werden sie gefragt. „So was mache ich nicht“, sagt der 37 Jahre alte Nikolov. Klandt, 28, nickt zustimmend. Die beiden verabschieden sich. „Bis Samstag“, sagt Klandt. Dann wird die Freundschaft ruhen. Für 90 Minuten.
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Herr Klandt, würden Sie heute lieber auf der anderen Seite im Tor stehen?
Patric Klandt: Nein, wieso?
Na ja, es könnte ein ruhigerer Nachmittag werden, und im Hinspiel gab es ja schon mal die Hütte voll. Da mussten Sie viermal hinter sich greifen.
Klandt: Ich bin froh, dass ich beim FSV spiele. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns deutlich besser aus der Affäre ziehen. Wir haben in den ersten beiden Spielen überzeugt, wir haben uns gut verstärkt. Wir sind gefestigter.
Hat die Eintracht nun Angst, Herr Nikolov?
Nikolov: Um Gottes Willen, nein. Aber es stimmt: Der FSV hat die ersten beiden Spiele ordentlich gemacht. Es wird schwer für uns, es ist ja schließlich ein Derby.
Sie sprechen es an: Es ist Derbyzeit. Aber unser Gefühl ist eher, es ist ein x-beliebiges Spiel, es ist kein Fieber da, kein Prickeln, die Stadt scheint unbeeindruckt von diesem Lokalduell. Ist es nur ein Derby auf dem Papier?
Nikolov: Das weiß ich nicht, es kommt ja auch darauf an, was auf dem Platz passiert. Und die Stimmung beim ersten Derby war super, da habe ich schon gemerkt, dass es ein besonderes Spiel ist.
Aber vor einem Stadtvergleich knallt es doch mal. Da gibt es Kampfansagen oder fliegende Giftpfeile. Hier passiert nichts.
Nikolov: Es muss doch nicht immer knallen, rund um unser Düsseldorf-Spiel war doch genug los, oder nicht? Mir ist es sowieso lieber, wenn es friedlicher und ruhiger zugeht. Auch außerhalb des Stadions. Ich finde generell die Entwicklung rund um den Fußball bedenklich. Wenn ich höre, dass sich die Leute gegenseitig die Köpfe einhauen, frage ich mich: Was soll das? Ich mag es, wenn Familien ins Stadion gehen und sich ein tolles Spiel anschauen können. Aber wenn man Angst um seine Kinder haben muss, läuft irgendwas nicht mehr richtig.
Sehen Sie sich eigentlich die Spiele des Gegners an?
Klandt: Natürlich, ich schaue genau auf Oka, um mir vielleicht noch was abzugucken, weil er ein sehr guter und erfahrener Torwart ist. Und man sieht sich vor allem an, wie die Ecken kommen und die Freistöße. Das ist für einen Torwart extrem wichtig.
Herr Nikolov, haben Sie das letzte Spiel des FSV gesehen, als Patric Klandt aus dem Tor stürmte, nicht an den Ball kam – und die Ingolstädter kurz vor Schluss den Ausgleich machten. Danach prasselte Kritik auf ihn ein. Fühlt man da mit?
Nikolov: Wenn ich bei jedem Fehler mitleiden würde, hätte ich viel zu tun. Ich leide bei meinen Fehlern, da habe ich genug zu tun (lacht). Aber mal im Ernst: Man weiß, wie schnell es gehen kann. Ich kenne das, was Patric passiert ist, nur zu gut. Kommt vor.
Haben Sie, Herr Klandt, sich die Szene im Fernsehen angesehen?
Klandt: Ja, mir war im Spiel nicht bewusst, dass Björn Schlicke noch in der Nähe ist. Ich hätte im Tor bleiben müssen. Ganz klar.
Ist das die Krux am Torwart-Spiel: Eine falsche Entscheidung getroffen und schon ist man der Sündenbock?
Nikolov: Klar, so ist es. Als Torwart ist man ein Einzelkämpfer, man ist schon Teil der Mannschaft, man ist abhängig von der Mannschaft. Aber letztlich macht man als Torwart sein eigenes Ding.
Klandt: Aber wir haben es uns ja ausgesucht, ins Tor zu gehen, also darf man sich nicht darüber beschweren.
Nikolov: Moment. Ich habe es mir nicht ausgesucht, ich wollte Stürmer werden. Aber dann war ich linker Verteidiger. Und irgendwann bin ich im Tor gelandet.
Das wollen wir aber schon genauer wissen.
Nikolov: Na ja, ich habe bis zur D-Jugend beides gemacht, war erst ab der C-Jugend fest im Tor. Ich habe beim älteren Jahrgang im Tor gespielt, bei den Gleichaltrigen war ich linker Verteidiger.
Und Sie, Herr Klandt, auch mal Feldspieler gewesen?
Klandt: Ja, als ich in der Jugend bei der Eintracht gespielt habe, war ich der klassische Libero. Bis zur D1. Der Vater von Patrick Ochs (bis letzte Saison bei der Eintracht, jetzt in Wolfsburg; Anm. d. Red.) war damals mein Trainer, und er hat mich dann irgendwann ins Tor gesteckt. War okay so.
Muss man als Torwart ein guter Fußballer sein?
Nikolov: Man muss schon kicken können. Das Torwartspiel hat sich sowieso geändert: Seit zehn Jahren verlangen die Trainer, dass man der verkappte Libero ist. Und das Material verändert sich, die Bälle sind schneller, die Spieler sind schneller. Die Schüsse sind unangenehmer. Früher hatte ja nur Mario Basler so krumme Dinger drauf, heute hat jede Mannschaft einen drin, der gemein schießen kann.
Sie haben früher zusammen bei der Eintracht gespielt. Erzählen Sie doch mal.
Klandt: Ich war ja Amateurtorwart und habe nur vier-, fünfmal bei den Profis unter Willi Reimann mittrainiert. Irgendwann war klar, dass ich bei der Eintracht nicht weiterkomme. Das war für mich schon enttäuschend.
Es hieß mal, Andreas Menger habe Sie nicht gewollt.
Klandt: Das weiß ich nicht so genau. Ich habe gehört, dass Menger mal gesagt haben soll, ich sei zu klein. Aber das ist egal. Ich bin damals nach Wehen gegangen, und es war der richtige Schritt. Bei der Eintracht wäre ich Torwart Nummer drei gewesen hinter Oka und Markus Pröll. Das hätte für mich keinen Sinn gemacht.
Herr Nikolov, wir hatten mal ein Interview mit Patric Klandt, da ist er sehr energisch geworden, als das Thema auf seine Körpergröße kam.
Nikolov: Wieso? Wie groß bist Du denn, so groß wie ich, oder?
Klandt: 1,85 Meter.
Nikolov: Na und? Reicht doch. Für mich ist entscheidend, was auf dem Platz passiert. Es ist egal, ob einer Schuhgröße 45 oder 42 hat. Oder ob ein Torwart drei Zentimeter kleiner oder größer ist. Es gibt Schlussmänner, die sind riesig und haben keine Sprungkraft. Oder andere haben Sprungkraft – stehen dafür aber immer falsch. Das bringt dir dann auch nichts.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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