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Kommentar: Schwere Last

Heribert Bruchhagen hat einiges zu tun: Er muss die Mannschaft verstärken, und zweitens versuchen, die Gräben zuzuschütten, die innerhalb des Klubs aufgerissen sind. Von Thomas Kilchenstein

Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

In den nächsten Wochen muss der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen zwei gewaltige Lasten schultern: Er muss, erstens, die Mannschaft für die neue Saison in der Erstklassigkeit verstärken, und er muss, zweitens, versuchen, die Gräben zuzuschütten, die innerhalb des Klubs aufgerissen sind. Dass dies eine verdammte Kärrnerarbeit wird, ist Bruchhagen nicht erst seit der 0:5-Klatsche gegen Bremen am Mittwoch gewiss.

Die Stimmung in Frankfurt ist nachhaltig vergiftet, das Klima aggressiv: Und es sind nicht nur die zahlenden Fans hinter dem Tor, die ihren Unmut lautstark äußern, sondern eben auch jene aus den Vip-Räumen und im Aufsichtsrat. Der Unmut fokussiert sich auf Trainer Friedhelm Funkel, dem viele zu öde Spiele, zu wenig Vision, zu viele Niederlagen vorwerfen. Und doch ist der Trainer nur der Sündenbock. Viele sehnen sich nach den alten Zeiten zurück, da Eintracht Frankfurt eine Marke war.

Die Zeiten werden nicht zurückkommen, da Bruchhagen nicht Vabanque zu spielen bereit ist und den Klub in halsbrecherische finanzielle Abenteuer führen wird. Das ist gut so, kommt aber beim Volk nicht an. Und die Krux: Mit rationalen Argumenten ist diese Klientel nicht mehr zu erreichen: die lange Verletztenliste, die bescheideneren ökonomischen Möglichkeiten, die Zwei-Klassengesellschaft in der Bundesliga - all diese Fakten führen nicht zu Einsicht, sondern zu Aggressivität und weiterer Kritik.

Wie wird es weitergehen? Auch in der nächsten Saison wird die Eintracht die Bundesliga nicht aufmischen. Die Eintracht wird Mittelmaß bleiben - und die "Funkel-raus"-Rufe nach den ersten Niederlagen nicht ausbleiben. Präsident Peter Fischer hat schon Recht, wenn er sagt, man gehe mit "einem großen Rucksack" in die neue Runde. Im Grunde können nur intelligente Verstärkungen und eine kleine Siegesserie am Anfang die Stimmung im Klub wieder kitten.

Heribert Bruchhagen ist gut beraten, nicht einzuknicken. Noch sagt er, wer diese Kritik nicht aushalte, sei fehl am Platz. Die Frage ist: Lässt man ihn machen? Für die Eintracht wäre eine Entmachtung Bruchhagens fatal. Denn der Weg der Solidität, den der Klub nach den vielen Jahren der Inkompetenz nun beschreitet, ist der richtige - allen Krakeelern zum Trotz.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  15 | 5 | 2009
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