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Kommentar: Katze im Sack

Die Eintracht hat ihr Angebot für Djebbour an AEK Athen zurückgezogen und sich damit womöglich vor einem großen Fehler bewahrt. Der Spielermarkt ist voll. Doch Abnehmer finden sich kaum. Von Ingo Durstewitz

Ingo Durstewitz arbeitet in der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau.
Ingo Durstewitz arbeitet in der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

An der türkischen Riviera, dem Eldorado für Hobbygolfer und Profifußballer, geben sich die Spielerberater die Klinke in die Hand. Sie residieren in feudalen Hotels, pflegen Kontakte, bieten ihre Klienten an. Belek ist ein Tummelplatz für Agenten, seriöse Unternehmer und schwarze Schafe. Der Spielermarkt ist voll, überschwemmt gar, jeder Klub würde gerne seine Ladenhüter abgeben. Und am besten noch ein bisschen Kasse machen. Doch Abnehmer finden sich kaum. Nur die Kellerkinder Nürnberg und Hertha lassen sich nicht lumpen, Schalke sowieso nicht. Sonst herrscht Zurückhaltung. Wirtschaftskrise, wackeliger Bezahlsender Sky - die Klubs sind vorsichtig. Auch Eintracht Frankfurt. Das ist man gewohnt. Und führte schon zweimal dazu, dass Trainer Michael Skibbe - ein fordernder, ehrgeiziger Mann - einen dicken Hals hatte und seine eigene maßvoll haushaltende Klubführung frontal attackierte.

Auch am Freitag hat Eintracht Frankfurt mal wieder in die Röhre geschaut, wie so oft, der ausgeguckte Stürmer Rafik Djebbour war dann doch nicht zu bekommen. Skibbe blieb cool. Aus gutem Grund. Denn die Hessen haben richtig und vernünftig gehandelt, die Mätzchen der Athener Vereinsführung nicht mitzumachen.

Und es ist doch zweifelhaft, ob ein Spieler, der neun Monate lang kein Punktspiel absolviert hat und gegen seinen Trainer in Athen handgreiflich geworden ist, tatsächlich der Mann gewesen wäre, den die Eintracht so dringend benötigt. Zumal Klubchef Heribert Bruchhagen stets betont, dass ein Faustpfand des Frankfurter Erfolgs die höchst charaktervollen Spieler seien. Ob sich Djebbour da wirklich geschmeidig eingefügt hätte? Es schmückt den 25-Jährigen auch nicht wirklich, eine Armada von Beratern um sich geschart zu haben. Darunter windige Strippenzieher, die jeden Schritt der Verhandlungen an die Öffentlichkeit brachten. Seriös geht anders.

Die Eintracht ist womöglich vor dem Fehler bewahrt worden, einen Spieler zu holen, den kein Verantwortlicher jemals live hat spielen sehen. An ihrer Spielersichtung muss die Eintracht mit Hochdruck arbeiten. Sie muss Fußballer finden, die gut und finanzierbar sind. Per Youtube geht das eher nicht.

Autor:  Ingo Durstewitz
Datum:  8 | 1 | 2010
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